Naturverbunden

Mit „Adsche“, Falke und Habicht auf die Pirsch

Anna Lena Kaufmann richtet gerade ihren einjährigen "Adsche" für die Jagd ab. Der Deutsch Kurzhaar ist überaus aufmerksam.

Anna Lena Kaufmann richtet gerade ihren einjährigen "Adsche" für die Jagd ab. Der Deutsch Kurzhaar ist überaus aufmerksam.

Foto: Christina Czybik

Wohltorf. Die 30-jährige Wohltorferin Anna Lena Kaufmann ist von der Jagd mit Greifvögeln fasziniert.

Wohltorf.  Die schlanke, große junge Frau mit langen blonden Haaren würde auf jedem Modecover eine gute Figur machen. Doch Anna Lena Kaufmann liebt es bodenständig. Dafür trägt sie Hund „Adsche“ schon Mal auf den Hochsitz. Sie ist Jägerin, Falknerin, Reiterin und plant gerade, ihren Angelschein zu machen.

Allein in der Wildnis überleben

Danach könnte die 30-Jährige ohne Weiteres allein in der Wildnis überleben. Das wäre durchaus eine Erfahrung, die sie gern einmal machen würde, doch vorerst reicht das Einfamilienhaus am Rande des Sachsenwaldes, von dem aus sie die Natur erkundet. „Sie ist meine Flimmerkiste und Inspiration. Ich brauche keinen Fernseher“, sagt die freiberufliche Journalistin, die auf dem Wohltorfer Bauernhof ihres Opas Otto Delventhal aufgewachsen ist.

Mit der Jagd aufgewachsen

Auch für die Jagd ist sie familiär in vierter Generation vorbelastet: „Ich bin damit aufgewachsen“, sagt sie. Ihr Vater Jürgen Hollweg ist Jagdpächter im Wohltorfer Revier und auch seine Tochter wandelt auf seinen Pfaden. Die Jagd ist für sie „angewandter Naturschutz“:

„Ich verzichte lieber auf Fleisch, als das von Tieren aus Massentierhaltung zu essen.“ Ein Tier selbst zu erlegen, schaffe auch ein Bewusstsein dafür, verantwortlich mit den Ressourcen umzugehen und sich der Rolle des Menschen in der Natur immer wieder bewusst zu werden.

Fleisch kommt nicht aus der Kühltruhe

Das gehe vielen dadurch verloren, dass es einfach ist, sich aus dem Tiefkühlregal Nahrung zu beschaffen. Ihr Wissen über die Jagd, Tiere, Naturschutz und Falknerei hat Anna Lena Kaufmann seit neun Jahren zum Beruf gemacht. Das führte sie jetzt im Rahmen einer Pressereise sogar bis nach Abu Dhabi, von wo aus sie über eine Falkner-Messe berichtete.

In dem Scheichtum ist der Falke mit den scharfen Augen mehr als Statussymbol und Wappentier. „Er gehört zur Familie, wird verhätschelt“, weiß die Wohltorferin. Die Falknerei ist Beduinentradition und die gefiederten Lieblinge der Scheichs kosten im Schnitt etwa 30.000 Euro.

Auf Norderney Falkner begleitet

So viel würde Anna Lena Kaufmann nicht in ihr Hobby investieren. Aber auch sie ist bereits mit einem Habicht auf dem Arm über Norderney gestreift, auf der Suche nach Kaninchen: „Ich habe für eine Reportage einen Falkner begleitet, bin fasziniert vom Zusammenspiel zwischen Mensch und Tier.“

Die Greifvögel werden in der Beizjagd in sensiblen Bereichen eingesetzt, in denen nicht mit der Waffe gejagt werden darf. Zum Beispiel am Flughafen, bei der Vertreibung von Vogelschwärmen oder zur Jagd auf Kaninchen in Parks und Wohngebieten. Am Trafalgar-Square in London zum Beispiel macht ein Falkner Jagd auf Tauben.

Jagd mit Falken, Habicht oder Bussard

Die naturliebende Wohltorferin würde gern mit eigenem Falken, Habicht oder Bussard auf die Jagd gehen. Aber die Haltung sei sehr aufwendig und so bleibt neben dem Job nur Zeit für das Training von Jagdhund Adsche, einem Deutsch Kurzhaar. Um Falkner begleiten zu können, hat sie beim Deutschen Falknerorden einen Vorbereitungskursus absolviert und die Falknerprüfung abgelegt.

Nun kann sie auch mit dem Federspiel umgehenden, das wichtigste Übungswerkzeug für Greifvögel des hohen Fluges, die gezähmt werden sollen. Die Beuteattrappe, ein Stoff- oder Lederkissen, auf dem Vogelfedern befestigt sein können, hängt an einer etwa zwei Meter langen Schnur, die der Falkner über seinem Kopf mehrmals wie ein Lasso kreisen lässt – als Zeichen für den Vogel, dass er zu seinem Falkner zurückkommen soll.

Greifvögel zähmen ist ein langer Prozess

Zur Belohnung erhält der Vogel ein Fleischstück, welches zuvor am Kopfende des Federspiels befestigt worden ist. Greifvögel sind keine domestizierten Tiere. Sie zu zähmen, ist ein langer Prozess. Die Greifvögel gewöhnen sich langsam und nur mit positiven Erfahrungen und Belohnungen an den Falkner.

Beizjagd ist mindestens 3500 Jahre alt

Die Beizjagd gibt es seit mindestens 3500 Jahren. Wanderfalken können während der Jagd eine Geschwindigkeit von 320 Kilometer die Stunde im Sturzflug erreichen. 2016 wurde die Falknerei von der Unesco in die Liste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Eine Tradition die Anna Lena Kaufmann pflegen möchte – vielleicht bekommt der einjährige Adsche ja noch gefiederte Gesellschaft. . .