Tierische Neuzugänge

Supersommer 2018 lockt „Neubürger“ in die Wentorfer Lohe

Wentorf Dank eines Hochdruckgebiets von Spanien bis Schweden hat es die Feuerlibelle bis Wentorf geschafft. Ein Neuzugang von vielen.

Wentorf.  Dem langen Winter kann die kleine Haselmaus wirklich ganz entspannt entgegensehen. Bevor sie es sich nämlich in einer dicken Laubschicht am Erdboden gemütlich macht, steht für sie in der 230 Hektar großen Wentorfer Lohe ein Festschmaus bereit. „Die Haselnusssträuche hängen voller Früchte“, weiß Bernd Struwe-Juhl, Biologe bei der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, die für die Lohe zuständig ist. Der Supersommer 2018 sorgt für eine reiche Ernte und einen kugelrunden Bauch bei der daumengroßen Haselmaus. Doch auch sonst hat der wochenlange mediterrane Sommer Spuren in der Lohe hinterlassen. Sowohl positiv als auch negativ.

Feuerlibelle hat die Alpenregion verlassen

Die Feuerlibelle beispielsweise lebt in Europa eigentlich südlich der Alpen, hat dank des langanhaltenden Hochdruckgebiets von Spanien bis Schweden aber den Flug bis nach Schleswig-Holstein und in die Lohe geschafft. Den Namen haben der Libelle die Männchen gegeben, die schon von weitem signalrot leuchten, die Weibchen sind eher bräunlich-rot. „Die Feuerlibellen sind hierzulande regelrechte Neubürger“, freut sich Biologe Struwe-Juhl.

Dazu gehört auch das Taubenschwänzchen, das viele auf den ersten Blick wegen seines schnellen Flügelschlags und Körperbaus mit einem Kolibri verwechseln. „Taubenschwänzchen kennt man sonst beispielsweise aus Österreich, wo sie die Geranien anfliegen und mit ihrem langen Rüssel in den Blüten saugen“, erklärt der Biologe. Doch in den vergangenen Monaten hat die tagaktive Nachtfalterart auch Flüge von bis zu 3000 Kilometern auf sich genommen, labt sich nun am Blutweiderich, der in der Wentorfer Lohe bis zu zwei Monate blüht und bis zu einem Meter groß wird.

Einen Ausflug in den südlich warmen Norden hat in diesem Jahr auch das Schwarzkehlchen gemacht, das hierzulande eher selten anzutreffen ist. Der Vogel profitiert von den langen Sommerabenden, an denen der Tisch mit leckeren Insekten reich gedeckt ist. „Im Süden leben mehr Tiere auf engem Raum, hier haben die Vögel einfach weniger Stress. Deswegen nehmen sie auch längere Flugstrecken auf sich“, erklärt Bernd Struwe-Juhl.

Schattenseite: Trockenheit soweit das Auge blickt

Er weiß jedoch auch: Der Supersommer hat auch seine Schattenseiten. Denn die Trockenheit macht Flora und Fauna zu schaffen. Die Frösche hatten noch Glück, ihre neuen Tümpel sind trotz fehlendem Regen nicht ausgetrocknet. In dem warmen Wasser entwickelten sich die Kaulquappen sogar schneller als sonst. Die ersten Jungtiere hüpften schon im Juni, nicht erst im August durch die Lohe. Auch Insekten gab es für sie genug.

Weniger Glück hatten hingegen beispielsweise die Ikarus-Bläulinge. Die Schmetterlinge legen ihre Eier auf Feldklee ab. Der allerdings ist bei der Hitze größtenteils vertrocknet. Vielen Raupen hat das das Leben gekostet. Denn normalerweise fressen sie sich auf dem Feldklee groß und stark. In diesem Sommer sind die meisten verhungert.

„Andererseits habe ich bei meinem letzten Rundgang durch die Lohe zahlreiche Mehlschwalben gesehen. Sie haben an den Tümpeln genug Material gefunden, um damit Nester für ihren Nachwuchs zu bauen“, hat der Biologe beobachtet.

Ob die im April frisch gepflanzten Buchen den heißen Sommer überlebt haben und vor dem Winter schon ausreichend Wurzeln schlagen konnten, muss sich erst noch zeigen. „Für die Wentorfer Lohe muss ich nach diesem Sommer also eine gemischte Bilanz ziehen“, so Struwe-Juhl.

Fette Beute für die Haselmaus

Nur für die kleine Haselmaus dürfte die Sache wohl ziemlich klar sein: So satt konnte sie sich vor ihrem langen Winterschlaf schon lange nicht mehr essen.