Kirschlorbeer

„Eine Betonmauer ist für die Natur wertvoller“

Ganz oben auf der Liste der giftigen Zier- und Wildfrüchte stehen die Früchte des weit verbreiteten Kirschlorbeer.

Ganz oben auf der Liste der giftigen Zier- und Wildfrüchte stehen die Früchte des weit verbreiteten Kirschlorbeer.

Foto: AOK

Reinbek. Kirschlorbeer bleibt in Wentorfer Neubaugebiet Bauernvogtskoppel verboten. CDU-Antrag nach Aufnahme in Pflanzliste abgelehnt.

Wentorf.  Der Kirschlorbeer macht zurzeit in Wentorf politische Karriere. Nachdem er laut Bebauungsplan aus dem Neubaugebiet Bauernvogtskoppel verbannt wurde, hat die CDU versucht nachzubessern. Die Fraktion beantragte, ihn nachträglich in die Anpflanzliste aufzunehmen.

Doch das aus Kleinasien stammende Rosengewächs soll auch künftig nicht in den neu angelegten Gärten an der Berliner Landstraße als günstige Heckenpflanze Wurzeln schlagen können. Grüne, FDP und SPD haben die „Giftpflanze des Jahres 2013“ abgelehnt.

Samenkörner sind zerkaut hochgiftig

„Wir haben bewusst heimischen Pflanzen ausgewählt, um Insekten und Vögeln Nahrungsquellen zu geben“, so der Ausschussvorsitzende Torsten Dreyer. Vögel nisten zwischen den fleischigen Blättern gar nicht und Insekten gehen auch nicht auf die Blüten. Auch seien die Samenkörner zerkaut hochgiftig, so Dreyer. Sie enthalten – wie bei fast allen Früchten der Gattung Prunus – Prunasin. Im Magen entwickeln zerkaute Samen Blausäure, unzerkaut geschluckte Samen sind ungefährlich.

Bei der CDU stößt die Verbannung immer noch auf Unverständnis: „Der Kirschlorbeer ist in Deutschland eine durchaus sehr beliebte, schnell wachsende und immergrüne Heckenpflanze, die übrigens auch in Wentorf in vielen Gärten zu finden ist“, befindet der Fraktionschef Dr. Harald Müller. Die Giftigkeit sei durchaus bekannt, aber das treffe auch auf drei der genehmigten Pflanzen zu.

Blätter bleiben auch im Kompost unangetstet

Allerdings warnt auch der Naturschutzbund Deutschland (NABU) vor der Pflanze. „Wer Kirschlorbeerhecken pflanzt, begeht ein Verbrechen an der Natur“, stellt NABU-Geschäftsführer Sönke Hofmann klar. „Selbst eine Betonmauer ist ökologisch wertvoller, auf ihr wachsen mit der Zeit wenigstens Flechten und Moose.“ Bestenfalls ein wenig Unterschlupf finden Vögel zwischen den Blättern, ernähren kann die Pflanze sie nicht.

Auch auf dem Kompost bleiben die Blätter lange unangetastet. „Das ist ja auch kein Wunder, an die giftigen Blätter wagen sich ja nicht mal die Mikroben ran“, so Hofmann.

Dabei gebe es jede Menge heimischer Alternativen, vom Weißdorn über die Schlehe bis zur Haselnuss,