Sachsenwald

Bismarcks Jagdgatter – Wird es nun ein Tiergehege?

Das Bismarck’sche Saugatter zeichnet sich aus durch zahlreiche Hochsitze, dicht bewachsene Waldabschnitte und einige vorzeitliche Hügelgräber. Sogar eine Gruppe von Mufflons (Wildschafe) bekamen die Spaziergänger zu Gesicht. 

Das Bismarck’sche Saugatter zeichnet sich aus durch zahlreiche Hochsitze, dicht bewachsene Waldabschnitte und einige vorzeitliche Hügelgräber. Sogar eine Gruppe von Mufflons (Wildschafe) bekamen die Spaziergänger zu Gesicht. 

Foto: Denise Ariaane Funke

154 Besucher kamen am Sonnabend zusammen, um Maximilian von Bismarcks Jagdgatter zu besichtigen. Noch ist offen, wie es weitergeht.

Dassendorf. Es bleibt spannend beim 450 Hektar großen Bismarck’schen Jagdgatter im Sachsenwald. Maximilian von Bismarck ist laut Jagdgesetz seit 1999 verpflichtet, sein Gatter zu öffnen und das Wild freizulassen. Eine Frist von 15 Jahren hat er verstreichen lassen, bevor er 2015 erfolglos dagegen klagte. Bismarck versucht die Öffnung seines Gatters weiterhin zu verhindern. Aktuell ist eine zweite Klage vor dem Verwaltungsgericht Schleswig anhängig, die darauf abzielt, den Saupark als Kulturdenkmal feststellen zu lassen (wir berichteten).

Gleichzeitig hält Maximilian von Bismarck am Plan fest, das Areal als „Wald & Wild Park“ für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wie begehrt ein Blick hinter das Wildgatter ist, machte am Sonnabendvormittag der Besucheransturm deutlich.

Hunderte Wildschwine, Rotwild und Damwild

154 Menschen folgten der Einladung, an einem geführten Spaziergang hinter dem Gatter teilzunehmen. Geführt wurde der etwa zweistündige Rundgang durch Gerd Rosenthal, Oberförster, und dem Bismarckschen Revierjäger Henrik Banaszak. Der Streifzug ging vorbei an zahlreichen Hochsitzen und dicht bewachsenen Waldabschnitten, in denen hauptsächlich Nadelhölzer zu finden waren, aber auch an einigen vorzeitlichen Hügelgräbern und sogar eine Gruppe von Mufflons (Wildschafe) bekamen die Spaziergänger zu Gesicht. „Von den vierbeinigen Gesellen mit den Ringelhörnern leben etwa zehn bis 20 Tiere in dem Gatter, 100 bis 200 Wildschweine, 20 bis 30 Stück Rotwild, 50 Stück Damwild sowie etwas Rehwild“, erklärte Rosenthal.

Die Idee das Gatter nicht zu öffnen, wird von vielen Dassendorfern befürwortet, so wie etwa von Matthias und Andrea Klimik, die in der Waldsiedlung leben. Dort hat Matthias Klimik während der Jagdzeit sogar schon eine ganze Rotte Wildschweine an der Straße entlanggehen sehen. „Die machten den Anschein, dass sie ganz genau wissen, dass an der Straße nicht auf sie geschossen wird“, berichtet Klimik. Hendrik Rohrbach (SPD Dassendorf) wünscht sich ebenfalls den Erhalt des Gatters. „Grundsätzlich ist die Idee gut. Allerdings hat die Familie von Bismarck zu viel Zeit verstreichen lassen. Das Kind ist nun in den Brunnen gefallen“, schätzt er.

Försterin kritisiert das Jagdgatter

Das Gatter hat aber nicht nur Befürworter. Die Forstwissenschaftlerin Traute Tockhorn-Kruckow, die sich dem Spaziergang ebenfalls angeschlossen hatte, steht dem Gatter mit gemischten Gefühlen gegenüber. „Das Gatter ist eine Möglichkeit, den hohen Wildbestand zu erhalten, der ist schließlich mit dementsprechenden Abschüssen verbunden“, gibt die Geesthachterin zu bedenken. Ihrem geschulten Auge sind auch nicht die dichtbewachsenen Waldflächen entgangen, auf denen Laubbäume so gut wie keine Chance zum Wachsen haben. Mit ihrer Meinung stand sie nicht alleine da.

Wie geht es nun weiter für den Saupark? Wie berichtet, stuft Landrat Dr. Christoph Mager (CDU) den Park nicht als Denkmal ein. Das sei bereits 2016 im Rahmen des Gerichtsverfahrens festgestellt worden. Nun scheint es aber eine Kehrtwende zu geben. Gerd Rosentahl sagt, juristisch sei nichts mehr möglich, politisch aber schon. Das Gelände soll nun doch in ein Tiergehege umgewidmet werden. Bismarck soll nach Kenntnisstand vom Dassendorfer FDP-Landtagabgeordneten Jan-Marcus Rossa, der auch Rechtsanwalt ist, bereits am 17. Oktober 2019 einen Antrag für die Errichtung und den Betrieb eines Tiergeheges gestellt haben.

Tiergehege ohne Genehmigung betreiben?

Die Idee eines Tierparks wird auch von der unmittelbar betroffenen Gemeinde Dassendorf und von der FDP-Fraktion im Landtag unterstützt. Die Untere Naturschutzbehörde hat jedoch bereits signalisiert, dass mit der Erteilung einer Genehmigung nicht zu rechnen sei.

Die FDP-Fraktion habe sich laut Jan-Marcus Rossa daraufhin eingehender mit der Frage beschäftigt: „Wir halten es für möglich, dass ein Tiergehege auf dem Gelände des Sauparks ohne Genehmigung errichtet und betrieben werden darf.“ Das ergebe sich aus Paragraph 28, Absatz 2, des Landesnaturschutzgesetzes, da die Anzahl der Tiere und die Anforderungen an die Haltung gering seien. Die Fraktion hat daraufhin eine Anfrage ans Umweltministerium gestellt, sagt Rossa. Eine Antwort steht noch aus.

Finanzierung für den Tierpark

„Die Tore für den geplanten Tierpark würden Maximilian von Bismarck 10.000 bis 30.000 Euro kosten. Für den Rest, beispielsweise Aussichtsplattformen, könnte man vielleicht Sponsoren finden“, erklärt Rosenthal.