Ermittlungen

Kam so Corona ins Wentorfer Seniorenheim?

Archivfoto: Retter vor der Senioreneinrichtung, nachdem am 22. März eine 91-Jährige Bewohnerin an Corona erkrankte.

Archivfoto: Retter vor der Senioreneinrichtung, nachdem am 22. März eine 91-Jährige Bewohnerin an Corona erkrankte.

Foto: HamburgNews

Die Staatsanwaltschaft Lübeck ermittelt nach drei Todesfällen in einer Wentorfer Senioreneinrichtung gegen Betreiber und Angestellte.

Wentorf/Lübeck.  Die Staatsanwaltschaft Lübeck ermittelt gegen die Betreiber und zwei Angestellte einer Wentorfer Senioreneinrichtung nach möglicherweise folgenschweren Verstößen gegen die Corona-Quarantänepflicht. Ende März waren alle 22 Bewohner der Seniorenwohnanlage an Covid-19 erkrankt, drei Bewohner starben Anfang April im Krankenhaus vermutlich infolge der Infektion (wir berichteten).

Oberstaatsanwalt Christian Braunwarth bestätigt das Ermittlungsverfahren, das aufgrund einer Strafanzeige des Kreises Herzogtum Lauenburg eingeleitet wurde. Der Kreis hatte nach dem Corona-Ausbruch die kommissarische Leitung der Senioreneinrichtung übernommen. Nach den Angaben der Staatsanwaltschaft soll ein Mitarbeiter trotz einer Infektion mit dem Coronavirus und einer gegen ihn angeordneten Quarantäne in der Einrichtung weitergearbeitet haben. Eine weitere Mitarbeiterin soll „zur Arbeit veranlasst worden sein, obwohl diese kurz zuvor aus einer als Risikogebiet eingestuften Region in Österreich zurückgekehrt war, sodass für sie ein zweiwöchiges Betretungsverbot für die Pflegeeinrichtung galt und sie dort nicht hätte beschäftigt werden dürfen“, sagt Oberstaatsanwalt Braunwarth. Das 14-tägige Betretungsverbot von Pflegeeinrichtungen für Reiserückkehrer hatte der Kreis bereits am 9. März per Allgemeinverfügung verhängt. Die weiteren Beschuldigten sollen von der Arbeitsaufnahme gewusst, aber nichts dagegen unternommen haben.

Nun wird gegen Betreiber und Mitarbeiter wegen Körperverletzung mit Todesfolge und Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz ermittelt. Für Körperverletzung mit Todesfolge sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe von drei bis zehn Jahren vor. Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz werden mit Geldstrafen oder Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahren geahndet.

Wesentlich für das Verfahren dürfte sein, ob die Anklagebehörde nicht nur die behaupteten Quarantäne-Verstöße, sondern auch einen Zusammenhang mit dem Tod der Bewohner nachweisen kann.