Brookweg

Wentorfer protestieren gegen Gewerbeerweiterung

Martina Markmann (v.l.), Oliver Paetz, Halma Maurer und Volker Leppin machen sich gegen die B-Plan-Änderung stark.

Martina Markmann (v.l.), Oliver Paetz, Halma Maurer und Volker Leppin machen sich gegen die B-Plan-Änderung stark.

Foto: Ann-Kathrin Schweers / BGZ

Ein am Brookweg ansässiger Steinmetz will expandieren. Die Anwohner fürchten nun die Lärmbelästigung und protestieren.

Wentorf. Die Anwohner fürchten um den „naturnahen Charakter“ und das „grüne Eingangstor von Bergedorf nach Wentorf“: Knapp 100 Unterschriften haben sie gesammelt und in einem Schreiben an Politik, Bürgermeister und Bürgervorsteher gegen den Antrag auf Änderung des Bebauungsplanes am Brookweg an der Grenze zu Hamburg protestiert. Hier möchte das Unternehmen Torben Bohnhoff Naturstein seinen Betrieb erweitern – auf einer Fläche, die im Bebauungsplan als Grünfläche ausgewiesen ist. Diese müsste im Zuge der Bebauungsplan-Änderung in ein Gewerbegrundstück umgewandelt werden.

Konkret sind die vorgelegten Pläne des Steinmetzes noch nicht. Der Firmenstandort – der Hauptsitz ist in der Nähe des Ohlsdorfer Friedhofes – soll ausgebaut werden, heißt es in dem Antrag zur Änderung des B-Plans an die Gemeinde. Zurzeit stehen ein etwa 60 Quadratmeter großes Gebäude sowie einige Grabsteine als Ausstellungsstücke auf dem Grundstück. Geplant sei ein Neubau auf einer Fläche von 200 Quadratmetern für den Verkauf von Gedenksteinen, Küchenarbeitsplatten und Waschtischen aus Naturstein. Eine „zeitgemäße Schalldämmung“ solle den „sehr gering anfallenden Arbeitslärm“ weiter eindämmen. Zudem soll die Lehrlingsausbildung von Hamburg nach Wentorf verlegt werden.

„Es geht um lautstarkes Gewerbe“

„Es geht um lautstarkes Gewerbe“, vermutet Anwohner Oliver Paetz und ergänzt: „Sowas passt hier nicht hin.“ Alter Baumbestand, Eisvögel, Kormorane und Kauze haben hier ein zu Hause, Anwohner gehen spazieren, nutzen die nahe gelegene Freilauffläche für ihre Hunde. Schüler fahren mit dem Rad zur Montessori-Schule, Berufstätige zur Arbeit. Die Anwohner befürchten nun regen Lkw-Verkehr an der August-Bebel-Straße sowie Lärm und damit eingehergehende Wertminderungen der Grundstücke. Das Gebiet um das Areal ist als „allgemeines Wohngebiet“ ausgewiesen, in dem nicht störendes Gewerbe zulässig ist. Hier wohnen vor allem junge Familien und Rentner.

Martina Markmann und ihre Nachbarn hatten lange gehofft, dass der Betrieb gar zurückgebaut wird. Jahrzehntelang sei hier ein Steinmetz ansässig gewesen, der Bestandschutz genoss. Als dieser 2015 in Rente ging, waren die Anwohner davon ausgegangen, dass das Gebäude zurückgebaut wird und versprochene Nachpflanzungen vorgenommen werden. Da der jetzige Eigentümer auch ein Steinmetz ist, profitiert er ebenso vom Bestandschutz. „Erst wenn die Nutzung aufgegeben wird, muss der Bestand rückgebaut werden“, erklärt Bürgermeister Dirk Petersen.

Fraktionen überdenken Entscheidung

Mit einer Neubebauung müssten nun jedoch vielmehr weitere Bäume gefällt werden, so die Einschätzung der Anwohner. Nun hoffen sie darauf, dass die Politik das Projekt noch einmal überdenkt. Im Planungs- und Umweltausschuss am 29. Oktober hatten die Fraktionen entgegen der Empfehlung der Verwaltung den Aufstellungsbeschluss gefasst. Dirk Petersen selbst wünscht sich hier eine Parkanlage für die Anwohner, wie im Bebauungsplan vorgesehen. Doch die Entscheidung liegt bei der Politik.

Tatsächlich gab es im Ausschuss im Oktober sechs Ja- und drei Nein-Stimmen der CDU für die Aufstellung des vorhabenbezogenen B-Planes. Nun wäre der Antragsteller am Zug, einen Entwurf vorzulegen. Doch bis auf die CDU, die das Vorhaben nach wie vor ablehnt, sehen die anderen Fraktionen noch Beratungsbedarf. Gestern kam das Thema auf den Fraktionssitzungen auf den Tisch, wohl auch wegen der entstandenen Bürgerinitiative, wie Günter Weblus (FDP-Fraktionschef) auf Anfrage verrät. Er gehe davon aus, dass „alle Fraktionen das Ganze noch einmal beleuchten werden“.

Am Donnerstag trifft sich der Planungs- und Umweltausschuss um 19 Uhr im Rathaus. Den werden auch die Anwohner für einen kritischen Dialog mit der Politik nutzen.