Wentorf

Neue Technik lässt Parksündern keine Chance

Parkplatzmangel gibt es beim Discounter Lidl nicht mehr. Jede Stellfläche ist mit einem Sensor versehen.

Parkplatzmangel gibt es beim Discounter Lidl nicht mehr. Jede Stellfläche ist mit einem Sensor versehen.

Foto: Susanne Tamm

Bei Lidl in Wentorf alarmieren Sensoren in den Stellflächen, wenn die Parkzeit überschritten wird. Warum Ausreden nicht wirken.

Wentorf. Einige Nutzer des Parkplatzes an der Hamburger Landstraße zwischen Bäckerei Junge und Lidl-Markt sind verunsichert: „Wissen Sie, wie das funktionieren soll?“, fragt eine Kundin, als sie aus dem Auto aussteigt. Aus jedem der 60 Parkplätze wölbt sich ein kleiner, gelb umrandeter schwarzer Buckel empor.

Darin steckt ein Magnetsensor, wie ein Sprecher des Unternehmens Park & Control aus Stuttgart erläutert, das den Parkplatz bewirtschaftet. „Dieser kann unterscheiden, ob ein Auto darüber abgestellt wird oder nur Blätter darüber liegen. Der Sensor misst die Zeit, bis der Wagen wieder weggefahren wird.“ Wird die Parkzeit überschritten, erhalte ein Mitarbeiter der Firma eine Meldung auf seinem Handy und rücke an, um ein Knöllchen zu schreiben und das Kennzeichen zu notieren. Dann erhält der Fahrzeughalter Post: Mindestens 30 Euro Vertragsstrafe kostet eine Überschreitung der zulässigen Parkzeit von 60 Minuten.

Schon länger haben Mitarbeiter von Park & Control die Parkzeiten kontrolliert, aber bis dato mussten Parkende gut sichtbar eine Parkscheibe mit ihrer Ankunftszeit ins Auto legen. So mancher Besucher des Cafés von Bäckerei Junge flitzte zwischendurch zu seinem Wagen, um die Parkscheibe zu verstellen. Doch dies ist nun Geschichte.

Für einen weiteren Einkauf muss der Kunde umparken

Autofahrer müssen jetzt zwar nicht mehr an eine Parkscheibe denken, wie das Unternehmen auf seiner Homepage schreibt. Doch die Höchstparkdauer ist bei Kaffee und Kuchen schnell überschritten. Auch für einen weiteren Einkauf gegenüber im Casinopark bleibt meist keine Zeit: Der Kunde muss umparken.

An der Einfahrt steht ein Schild mit den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Park & Control. Demnach geht der Kunde mit der Nutzung des Parkplatzes einen Vertrag ein und erklärt sich mit allem einverstanden. Lehnt der Fahrzeughalter eine Bezahlung des „erhöhten Parkentgelts“ mit dem Argument ab, er sei gar nicht der Fahrer gewesen, muss er nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs vom Dezember 2019 (XII ZR 13/19) den Fahrer benennen – oder selbst haften. Außerdem urteilte das Gericht, dass eine Vertragsstrafe in Höhe von 30 Euro nicht unangemessen sei und die ausgeschilderten AGB gültig und rechtens seien.

Das Areal an der Hamburger Landstraße gehört Lidl. „Uns ist wichtig, unseren Kunden einen bequemen Einkauf mit ausreichend Parkmöglichkeiten zu bieten“, sagt Lidl-Sprecher Mario Köhler. In wenigen Filialen bewirtschafteten daher externe Dienstleister die Lidl-Parkplätze, an ausgewählten Orten mithilfe von Sensoren. So kann das Überwachungsunternehmen Personal sparen und der Eigentümer das Dauerparken auf seinem Grundstück verhindern. „Erfahrungsgemäß benötigen unsere Kunden deutlich weniger Zeit, sodass die kostenlose Parkdauer ausreicht“, sagt Köhler. Eine verlangte Gebühr könne jedoch storniert werden, sollte der Lidl-Kassenzettel eine längere Einkaufsdauer nachweisen.

Kontrolle per Sensoren auf dem Vormarsch

Die Sensortechnologie ist jetzt im Norden auf dem Vormarsch: So überwacht Park & Control unter anderem noch Lidl-Parkplätze in Trittau, Ahrensburg und Bad Oldesloe, außerdem nutzt Aldi die smarte Überwachung der Firma Place Safe bereits in Geesthacht und Lübeck. Die Park & Control GmbH ist eine hundertprozentige Tochter der Apcoa Parking Deutschland GmbH. Die Konzernholding beschäftigt 4700 Mitarbeiter und bietet Parkplätze – auch in Parkhäusern – wie das der Elbphilharmonie in Hamburg – an 8500 Standorten an.