Problem Mikroplastik

Plastikmüll vermeiden: Gassibeutel, die verrotten können

Unternehmerin Katja Seevers zeigt den roten, kompostierbaren Gassibeutel.

Unternehmerin Katja Seevers zeigt den roten, kompostierbaren Gassibeutel.

Foto: Susanne Tamm

Wentorf. Immer mehr Plastikmüll belastet die Umwelt. Höchte Zeit, Ideen zu diskutieren, einer plastikfreien Umwelt näher zu kommen.

Wentorf.  Nicht bloß alarmierende Zahlen, sondern auch Alternativen brachten die Referenten mit, die die CDU für ihren Info-Abend zum Thema Vermeidung von Plastikmüll gewinnen konnte: vom kompostierbaren Gassibeutel über die neue Wertstofftonne der Abfallwirtschaftsgesellschaft Südholstein bis zum Kunststoff abbauenden Bakterium.

„Darüber, dass Mikroplastik in unseren Meeren ein ökologisches und auch gesundheitliches Problem ist, müssen wir nicht streiten“, sagte Norbert Brackmann, für die CDU im Bundestag. Er berichtete, was die Regierung gegen die Mikro- und Nano-Plastikabfälle tun will.

Ansonsten informierte Professor Holger Rüssmann über die Schäden, die Mikroplastik im menschlichen Körper anrichten kann, AWSH-Geschäftsführer Dennis Kissel über die Wertstofftonne und die Wentorfer Unternehmerin Katja Seevers zeigte Bio-Kunststoffe, die ihre Firma Superseven herstellt. Damit traf der CDU-Ortsverein einen Nerv: Etwa 200 Zuhörer kamen am Freitagabend in die Grundschule.

330.000 Tonnen Mikroplastik in Deutschland

Laut Prognose sollen 225 Millionen Tonnen Plastik 2025 in den Meeren schwimmen. Doch nicht nur dort gelangen Kunststoffe in die Umwelt. In Deutschland entstehen pro Jahr etwa 330.000 Tonnen Mikroplastik – feinste, weniger als fünf Millimeter große Teilchen, zu denen die nicht verrottenden Kunststoffe zerrieben werden. Es sind nicht Verpackungen, die die Hauptprobleme bereiten, sondern der Abrieb von Autoreifen und Straßen.

Laut Rüssmann können die winzigen Plastikteile durch Einatmen oder über Nahrung wie Fisch und Gemüse in den Körper gelangen. Dort besteht die Gefahr, dass sie Entzündungen oder Allergien entwickeln. „Es gibt aber eine Bakterienart, die Ideonella Sakaiensis, die Plastik abbauen kann“, sagte er. „Allerdings dauert dieser Prozess sehr lange.“ Der Mediziner setzt darauf, dass dieses Bakterium durch Gentechnologie so verändert werden kann, dass dieser Prozess beschleunigt wird.

Kissel weiß als Jäger, dass auch in Mägen von Rehen Plastik zu finden ist. Er weiß ebenfalls, dass die Menschen in der Region auch Kunststoffe im Gelben Sack entsorgen, die dort nichts verloren haben. Daher wollen die Entsorger 2020 die Wertstofftonne einführen, in der auch alte Bügel oder Blumentöpfe abtransportiert werden. Mehrkosten: bei der AWSH : 8 Euro im Jahr. Kissel hofft, dass die Restmülltonne dafür kleiner wird. „Die Erwartung, dass das Duale System Verpackungsabfälle reduziert, ist leider nicht eingetreten. Der Markt schafft auch keinen Anreiz, Verpackungsmüll einzudämmen.“

Kompostierbare Verpackungen

Katja Seevers hat mit ihrem Mann Sven Seevers und mit Hannes Füting 2017 in Wentorf die Firma Superseven gegründet. Mit ihrer Marke Repaq entwickeln und handelt das Trio kompostierbare und recycelbare Verpackungen. Während herkömmliche Plastiktüten erst nach rund 100 Jahren zerfallen, setzt die Firma auf Folien, die teils schon nach 42 Tagen auf dem Kompost verrotten. Seevers zeigte einen Gassibeutel, der nach 180 Tagen kompostiert ist.

Norbert Brackmann berichtete, dass die Bundesregierung durch Forschungsförderung die Recyclingrate für Kunststoff erhöhen will. Bisher fehle auch eine standardisierte Messmethode für Plastikmengen. Bis 2021 soll außerdem erforscht werden, wie der Abrieb von Autoreifen und synthetischer Fasern reduziert werden kann.

Fraktionsvize Kristin Thode appellierte an die Zuhörer, Plastik möglichst zu meiden. Sie berichtete beispielhaft von dem verpackungsfreien Geschäft „Onkel Emma“ am Reetwerder in Bergedorf und versicherte, dass die CDU sich über die kompostierbaren Gassibeutel auch für Wentorf informieren will.