Coronavirus

Lage in Wentorfer Seniorenheim immer kritischer

Mitarbeiter des Rettungsdienstes bringen am Dienstag, 31. März, erkrankte Bewohner des Wentorfer Seniorenheims in Krankenhäuser.

Mitarbeiter des Rettungsdienstes bringen am Dienstag, 31. März, erkrankte Bewohner des Wentorfer Seniorenheims in Krankenhäuser.

Foto: christoph leimig / Christoph Leimig

Drei Bewohner sind nach Erkrankung an Covid-19 gestorben, drei weitere in Behandlung. Mindestens 15 Senioren sind infiziert.

Wentorf. Es herrscht Ausnahmezustand im Wentorfer Seniorenwohnsitz Am Sachsenwald. Drei positiv auf das Coronavirus getestete Bewohner sind in den vergangenen Tagen im Reinbeker und im Geesthachter Krankenhaus verstorben, drei weitere befinden sich in Behandlung. Insgesamt 15 bestätigte Coronafälle zählt das Heim laut Pressestelle des Kreises Herzogtum Lauenburg seit gestern. Seit Mitte März wird die Einrichtung kommissarisch vom Landkreis geführt – eine absolute Ausnahme und einmalig im Kreis, erklärt Pressesprecher Tobias Frohnert.

Zuerst war die Lungenkrankheit Covid-19 vor drei Wochen bei einer 90 Jahre alten Bewohnerin diagnostiziert worden. Der Alltag im Heim mit 22 Bewohnern veränderte sich drastisch. „Das Pflegeheim war nicht mehr in der Lage, den Heimbetrieb aufrechtzuerhalten, auch aus personellen Gründen“, so Frohnert. Der Kreis leitet die Einrichtung nun kommissarisch und geht mit seinen Leistungen in Vorkasse. Ein externer Pflegedienstleister ist beauftragt, der die Bewohner wie gewohnt rund um die Uhr versorgt. Das Personal sei mit ausreichend Schutzkleidung ausgerüstet, wie etwa mit Handschuhen, Masken, Brillen und Wechselkleidung, erklärt Tobias Frohnert.

Derzeit noch 16 Senioren in der Einrichtung

Von den 22 Bewohnern aller Pflegestufen leben derzeit noch 16 im Wentorfer Heim. Zwar gebe es auch einige Doppelzimmer, doch werden die Bewohner „so gut es geht isoliert“, sagt der Kreissprecher. Auch fortan sollen sie in dem Heim bleiben. Nachdem der Kreis die Leitung übernommen hatte, war zunächst geplant, die Einrichtung zu räumen und alle Bewohner auf andere Heime zu verteilen. Da jedoch alle der Senioren Kontakt zu der positiv getesteten 90-Jährigen hatten, war dies nicht möglich, so Frohnert.

Vor zwei Wochen veranlasste der Kreis, alle Bewohner auf das Virus zu testen: 15 Fälle sind bestätigt, ein Test fiel negativ aus, fünf Ergebnisse stehen aus. Ein Hausarzt untersucht die Senioren täglich auf Symptome. Die zuerst an Covid-19 erkrankte Frau ist nach Information des Kreises genesen, soll demnächst aus dem Krankenhaus in ein anderes Heim gebracht werden.

Einziges Heim unter Aufsicht des Kreises

Kreisweit ist der Wentorfer Seniorenwohnsitz das einzige betroffene Pflegeheim, erklärt Tobias Frohnert. Mitarbeiter der Wohn- und Pflegeaufsicht des Kreises „haben einen Blick“ auf alle Einrichtungen. „Eine Mitarbeiterin des Fachdienstes schaut in Wentorf täglich nach dem Rechten“, sagt der Pressesprecher.

Im Land zählt auch der Kreis Pinneberg Coronainfizierte in Pflegeeinrichtungen. In einem Altenheim in Tornesch sind bis auf einen Bewohner alle, also rund 30, infiziert, genauso wie die Hälfte des Pflegepersonals. Das bestätigte der Kreis am Mittwoch. Zwei weitere Heime in Rellingen sind betroffen. Die Gesundheitsbehörden der Kreise ermitteln zurzeit, wie das Virus in die Einrichtungen gelangen konnte.