Keine Vertragsverlängerung

Schleswig-Holstein trennt sich von Vodafone

Bei etlichen Polizeidienststellen in Schleswig-Holstein waren die Leitungen im November tot.

Bei etlichen Polizeidienststellen in Schleswig-Holstein waren die Leitungen im November tot.

Foto: Symbolfoto: Getty Images/iStockphoto

Das Ministerium für Digitalisierung reagiert auf das Telefon-Chaos bei der Polizei im November und verlängert den Vertrag mit Vodafone nicht.

Wentorf/Kiel. Nachdem im November 2019 viele Tage lang die Telefonanschlüsse von 67 Polizeiwachen in Schleswig-Holstein gestört waren, zieht das Land nun Konsequenzen: „Der Vertrag mit Vodafone läuft noch bis Ende 2020. Wir lassen ihn regulär auslaufen und bereiten bereits eine neue Ausschreibung vor“, erklärt Joschka Touré, Sprecher des Ministeriums für Digitalisierung in Kiel auf Anfrage.

Als zweiten Grund nannte Touré, dass Vodafone seit Vertragsabschluss im Januar 2019 bisher erst einen „geringen Anteil von Landesliegenschaften neu angeschlossen“ habe. „Vertragsinhalt ist die Übernahme sämtlicher Telefonanschlüsse der Verwaltung des Landes sowie die Überführung der Telefonanschlüsse von ISDN- auf IP-Technologie“, heißt es aus Kiel. In den ersten elf Monaten der Vertragslaufzeit habe Vodafone jedoch erst 100 der 530 Liegenschaften umgestellt.

Defekter Server führte zu Telefonstörungen

Für die Leistungen von Vodafone zahlt das Land pro Jahr 350.000 Euro. „Der Vertrag beinhaltet die Option einer zweimaligen Verlängerung um jeweils ein Jahr“, sagt Touré. Dazu wird es nun nicht mehr kommen. Das Land habe das Dienstleistungsunternehmen Dataport beauftragt, eine Neuausschreibung mit einem Vertragsbeginn zum 1. Januar 2021 durchzuführen. Das Vertragsvolumen liege weiterhin bei 350.000 Euro pro Jahr.

Seit Mai 2019 werden die 250 Polizeidienststellen des Landes schrittweise auf Vodafone umgestellt. Rund 100 werden derzeit durch Vodafone bedient. Zwischen dem 7. und dem 20. November waren etliche Dienststellen gar nicht oder nur eingeschränkt telefonisch erreichbar. Als Ursache wurde ein defekter Server in Hamburg-Altona ausgemacht. Notrufleitungen (110) waren nicht betroffen.

Vodafone weist Schuld von sich

Die Störung war nicht „durch Vodafone, sondern durch Dritte verursacht worden“, sagt Konzernsprecher Volker Petendorf. Er betont die „gute Zusammenarbeit“ mit dem Ministerium. Es gebe keine Hinweise darauf, dass der Vertrag mit dem Land nicht verlängert werde.

Nach der Großstörung im November hat Vodafone reagiert und die Polizeidienststellen des Landes auf einen neuen Server verlegt, bestätigt Joschka Touré. „Kleinere Störungen kann es immer noch geben“, sagt er. Gemeldet worden sei dem Ministerium jedoch kein weiterer Fall.

Telefon-Ärger in Wentorf geht weiter

Von Ausfällen berichtet indes Wentorfs Polizeichef Marco Hecht-Hinz: „Zeitweise können wir bei den Kollegen in Reinbek nicht anrufen, und Bürger erreichen uns nicht.“ Seit dem Providerwechsel gebe es diese Probleme. Vergangene Woche habe es täglich Probleme gegeben. Die äußerten sich immer anders, manchmal sei ein Fax-Ton zu hören, wenn versucht werde, bei der Dienststelle anzurufen, dann ein Besetzt-Zeichen, dann ertöne ein Freizeichen – aber das Telefon klingele nicht.

„Das habe ich auch schon mit dem Handy ausprobiert“, sagt Hecht-Hinz. Der Alltag leide sehr darunter. „Auch als Service nach außen ist das schlecht.“ Im Störungsfall weichen die Polizisten auf Funk oder Handys aus. Damit ist aber Bürgern nicht geholfen, die versuchen, die Dienststelle zu erreichen. Zur Ursache der Störungen gab es gestern keine Auskünfte.