Feriencamp für Erwachsene

Schnitzeljagd und Seifenblasen statt Handy

Maike Engel organisiert Ferienlager für Erwachsene. Im "Camp breakout" herrscht Handyverbot. Plötzlich ist Zeit, endlich mal wieder Seifenblasen steigen zu lassen.

Maike Engel organisiert Ferienlager für Erwachsene. Im "Camp breakout" herrscht Handyverbot. Plötzlich ist Zeit, endlich mal wieder Seifenblasen steigen zu lassen.

Foto: Maike Engel

Aumühle. Digital Detox stellt die Teilnehmer vor eine Herausforderung. Ein Wochenende ohne Internet und Co, geht das? Und wie!

Aumühle.  Im Ferienlager von Maike Engel (36) dürfen Erwachsene wieder Kinder sein. Wichtigste Voraussetzung, damit der Spieltrieb erwacht: Es herrscht absolutes Handyverbot. Drei Tage lang haben E-Mails, SMS, Facebook und Whatsapp Sendepause. Die Mobiltelefone landen in Papiertüten, die anschließend versiegelt werden. Das ganze nennt sich „Digital Detox“ – ein Entzug also von allem, was im Alltag Zeit frisst und ablenkt.

Wer sich auf das Abenteuer einlässt, startet eine Zeitreise in die eigene Vergangenheit. Denn im Camp für Erwachsene steht all das auf dem Programm, was auch schon im Kinderferienlager anno dazumal für unvergessliche Erlebnisse und ziemlich viel Spaß gesorgt hat: Singen am Lagerfeuer, Geländespiele und Rallyes, Kanu fahren, Volleyball, Bogenschießen, stundenlanges Tischtennis spielen, oder einfach nur Rumlümmeln, Musik hören und Löcher in die Luft gucken.

Verrückte Idee? Ferienlager für Erwachsene

Ein Ferienlager für Erwachsene? „Viele meiner Freunde fanden anfangs, dass das eine ziemlich verrückte Idee ist“, erinnert sich die Gründerin Maike Engel, die als Eventmanagerin auch im Kletterpark Aumühle arbeitet. Sie aber ließ nicht locker und lud vor zwei Jahren 20 Freunde und Bekannte zum Probe-Camp ein. Drei Tage lang sollte sich die Gruppe ohne Handy auf sich selbst besinnen und einfach mal all die Dinge tun, zu denen man sonst nicht kommt.

Es wurde eine Auszeit, die allen Teilnehmern noch lang in Erinnerung bleiben wird. Spiel und Spaß ohne Ziel und Zwang, intensive persönliche Gespräche – das kannten viele gar nicht mehr. Zu sehr waren sie beruflich eingespannt, immer in Erwartung auf die nächste Mail, das nächste Meeting.

„Alle starren nur noch aufs Handy“

Auch Maike Engel kann sich noch an Zeiten erinnern, als sie 50 bis 60 Stunden pro Woche in der Werbebranche arbeitete, ungezählte Überstunden machte. Wirklich erfüllend erwies sich diese Arbeit letztendlich aber nicht, sagt sie im Rückblick. Nach einer Trennung kündigte sie auch ihren Job und reiste sieben Monate nach Thailand, Vietnam und Bali. Als sie nach der Auszeit wieder in Hamburg war, staunte sie nicht schlecht. „In der S-Bahn und auf den Straßen sah ich plötzlich nur noch Menschen, die auf ihr Handy starrten. Keiner nahm den anderen mehr wahr.“

Als sie im Internet las, dass in Amerika Erwachsene in Ferienlagern eine Auszeit vom Erwachsensein, Mobiltelefon und Co. machen, wusste sie gleich: Diese Idee funktioniert auch in Deutschland. Der Name: Camp breakout ( www.camp-breakout.com).

Das Abenteuer startet in der Holsteinischen Schweiz

Die 36-Jährige fand eine passende Unterkunft in Süsel in der Holsteinischen Schweiz, trommelte kreative Teamer zusammen, die das Programm gestalten, organisierte alles andere – vom Gesellschaftsspiel über Boule-Kugeln bis zu Pfeil und Bogen. Als die ersten Teilnehmer eincheckten, war sie mindestens genauso aufgeregt wie sie. Mittlerweile hat sich das Konzept etabliert, am kommenden Wochenende sind 50 Teilnehmer dabei. Auch Firmen buchen das Event, entweder im Kletterpark Aumühle oder in einer Location, die Maike Engel extra dafür sucht.

Beruf und Status interessieren niemanden

Ihre Erfahrung in den dreitägigen Camps zeigt: Am Freitagabend sind alle schüchtern bis neugierig. Wie wird es werden, drei Tage lang mit fremden Leuten, in Mehrbettzimmern, ohne Fernseher, Handy, Internet? Schon am zweiten Tag sind alle aufgetaut, die Gespräche werden vertrauter, die Anspannung des Alltags fällt von allen ab. Auch die Camp-Namen tragen dazu bei, die sich jeder gibt. Und dass „Große Bärin“ oder „Happyness“ im wahren Leben Ärztin und Finanzbeamter sind, interessiert im Camp niemanden. „Gespräche über den Beruf sind Tabu. Und es halten sich alle daran“, hat Maike Engel festgestellt. Höhepunkt des Camplebens ist – wie in jedem guten Kinder-Ferienlager auch – der letzte Abend, wo einzelne Gruppen etwas vorführen. „Davon erzählen die Teilnehmer noch zwei Jahre später“, weiß die Chefin.

Mobiltelefone? Gibt es erst am Montag wieder

Und die Handys? Die gibt es am Montagmorgen wieder zurück. Dann werden Nummern ausgetauscht, mit all den neuen Ferienlager-Freunden...