Plage

Wildschweine: Die ungebetenen Gäste

Wildschweine erobern nicht nur das Unterholz, sie sind auch gern in Gärten unterwegs.

Wildschweine erobern nicht nur das Unterholz, sie sind auch gern in Gärten unterwegs.

Foto: Bernd Settnik / dpa

Wohltorf. Die Schwarzkittel pflügen Gärten um. Jagdpächter sind die Hände gebunden. Er darf in befriedeten Gebieten nicht schießen.

Wohltorf.  Tagsüber suhlen sie sich im Schilfgürtel des Billetals. Mit Anbruch der Nacht machen sich grunzende Wildschweintrupps auf der Suche nach eiweißreicher Nahrung dann zu ihren Fressgründen auf. Seit die Felder abgeerntet sind, geht’s auch gern mal wieder in die großen Waldgrundstücke. Unter gepflegten Rasenflächen ist der Tisch reich gedeckt. „Ein Eldorado für die Schwarzkittel“, sagt Jürgen Hollweg (58), Jagdpächter für das Revier Wohltorf.

Mit ihren hochempfindlichen Nasenscheiben pflügen sich die Wildschweine durch den Boden, um Würmer, Engerlinge und Mäusenester zu suchen. Nach dem Mahl wächst dort kein Gras mehr. Und so erreichen Hollweg derzeit jeden Tag Anrufe von Anwohnern, die ratlos in umgepflügten Gärten stehen. „Und die Schwarzkittel kommen jede Nacht wieder“, sagt eine Aumühlerin, die schon Lautsprecher eingesetzt hat, um die Sauen zu vergrämen. Aber selbst an laute Musik gewöhnen sich die Rotten, die von einer erfahrenen Bache angeführt werden.

Kein Halali zwischen Rhododendron und Terrasse

Und die Jagd auf die ungebetenen Gäste kann der passionierte Waidmann zwischen Rhododendren, Hecken und Terrassen nicht eröffnen. Selbst für einen erfahrenen Jäger, der in seinem Garten mit der Waffe zur Selbsthilfe greifen wollte, gab es bei der Jagdbehörde des Kreises Herzogtum Lauenburg, keine Ausnahmegenehmigung. „Es ist zu gefährlich“, so Hollweg. In „befriedeten Gebieten“ wie Wohnsiedlungen, Parks und Gärten, ist die Jagd auf Wildschweine gesetzlich verboten. Nur in Ausnahmefällen, etwa im Falle einer Gefahrenabwehr oder einer Tierseuchenbekämpfung, werden Sondergenehmigungen erteilt.

Aber auch in die freie Wildbahn gelockt, ist den äußerst intelligenten Tieren nicht so leicht beizukommen. So lassen sie etwa beim Wühlen in einem Maisfeld die äußersten Halme am Feldrand stehen, um sich zu tarnen. Zudem verfügen sie über einen scharf entwickelten Gehör- und Geruchssinn, wodurch sie die Jäger auf große Distanz wahrnehmen können. Dank Langzeitgedächtnis sind sie in der Lage, sich an frühere unliebsame Begegnungen zu erinnern. Wenn ein Tier geschossen wurde, lassen sich die anderen dort drei Wochen lang nicht blicken. Um der Population Herr zu werden, plant der Jagdpächter nun, in den Schilfgürtel zu gehen.

Wer seinen Garten vor den Allesfressern schützen will, kann ihn mit Wild- oder Elektrozäunen abgrenzen. Wildschweine können allerdings Zäune hochdrücken. Sie sollten daher über einen Betonsockel verfügen. Da die Tiere auch sehr gut springen können, muss der Zaun etwa 1,50 Meter hoch sein.