Seniorentreff

„Kümmerin“ sucht Nachfolger

Marion Schweitzer am Tisch der Skatspielter (v.li.): Herbert Buley, Günther Christiansen und Günter Lammers. 

Marion Schweitzer am Tisch der Skatspielter (v.li.): Herbert Buley, Günther Christiansen und Günter Lammers. 

Foto: Susanne Holz

Wentorf. Findet sich kein neuer Organisator, der Marion Schweitzer ablöst, steht der Treff nach 43 Jahren vor dem Aus.

Wentorf.  Ein Dienstag ohne Skat? Das ist für Herbert Buley (97), Günther Christiansen (83) und Günter Lammers (88) kaum vorstellbar. Jeden Dienstag heißt es beim Grand: Nur Buben sind Trumpf. Und das soll auch so bleiben. Doch die Zukunft der Skatrunde ist in Gefahr, denn Ende des Jahres geht Marion Schweitzer in den Ruhestand. Die 69-Jährige leitet seit 17 Jahren den Seniorentreff am Dienstag in der Alten Schule, bei dem sich die drei Herren kennengelernt haben und nun seit Jahren wöchentlich treffen. Das Problem: Die Wentorferin findet keinen Nachfolger. Damit ist nicht nur die Skatrunde, sondern eine Institution in Gefahr. Den Seniorentreff am Dienstag gibt es seit 1975.

Wichtiger Bestandteil des Gemeindelebens

„ Es muss einfach weitergehen. Der Seniorentreff ist ein sehr wichtiger Bestandteil des Gemeindelebens für ältere Menschen“, sagt Klaus Venzlaff, Vorsitzender des Wentorfer Seniorenbeirats. Sogar Bürgermeister Dirk Petersen hat er schon auf die Misere aufmerksam gemacht und sagt: „Ich sehe auch die Gemeinde in der Pflicht, das Problem zu lösen.“

Bis zu 60 ältere Menschen treffen sich jeden Dienstag in der Alten Schule neben dem Rathaus. Dort werden sie von gut zehn ehrenamtlichen Helfern bei Kaffee und Kuchen empfangen, es wird gesungen, geklönt, gespielt und vor allem gelacht. Als Helferin Helga Eggers (69) gestern zwei plattdeutsche Geschichten mit schauspielerischem Talent zum besten gibt, sieht man reihum nur fröhliche Gesichter. „Ist das nicht schön, alle sind vergnügt“, freut sich auch Marion Schweitzer, die sich aus gesundheitlichen Gründen von ihrer Aufgabe verabschieden muss.

Engagement geht weit über Treff hinaus

Sie ist eine „Kümmerin“, ihr Engagement geht weit über das Organisieren des Dienstagstreffs und einiger Ausflüge hinaus. Von jedem Teilnehmer hat sie Name und Anschrift. Sie besucht Jubilare an runden Geburtstagen zu Hause, macht Besuche am Krankenbett, geht auch zu Beerdigungen, wenn ein Gast gestorben ist. Bei den Treffen selbst, bringt sie Menschen miteinander ins Gespräch, die die gleichen Interessen haben oder das selbe Gesellschaftsspiel lieben. Sie hilft unkompliziert und schnell, wenn Briefe ins Haus flattern, mit denen die Senioren überfordert sind, begleitet ältere Damen und Herren im Ernstfall auch zur Polizei. Damit letzteres die Ausnahme bleibt, werden die Teilnehmer dienstags auch über die neuesten Betrugsmethoden aufgeklärt. Ein Raunen ging gestern durch den Saal, als Helga Eggers von einer Wentorferin erzählt, die angeblich 38 000 Euro gewonnen hatte, ohne je an einem Gewinnspiel teilgenommen zu haben. „Die Dame ist natürlich nicht darauf hereingefallen und gleich zur Polizei gegangen“, sagt Helga Eggers und erntet anerkennendes Kopfnicken.

Nachfolger mit Herz gesucht

Der Dienstagstreff sieht sich als niedrigschwelliges Angebot, in dem es vor allem darum geht, „unter Leute“ zu kommen. „Denn die meisten Menschen, die zu uns kommen, leben allein“, sagt Marion Schweitzer. Sie wünscht sich eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger mit Herz. Jemanden, der sich nicht scheut, die Gäste zur Begrüßung auch mal in den Arm zu nehmen, Kuchen kauft, Tische deckt und Tagesausflüge organisiert. „Vielleicht hat auch eine Gruppe Lust, diese Aufgabe gemeinsam zu übernehmen“, sagt die 69-Jährige. Interessenten erreichen sie unter (040) 720 89 65.