Friedrichsruh

Forsthaus will mit neuem Konzept aus der Krise

Marc Matthias und seine Lebensgefährtin Julia Andor sind die Pächter des Forsthaus Friedrichsruh und freuen sich auf die Wiedereröffnung. Sie haben einen alten Birkenstamm zum stilechten Desinfektionsspender umgebaut.

Marc Matthias und seine Lebensgefährtin Julia Andor sind die Pächter des Forsthaus Friedrichsruh und freuen sich auf die Wiedereröffnung. Sie haben einen alten Birkenstamm zum stilechten Desinfektionsspender umgebaut.

Foto: Stephanie Rutke / BGZ

Die Pächter des Forsthauses hatten seit der Eröffnung 2019 mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen, zuletzt mit der Corona-Schließung.

Friedrichsruh. Im ganzen Land warten Gastronomen und Hoteliers auf den heutigen 18. Mai – den Tag, an dem sie wieder öffnen dürfen. Unter welchen Bedingungen das geschehen kann, dazu hat die Landesregierung in Kiel eine vierseitige Handlungsempfehlung herausgegeben. Zu den betroffenen Betrieben zählt auch das Forsthaus Friedrichsruh. Seit dem 1. April 2019 führen Marc Matthias und seine Lebensgefährtin Julia Andor das beliebte Restaurant im Sachsenwald. Sie mussten seit ihrem Start in die Selbstständigkeit mit unvorhersehbaren Schwierigkeiten kämpfen.

Gleich zweimal war die Straße zwischen Friedrichsruh und Grande wochenlang komplett gesperrt, das Forsthaus nur über weite Umwege erreichbar. Da auch die Busverbindung Aumühle–Trittau eingestellt wurde, konnten einige Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz nicht erreichen. Marc Matthias hat in dieser Phase in Eigenregie einen Shuttleservice zur S-Bahn eingerichtet.

Zehn Mitarbeiter in Kurzarbeit

Dann kam am 18. März die Schließung aufgrund der Corona-Pandemie. Matthias und Andor hatten die Lage vorab in Hamburg beobachtet und sich darauf eingestellt. „Wir haben sofort mit unseren Mitarbeitern über Kurzarbeit gesprochen“, erklärt Julia Andor. So konnte ihnen viel Druck genommen werden, denn eins haben die Gastronomen sofort kommuniziert: „Wir wollen unser tolles Team unbedingt behalten.“ Sie haben das Kurzarbeitergeld für die zehn Betroffenen auf 80 Prozent aufgestockt und es geschafft, dass bislang niemand abgesprungen ist.

Mit Gregor von Bismarck, Inhaber des Forsthauses, haben sie ebenfalls sofort das Gespräch gesucht und einen guten Weg durch die Krise gefunden. „Es gab für uns genau zwei Strategien“, sagt Marc Matthias. „Entweder wir nehmen jeden Cent mit oder wir minimieren die Kosten so weit wie möglich.“ Er hat sich für Letzteres entschieden. Aufgrund der abgeschiedenen Lage hätte es keinen Sinn gemacht, die Küche für Abhol- oder Lieferservice zu öffnen. Das Forsthaus wurde für zweieinhalb Monate geschlossen.

Besonderes Angebot für Hochzeitspaare

Andor und Matthias konnten im ersten Jahr des Bestehens so viele Stammgäste überzeugen, dass diese ihnen auch in dieser schwierigen Zeit die Treue halten. Einige machten Werbung für das Forsthaus, viele haben bereits jetzt reserviert und geplante Veranstaltungen nicht storniert. Da sich das Forsthaus als schöne Location für Hochzeitsfeiern etabliert hat, macht Julia Andor ihren Gästen ein besonderes Angebot: „Ich überlasse es Paaren, ob sie eine geplante Hochzeit bei uns absagen, oder warten, ob die Feier doch möglich ist. Ansonsten verschieben wir den Termin auf das gleiche Datum im kommenden Jahr.“ Das führt dazu, dass der Terminkalender für 2021 bereits gut gefüllt ist.

Jetzt blicken die beiden Unternehmer erwartungsvoll der Wiedereröffnung entgegen. „Wir haben entschieden, mit neuem Konzept zu starten“, erklärt Julia Andor. Das Forsthaus Friedrichsruh wird seine Türen am 22. Mai für die Gäste zunächst an den Wochenenden öffnen. Freitags wird ein Barbecue angeboten, am Wochenende haben die Gäste die Wahl zwischen À-la-carte und einer Vesper-Karte auf der Terrasse. Frühstücks- und Arrangementgäste sind bereits von heute an willkommen.

Grillstation mit Pallettenmöbeln vor dem Forsthaus

Auf der Terrasse bauen die Pächter eine neue Grillstation auf. Es wird ein hölzernes „Mini-Forsthaus“. Sowohl im Restaurant als auch auf der Terrasse stehen die Tische jetzt mit dem geforderten Abstand. Die Gäste werden über „Einbahnstraßen“ geleitet. Laut Hygienekonzept muss jeder Gast die Hände desinfizieren: Dafür steht vor dem Eingang ein alter Birkenstamm, den Marc Matthias kurzerhand zum Desinfektionsständer umfunktioniert hat.

Ein großes Plus für das Forsthaus ist die Rasenfläche davor. Hier steht die Grillhütte, in der Würstchen, Kaffee, Kuchen und Getränke angeboten werden. Gäste können es sich nach dem Spaziergang oder der Radtour draußen auf Palettenmöbeln gemütlich machen.

Hoffen auf die Ausflugsgäste

Auf eine zeitliche Aufenthaltsbegrenzung verzichten Andor und Matthias. Und auch Gäste, die nicht vorab reserviert haben, können sich auf ein leckeres Gericht freuen. Ein Mitarbeiter wird bereitstehen und die nötigen Formalitäten übernehmen. Denn jeder Gast muss seine Kontaktdaten hinterlassen. Wenn jetzt noch das Wetter mitspielt, hoffen Julia Andor und Marc Matthias auf viele Ausflugsgäste im Forsthaus Friedrichsruh.