Rücktritt Thorsten Gundlach

Zündstoff in der Feuerwehr-Debatte in Wentorf

Thorsten Gundlach legt seine politischen Ämter in Wentorf nieder.

Thorsten Gundlach legt seine politischen Ämter in Wentorf nieder.

Foto: CDU Wentorf

In der Planung für die neue Feuerwache steckt viel Zündstoff. Nun tritt der Vorsitzende des Lenkungsausschusses von seinen Ämtern zurück.

Wentorf.  Dass im Thema Feuerwehr-Neubau ordentlich Zündstoff steckt, musste Bürgervorsteher Lutz Helmrich (CDU) jetzt erneut erfahren. Jüngst hatte er ein Schreiben von seinem Parteikollegen Thorsten Gundlach auf dem Tisch. Darin erklärte der, von seinen politischen Ämtern zurück- und aus der CDU auszutreten. Erst kürzlich hatte sich Dirk Petersen von den Grünen distanziert. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hatte, war eine Auseinandersetzung während der Planung für die Feuerwache.

Thorsten Gundlach zeigt sich ernüchtert. Der Familienvater war erst 2016 der CDU beigetreten, nachdem der mittlerweile verstorbene Bürgervorsteher Andreas Hein ihn dazu ermutigt hatte. „Er suchte Leute, die etwas für den Ort machen wollen“, erklärt Gundlach. Als er für die CDU Vorsitzender der Lenkungsgruppe für den Neubau der Feuerwache wurde, schien diese Aufgabe wie für ihn geschaffen. Gundlach arbeitet seit 39 Jahren bei der Berufsfeuerwehr in Hamburg und ist dort als Fachbereichsleiter „Zentrale Fortbildung Rettungsdienst“ angestellt. Die Feuerwehr liegt ihm am Herzen, genauso wie die Gemeinde Wentorf, sagt er.

„Fehlender Rückhalt der Fraktionen“

Doch schnell zehrte dieses Amt Kraft und Nerven. Gundlach spricht von fehlendem Rückhalt – aus den eigenen Reihen und von den anderen Fraktionen. „Für viele wird die Feuerwehr wohl nur als ,nice to have’ angesehen“, sagt er. Aber dass die 14.000-Einwohner-Gemeinde ohne die Ehrenamtlichen ein „riesen Problem“ hätte, scheine einigen nicht bewusst zu sein. Wertschätzung und Unterstützung fehle.

Immer wiederkehrende, „unendliche Diskussionen“ über den seit Dezember beschlossenen Standort, über die Gebäudeausstattung und damit verbundene Kosten, würden die Planung aufhalten. „Außerdem hat Ehrlichkeit nicht den obersten Stellenwert in Wentorfs Politik“, sagt er, möchte jedoch nicht alle über einen Kamm scheren. „Die Arbeit des Lenkungsausschusses ist immer eine sehr gute und konstruktive gewesen“, sagt er. Auch lobt er die Zusammenarbeit und das Engagement der Freiwilligen Feuerwehr, der Verwaltung sowie des Bürgermeisters Dirk Petersen.

Fraktionen wollen mehr miteinander reden

„Der Austritt von Thorsten Gundlach hat uns sehr überrascht“, sagt Kristin Thode, Fraktionschefin der CDU. Sie hätte sich eine Aussprache gewünscht. Gundlachs Anschuldigungen möchte sie „vehement widersprechen.“ Bei einem so großen Projekt – im Raum steht eine Summe von 9,3 Millionen – sollte eine „interfraktionelle Diskussion“ erlaubt sein. Gerade jetzt, wo die finanzielle Lage durch die Corona-Krise so unvorhersehbar ist. Hier stimmen auch die Grünen, die SPD und die FDP zu, die Gundlachs Entscheidung sehr bedauern. „Allerdings bin ich auch über den Rücktritt verwundert, denn in der letzten Hauptausschusssitzung hatte Herr Gundlach die Möglichkeit sich zu dem Projekt zu äußern und auch von dieser Gebrauch gemacht. Es wäre da der geeignete Zeitpunkt gewesen solche Erfordernisse anzusprechen. Leider unterließ Herr Gundlach dieses in der gebotenen Offenheit“, bedauert die SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Hollweg.

„Den Lenkungsausschuss haben wir immer unterstützt und konstruktiv begleitet“, sagt Günter Weblus, FDP-Fraktionsvorsitzender. Für Weblus ist auch wichtig, über die Folgen des Abrisses der ehemaligen Hauptschule zu sprechen, und darüber, was am jetzigen Feuerwehrstandort passiert. Am Dienstagabend tauschten die Fraktionsvorsitzenden sich im Videochat mit Bürgervorsteher Helmrich darüber aus. „In freundlicher, offener Atmosphäre“, erklärt Weblus. Man wolle nun mehr „miteinander reden, nicht übereinander“ – und zwar regelmäßig. Dabei dürften die Fraktionen durchaus unterschiedlicher Meinung sein, meint Grünen-Fraktionschef Torsten Dreyer. Schließlich stünden alle geschlossen hinter dem Neubau der Feuerwache.

„Neubau trotz Corona im Zeitplan“

Die Hauptschule wird irgendwann abgerissen. Die Geflüchteten, die dort noch leben, ziehen in Wohnungen sowie in die Containeranlage an der Schanze. Für Vereine und Schüler, die das Hauptschulgebäude und die Sporthalle bisher genutzt haben, wird nach Alternativen gesucht, sagt Petersen. Der Bürgermeister erklärt zudem, die Kosten in Höhe von 9,3 Millionen Euro sind noch nicht fix. Sie beruhen auf dem aktuellen Raumbedarf, der noch im Lenkungsausschuss für den Feuerwehrneubau diskutiert wird. Dennoch: „Wir wollen hier keine Luxuswache bauen, sondern eine, die den aktuellen Anforderungen genügt. Wir können es uns nicht leisten, keine vernünftige Feuerwache zu haben. Das sind wir den Bürgern und den Feuerwehrleuten schuldig, und das ist eine Selbstverständlichkeit“, sagt er. Abschließend stellt Petersen fest: „Trotz Corona liegen wir voll im Zeitplan.“ Der Lenkungsausschuss für den Neubau der Feuerwache trifft sich erneut am 13. Mai.

Thorsten Gundlach ist dann nicht dabei, er nutzt seine Zeit nun für die Familie und den Job. „Ich hoffe, ich kann durch meinen Rücktritt ein Signal senden: Geht besser miteinander um in der Politik in Wentorf“, sagt er.