Training im Forsthaus

Boxer Max Schmelings Spuren in Friedrichsruh

Hier dinieren heute Gäste des Forsthauses. Damals wurde der Saal von Max Schmeling als Trainingshalle genutzt. Boxhandschuhe und Holzvertäfelung sind Original.

Hier dinieren heute Gäste des Forsthauses. Damals wurde der Saal von Max Schmeling als Trainingshalle genutzt. Boxhandschuhe und Holzvertäfelung sind Original.

Foto: Forsthaus Friedrichsruh / BGZ

Die Box-Legende Max Schmeling trainierte im Forsthaus Friedrichsruh für seine wichtigsten Kämpfe. Wir waren einmal vor Ort.

Friedrichsruh. Die „Schmeling-Halle“ im Forsthaus Friedrichsruh erinnert an die deutsche Box-Legende: An den Wänden hängen Fotos aus Max Schmelings Glanzzeiten und von der Decke baumeln seine Boxhandschuhe. Der Raum, der heute als Restaurant genutzt wird, diente dem verstorbenen Hamburger einst als Trainingsquartier.

Hier bereitete er sich auf einen seiner berühmtesten Kämpfe vor – im Juni 1936 in New York gegen den „Braunen Bomber“ Joe Louis. 90 Jahre ist es her, dass Schmeling den Weltmeistertitel im Schwergewicht holte. Bis heute ist es keinem anderen Deutschen gelungen, den WM-Titel in der Königsklasse zu holen.

1935 bereitete der Boxer sich auf mehrere Kämpfe vor

Seitdem Prof. Dr. Ulrich Lappenküper bei der Otto-von-Bismarck-Stiftung tätig ist, verfolgen ihn Schmelings Spuren in Friedrichsruh. „Ich finde die Frage spannend, warum er sein Trainingslager gerade in Friedrichsruh aufgeschlagen hat“, so Lappenküper. Wenn die Zeit es zulässt, forscht er in Archiven, als Historiker sei er eben eine „Wühlmaus“. „Es gibt einen Eintrag im Gästebuch des Museums, auf den wir gestoßen sind“, sagt er. Am 9. März 1935 hatte Schmeling das Bismarck-Museum besucht.

1935 bereitete sich Max Schmeling auf mehrere Kämpfe vor. Nachdem er 1932 seine Weltmeisterkrone verloren hatte, arbeitete er hartnäckig daran, sie zurückzuerobern. Das Forsthaus wurde seinerzeit vom Ehepaar Bollow betrieben.


Max Schmeling genoss lange Läufe durch den Sachsenwald

Wie der Aumühler Hermann Griem, damals Betreiber eines Friseursalons an der Großen Straße, in einem dem Forsthaus vorliegenden Bericht erklärte, war die Halle „in aller Eile am Forsthaus angebaut“ worden. „Um mehr Platz zu schaffen für Zuschauer, die Max Schmeling bei seinem Training zusehen konnten.“ Seine Auftritte hätten für großes Aufsehen und viele Schaulustige gesorgt. „Bewundernswert war die Ruhe und Gelassenheit, mit der Schmeling diesen Trubel über sich ergehen ließ“, schilderte Griem. In seinem Friseursalon sei damals der „Boxweltmeister“-Haarschnitt besonders gefragt gewesen.

Bei seiner Recherche erfuhr Lappenküper, dass Schmeling „lange Läufe durch den Sachsenwald genossen“ und beim Holzhacken Muskeln aufgebaut hatte. Heute erinnert im Sachsenwald, direkt beim Forsthaus, auch der Max-Schmeling-Weg an die Legende.

„Mit 43 Jahren war er wohl nicht mehr so fit“

Bekannt ist zudem, dass er im Januar und im März 1938 im Forsthaus trainierte. „Ich denke, sein Grund waren die Ruhe und die gute Verpflegung“, so Lappenküper. Außerdem habe die Pächterin Frau Bollow Schmeling immer gut mit Klöben, Hamburger Rosinenstuten, versorgt. Ein Foto vom 11. April 1938 aus der Österreichischen Nationalbibliothek ist ein Indiz dafür, dass er sogar in Friedrichsruh gemeldet gewesen sein könnte: Es zeigt den Boxer an der Wahlurne.

Nach einer Zwangspause aufgrund seines Dienstes im Zweiten Weltkrieg hatte Schmeling versucht, seine Karriere erneut aufblühen zu lassen. Im Mai und im Dezember 1947 bereitete er sich zuletzt in Friedrichsruh auf den Ring vor, vermutlich aus Geldnot. „Am 31. Oktober 1948 bestritt er seinen letzten Kampf gegen Richard Vogt, dem er nach Punkten unterlag“, so Lappenküper. „Mit 43 Jahren war er wohl einfach nicht mehr so fit.“

Letzter Besuch zur Neueröffnung des Forsthauses

Die letzte Spur in Friedrichsruh hinterließ Schmeling wohl 1977. Damals wurde das Forsthaus nach Renovierungsarbeiten neu eröffnet. Max Schmelings Trainingshalle war dem Restaurant angegliedert worden. „Die Boxhandschuhe an der Decke sind Originale, genau wie die Holzvertäfelung, die wir natürlich solange es geht behalten“, sagt die heutige Pächterin Julia Andor.