Eisenbahnliebhaber

THW setzt Waggon in Wentorf auf die Schienen

Eisenbahnliebhaber Christel und Thomas Spilcker aus Wentorf lassen sich vom THW einen Eisenbahnwaggon auf ihrem Gewerbehof Auf dem Ralande 10 aufstellen.

Eisenbahnliebhaber Christel und Thomas Spilcker aus Wentorf lassen sich vom THW einen Eisenbahnwaggon auf ihrem Gewerbehof Auf dem Ralande 10 aufstellen.

Foto: Denise Ariaane Funke / Denise Aariane Funke

Für das Ehepaar Spilcker ist es die Erfüllung eines Traumes, für das THW eine gute Übung: Es setzte einen alten Waggonauf seine Schienen.

Wentorf. Eisenbahnfreunde gibt es viele in Deutschland. Nur wenige allerdings dürften ein eigenes Stück Gleis samt originalem Eisenbahnwaggon besitzen. Christel (60) und Thomas Spilcker (61) gehören dazu. Auf dem Gelände ihrer Tischlerei an der Straße Auf dem Ralande in Wentorf startete das Technische Hilfswerk (THW) jetzt die „Operation Eisenbahnwaggon“.

25 Männer und Frauen des THW-Ortsverbands Bergedorf bugsierten dort einen 15 Tonnen schweren Waggon auf ein eigens gebautes, zwölf Meter langes Gleisstück. Die Schienen hatte Eisenbahnliebhaber Thomas Spilcker im Hamburger Hafen gekauft, die Schwellen baute der Tischler selbst: „Aus Umweltschutzgründen, die ursprünglichen waren mit umweltschädlichen Mitteln belastet“, sagt Spilcker.

Herausforderung für das THW

Den Waggon aus den 30er-Jahren, einst ein Küchenwagen, besitzt der 61-Jährige schon länger. Vor etwa zehn Jahren entdeckte der passionierte Oldtimer-Sammler ihn bei einem Bekannten in Mölln – und verliebte sich sofort. Es dauerte allerdings noch einige Jahre, bis der Preis stimmte. Für 3000 Euro wechselte das grau-grüne Gefährt schließlich vor geraumer Zeit den Besitzer und mithilfe eines Tiefladers auf etwas abenteuerlichen Wegen den Standort.

Nun war endlich auch das passende Gleis samt Schotterbett fertig. Ein Kran sollte allerdings nicht unbedingt bestellt werden, um den Waggon darauf zu hieven. „Ein Auszubildender ist beim THW“, berichtet Spilcker, der brachte die Idee ein, die Kameraden an dem Waggon üben zu lassen. Eine Herausforderung: „Ab und zu werden wir zu Einsätzen gerufen, bei denen ein Waggon aus den Gleisen gesprungen ist. Da handelt es sich aber in der Regel um 20 Zentimeter und nicht wie hier um eine fünf Meter lange Strecke, die überwunden werden muss“, erklärt THW Zugführer Benjamin Koch.

Handwerkercafé im Waggon

Da das THW einen entgleisten Waggon beispielsweise in einem Tunnel nicht mit einem Kran bergen kann, wurde auch hier nur mit kleineren Hilfsgeräten gearbeitet. Also Geräten, die die Einsatzkräfte tragen können. Mit viel Muskelkraft, Köpfchen, zwei Tonnen Holz, acht Stahlrohren, hydraulischen Kleingeräten, zwei Luftkissen und sogenannten Büffelhebern gelang den Ehrenamtlern das schwierige Unterfangen. Nach zehn Stunden stand der Waggon auf seinem Gleis.

Christel und Thomas Spilcker wissen noch nicht ganz genau, was sie mit Schmuckstück anfangen werden. „Gefeiert haben wir schon ordentlich darin. Vielleicht eröffnen wir ein Handwerkercafé“, sagt Thomas Spilcker. Die Einrichtung ist zwar nicht original, würde aber zu dem Zweck gut passen: Die schönen alten Tische und Bänke haben Spilckers mit ihrem Faible für Antiquitäten bei der Auflösung des Forsthauses Bergedorf den damaligen Besitzern abgekauft.