Da schlägt das Sammlerherz höher

Sammler Michael Thon auf der Pirsch auf dem Flohmarkt am Casinopark in Wentorf.

Sammler Michael Thon auf der Pirsch auf dem Flohmarkt am Casinopark in Wentorf.

Foto: Susanne Tamm

Wentorf. Beim Flohmarkt am Casinopark herrscht dreimal im Jahr Ausnahmezustand. Schon ganz früh kommen die "Süchtigen".

Wentorf.  Schon wenn der Aufbau der Flohmarktstände beginnt, gehen sie auf die Händler zu und fragen gezielt nach ihren begehrten Objekten: die Sammler. Meist sind es Männer, die mit Rucksäcken, Lidl-Einkaufstaschen oder Schultertaschen über den Platz schlendern und mit suchendem Blick die Stände abscannen. Michael Thon aus Kirchwerder ist einer von ihnen.

Flohmarktbesuche wie am Sonntag auf dem Casinopark sind für ihn kein Bummel und keine günstige Einkaufsmöglichkeit, sondern eine Leidenschaft. „Ich sammle alles, was schön ist“, erzählt der 67-Jährige. „Wobei das natürlich im Auge des Betrachters liegt.“ Was Michael Thon gefällt, erkennt der Beobachter schon an seinem T-Shirt-Motiv oder an dem Bild auf seiner Taschenklappe: Comics.

Unter der Bettdecke gelesen

In seiner Kindheit waren die als „Schundliteratur“ verpönt, und sein Vater untersagte ihm, sie durchzublättern. Er las sie aber trotzdem mit Taschenlampe unter seiner Bettdecke.

Seine Mutter deckte seine Liebe zu den bunten Heften, ging zweimal in der Woche mit ihm zum „Heftehöker“ auf dem Isemarkt. „Dort konnte ich zwei alte Hefte gegen ein neues umtauschen“, erinnert sich Michael Thon. Um ihn zu schützen, zerriss seine Mutter ab und zu seine Hefte in viele kleine Schnipsel, damit der Vater sie nicht entdeckte.

Heute ist das für ihn doppelt schmerzlich: „Die Erstausgabe des deutschen Micky-Maus-Heftes von 1951 hatte ich zweimal, die wäre heute in gutem Zustand 10.000 bis 20.000 Euro wert“, bedauert er. Doch damals gab es noch keine Sammlerbewegung.

Sein Sammlerherz schlägt auch für die Musik der 60er-Jahre auf Vinyl gepresst sowie alles rund um das Hörzu-Maskottchen „Mecki“. Am Sonntag setzte es kurz aus, als er am Stand von Familie Schmuck aus Börnsen einen Hefte-Stapel durchblätterte: Darunter war ein Micky-Maus-Heft von 1958 und Supermann-Hefte aus den frühen 70ern.

Tanja Schmuck erzählt: „Die Hefte haben wir bei meinem Vater auf dem Dachboden gefunden. Wir haben sie noch zwei, drei Jahre aufbewahrt. Aber wir brauchen sie nicht mehr. Deshalb verkaufen wir sie jetzt für ein paar Euro.“

15.000 Schallplatten gesammelt

„Das Micky-Maus-Heft ist leider in einem sehr schlechten Zustand“, stellt der pensionierte Beamte fest. Er kauft es dennoch. „Ich schaue es mir zu Hause beim Frühstück mit meiner Frau nochmal an, vielleicht habe ich es schon als Kind in den Händen gehalten“, erzählt er. „Das macht mir Freude. Auch wenn die Gelegenheiten, wo der Blutdruck steigt, geringer werden: Die Flohmärkte sind wie eine Sucht. Dessen bin ich mir bewusst.“

Der Wentorfer Flohmarkt habe den Charme, dass keine kommerziellen Händler zugelassen werden, sagt Michael Thon. Mittlerweile hat er etwa 15.000 Schallplatten gesammelt, darunter zwei Drittel Singles, fast ebenso viele Figuren und Werbeartikel von Mecki und die Comics stapeln sich in einem Zimmer bei ihm zu Hause in Kirchwerder, das seine Frau nur „sein Museum“ nennt.

Bis zu 160 Stände

Organisiert wird der Flohmarkt mit bis zu 160 Ständen seit 18 Jahren dreimal im Jahr von Dieter Hartmann. Der hatte bis 2017 noch ein Reisebüro am Casinopark. Die Filiale habe sich nicht mehr gelohnt, doch beim Flohmarkt herrsche Ausnahmezustand.

„Es ist immer viel Arbeit, macht aber einfach Spaß“, sagt Dieter Hartmann. „Denn da treffe ich die alten Kunden wieder. Und ein bisschen Werbung ist es auch, weil die Flohmarkt-Anbieter bei mir im Vierländer Reisebüro anrufen.“

Der nächste Termin ist am Sonntag, 8. September.