Handwerk

Doppelmeisterin erobert spielend Männerdomäne

Xenia

Xenia

Foto: Anne Müller / BGZ

Aumühle. Xenia Bochmann (31) erhält als erste Frau seit 30 Jahren Klempner-Meisterbrief in Hamburg.

Aumühle.  Der elterliche Betrieb liegt seit Generationen vor der Haustür. Da drängte sich der Berufsweg förmlich auf. Doch Xenia Bochmann hat ihren eigenen Kopf und der führte nicht auf den geraden Weg. Deshalb beschloss die Aumühlerin nach dem Abitur am Gymnasium Wentorf an der Technischen Universität Harburg Schiffbau zu studieren. „Ich wollte Ingenieurin werden“, sagt sie selbstbewusst. Aber dann entdeckte sie doch die Liebe zum Handwerk. Mit Erfolg. Als erste Frau seit 30 Jahren nahm sie jetzt vor der Handwerkskammer in Hamburg ihren Klempner-Meisterbrief entgegen. Damit ist die 31-Jährige Doppelmeisterin. Um einmal den Betrieb übernehmen zu können, ist sich muss sie auch Installateur- und Heizungsbaumeisterin sein und diesen Brief hatte sie bereits in der Tasche.

Das Handwerk vor der eigenen Haustür entdeckt

„Irgendwann habe festgestellt, dass das, was mein Vater macht, doch ganz interessant ist“, sagt Xenia. Dass der Job es mit sich bringt, dass sie sich die Hände im Heizungskeller dreckig machen muss, stört die junge Frau nicht. Mit ein paar Handgriffen hat sie noch jede Heizung wieder zum Laufen gebracht. Das überzeugte auch Stammkunden, die erst skeptisch waren, als eine Frau vor ihnen stand. „Ich habe sogar festgestellt, dass Frauen nun mit in den Heizungskeller kommen und sich trauen, Fragen zu stellen“, sagt die Meisterin, deren Schwerpunkt Heizungsreparaturen und Wartung sind.

„Ich bin eben nicht so gern auf Dächern unterwegs, sondern eher ein Kellerkind“, sagt sie lachend. Dafür hat sie eine Turbo-Ausbildung zur Anlagenmechanikerin für Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik absolviert und als Innungsbeste abgeschlossen.

Ururgroßvater hatte 1905 die Firma gegründet

Ihr Ururgroßvater hatte 1905 die Firma „Albert Bochmann“ in Aumühle gegründet. Ihre Eltern Dagmar (58) und Ralf (57) sind glücklich, dass mit Xenia nun die fünfte Generation am Start ist. „Und ich freue mich, dass wir noch ein paar Jahre zusammenarbeiten können“, sagt Xenia Bochmann. Elf Mitarbeiter arbeiten im Betrieb, die vorwiegend in der Region für heile Dächer, neue Bäder, Heizungen oder Installationen sorgen.

Xenia Bochmann würde auch gern junge Leute fürs Handwerk motivieren. Zum 1. August 2019 wird noch ein Azubi gesucht, der Spaß am Handwerk hat, teamfähig ist und auf Kunden zugehen kann. Anspruchsvolle Herausforderungen biete der Job genug. „Es geht eben nicht nur darum, zur Rohrzange zu greifen, sondern auch hochkomplexe Lösungen für modernen Heizungstechnologien zu entwerfen“, wirbt sie. Nicht zuletzt eröffnet der Meistertitel die Chance, selbstständig zu arbeiten.

Für viele Berufe im Handwerk gilt nach wie vor: Wer sich selbstständig machen möchte, braucht den Meistertitel. Die Dauer der Ausbildung hängt vom jeweiligen Gewerk ab. In Vollzeit, wenn alle vier Unterrichts-Teile am Stück absolviert werden, dauert sie zwischen fünf und 13 Monate. Berufsbegleitend sind es 13 und 31 Monate.

Xenia Bochmann verbrachte 13 Monate in Vollzeit auf der Meisterschule. Und diese Zeit ist für die meisten ziemlich hart. „Zu Beginn der Ausbildung sagte man uns: ‚Acht Stunden Schule, acht Stunden Lernen, acht Stunden Schlafen – das ist Ihr neuer Tagesablauf‘. Ganz so ist es nicht gekommen, aber ich habe meine Lerngruppe oft häufiger als Familie und Freunde gesehen“, sagt Xenia Bochmann.