Hitzewelle

Hier herrscht derzeit Braun statt Grün

Der Golfplatz in Wentorf gleicht teilweise einer Wüste. Head-Greenkeeper Jörn Wenck kommt mit dem Sprengen nicht nach.

Der Golfplatz in Wentorf gleicht teilweise einer Wüste. Head-Greenkeeper Jörn Wenck kommt mit dem Sprengen nicht nach.

Foto: Stephanie Rutke

Wentorf. Die Hitze macht auch dem Golfrasen zu schaffen. Vom satten Grün ist streckenweise nichts zu sehen. 20 Hektar werden bewässert.

Wentorf.  Sattes Grün soweit das Auge reicht – so stellt man sich einen Golfplatz vor. Aktuell bietet sich auf dem Gelände des Wentorf-Reinbeker Golf-Clubs auf weiten Flächen ein ganz anderer Anblick: Braun statt Grün, verdorrte Flächen statt Rasen. Die extreme Hitze macht in der Folge auch den Greenkeepern zu schaffen. Das Team um Head-Greenkeeper Jörn Wenck ist im Dauereinsatz. Wenck ist seit 26 Jahren für den Golfplatz verantwortlich und hat sechs weitere Mitarbeiter zur Seite. Sie alle arbeiten ganzjährig.

Aktuell sei die enorme Hitze das eigentliche Problem, denn geregnet habe es trotz der Trockenheit ja immer mal wieder, so Wenck. Über die Regenmenge führt er exakt Buch. Im vergangenen Jahr begann das schlechte Wetter seinen Aufzeichnungen nach im Juni und dauerte mit kurzen Unterbrechungen bis April 2018. Aktuell kaum noch vorstellbar. Ähnlich heiße Sommer wie jetzt gab es zum Beispiel 2003, 2006 zur Fußballweltmeisterschaft und 1976.

20 Hektar werden bewässert

Auf dem etwa 50 Hektar großen Gelände des Wentorfer Golfclubs muss eine Fläche von rund 20 Hektar regelmäßig gewässert werden, damit die Golfer optimale Bedingungen vorfinden. „Gewässert werden die Grüns und die Abschläge auf unserem 18-Loch-Platz“, sagt der Head-Greenkeeper. Die Bewässerung erfolgt überwiegend nachts durch eine computergesteuerte Regneranlage. Wenn die letzten Golfer die Bahnen verlassen haben, werden die rund 200 Regnerköpfe nacheinander ausgefahren und sorgen für eine gleichmäßige Bewässerung der Grünflächen.

Regenanlage mit dem Smartphone starten

„Je nach Wetterlage werden pro Nacht 100 bis 200 Kubikmeter Wasser benötigt“, erklärt Wenck. Von 22 Uhr bis etwa 5 Uhr morgens ist rund um die Golfstraße das leise Plätschern des Wassers zu hören. Jörn Wenck demonstriert es und bedient die Anlage per Smartphone. Wie von Geisterhand gesteuert tauchen die Regner nacheinander aus der Rasenfläche auf. Abhängig davon, auf welchen Flächen zum Beispiel gerade gespielt wird oder wo die Greenkeeper mähen.

Das Wasser bezieht der Golfclub aus dem eigenen Brunnen auf dem Gelände. Hier gibt es eine Zisterne und Pumpen, die das kostbare Nass durch ein verzweigtes Rohrsystem auf dem gesamten Gelände verteilen. Die Wasserbehörde in Ratzeburg genehmigt ein Kontingent von 27 000 Kubikmetern im Jahr. Zum Vergleich: Ein Durchschnittshaushalt in Deutschland verbraucht im Jahr 46,4 Kubikmeter Wasser pro Person.

Bei der Hitze wird nur alle drei Tage gemäht

Der Golfrasen ist eine spezielle Züchtung und wird vom Frühjahr bis in den Herbst an etwa 220 Tagen im Jahr regelmäßig gemäht. „Im Sommer geschieht das täglich“, erklärt Wenck. „Aber bei dieser extremen Hitze können wir nur etwa alle drei Tage mähen, sonst geht der Rasen kaputt.“ Das erkläre auch, warum in Teilbereichen des Golfplatzes so viele Kleeblüten zu sehen sind: „Der Klee hat tiefer reichende Wurzeln und kann sich besser mit Wasser versorgen als der Rasen.“

Greenkeeper: „Rasen erholt sich wieder“

„Gegen diese extreme Trockenheit kommt man nicht mehr an“, erklärt der Greenkeeper, warum einige Bereiche des Platzes so vertrocknet sind. Dieses sogenannte „Trockenfallen“ ist eine Art Schlaf, aus dem die Pflanze wieder erwacht, sobald es regnet. Auf dem Golfplatz werden keine Bereiche abgesperrt, sondern im schlimmsten Fall wird neu ausgesät. Für Gartenbesitzer hat Jörn Wenck einen Tipp: Wer seinen Rasen bisher nicht ganz regelmäßig, sondern nur sporadisch gewässert hat, sollte nicht weiter gießen. Die Pflanzen regenerieren sich, sobald es wieder regnet.

Im Garten von Jörn Wenck, der selbst Golf spielt, gibt es nur ganz „normalen“ Rasen. „Echten Golfrasen habe ich zu Hause nicht“, erklärt er mit einem Lächeln. „Das ist viel zu pflegeintensiv.“