Kinderfrust

Ferien in Wentorf – und der Spielplatz ist weg

Die Anwohner am Wischhoff schwanken zwischen Wut, Enttäuschung und Hoffnung, dass ihr Spielplatz samt Sitzbänken bald wieder aufgebaut wird. Denn diese Sommerferien sehen mau aus, kein Spielgerät weit und breit, stattdessen braune Erde.  

Die Anwohner am Wischhoff schwanken zwischen Wut, Enttäuschung und Hoffnung, dass ihr Spielplatz samt Sitzbänken bald wieder aufgebaut wird. Denn diese Sommerferien sehen mau aus, kein Spielgerät weit und breit, stattdessen braune Erde.  

Foto: Susanne Holz

Wentorf Kinder und Eltern vermissen Schaukel und Co. am Wischhoff. Den Spielplatz hatte die Politik aus Kostengründen abbauen lassen.

Wentorf.  In Wentorf erhitzt derzeit nicht nur die sengende Sonne die Gemüter. Der fehlende Kinderspielplatz ist es, der die Anwohner auf die Palme treibt. „Als Mitarbeiter der Gemeinde die Spielgeräte abgebaut haben, dachten wir zunächst, sie sollen erneuert werden“, sagt Anwohner Darius Gagala. Mittlerweile ist den Kindern und ihren Eltern klar: Da kommt nichts mehr. Die Entscheidung, diesen Spielplatz und vier weitere abzubauen, hatte die Gemeindevertretung Ende vergangenen Jahres getroffen. Grund sind Sparmaßnahmen, denn die Betreuung eines Kinderspielplatzes kostet Geld.

Wenig Reaktion auf Fragebogen-Aktion

Vorangegangen war eine großangelegte Umfrage. Die Gemeinde hatte 950 Fragebögen in Wentorfer Kitas und Grundschulen ausgelegt und Eltern um eine Antwort auf die Frage gebeten, welche drei Kinderspielplätze in Wentorf sie aktiv aufsuchen. „Von den 950 Bögen haben wir 392 zurückbekommen“, erklärt Wentorfs Jugendpfleger Mario Kramer. Das Ergebnis: Von den 16 kommunalen Spielplätzen werden die an der Hansestraße, am Wischhoff 21 und 28, am Hoffredder und Am Gehölz am wenigsten genutzt. Am Wischoff beispielsweise hatten für beide Plätze nur 17 Mütter und Väter angegeben, oft dort zu sein. Zum Vergleich: Der Spielplatz Große Spielmulde an der Grünachse Henkenhoop wurde 224-mal angegeben, der Am Petersilienberg 182-mal.

„Kinderschar hat keinen Treffpunkt mehr“

Den Anwohnern am Wischoff ist dieses Zahlenwerk egal, sie möchten ihren Spielplatz wiederhaben und nicht mehr nur auf eine verdorrte Rasenfläche schauen müssen. „Ich verstehe das einfach nicht. Man kann Kindern doch nicht einfach einen Spielplatz wegnehmen“, sagt Lillit. Ihre Mutter Dana Janin Enghusen (28) kennt den Platz noch aus ihrer Kindheit, verbindet nur Gutes damit. Doch nicht nur die Kinder sind sauer, auch die Erwachsenen sind mit der Entscheidung der Politik nicht einverstanden. „Die große Kinderschar hat hier jetzt keinen Treffpunkt mehr“, bedauert Anwohner Alexander Spiewok.

Selbst die Bänke sind weg

„Ich habe drei Enkelkinder. Mit denen kann ich jetzt nur noch spazierengehen, spielen geht ja hier nicht mehr“, sagt Wolfgang Meier (66). Ebenso geht es Georg Baule (66), der zwei Enkelkinder hat. Kopfschütteln auch bei der ehemaligen Tagesmutter Eva-Maria Leß (52), die den Platz über Jahre mit ihren Betreuungskindern täglich ansteuerte. Melanie Schnackenbeck (42) ärgert sich, dass ein sozialer Treffpunkt weggefallen ist – nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Erwachsenen. Bänke zum Plaudern gibt es auch nicht mehr.

140 Protestunterschriften gesammelt

Aktuell liegt im Rathaus eine Unterschriftenliste mit 140 Unterzeichnern, die ein Mädchen Bürgermeister Dirk Petersen übergeben hatte – es sind alles Anwohner, die sich für den Wiederaufbau des Spielplatzes an der Hansestraße einsetzen. Auch er war Sparmaßnahmen zum Opfer gefallen. Die Anwohner am Wischhoff befürchten, dass die ehemaligen Spielplätze nun bebaut werden sollen, die Gerüchteküche brodelt. Eine Bebauung sei aber definitiv nicht geplant, betont Petersen. Jugendpfleger Mario Kramer geht davon aus, dass die Spielplätze perspektivisch wieder aktiviert werden könnten, wenn es genügend Kinder in einem Viertel gibt.

Im September auf der Agenda

Im September hat das Thema Spielplätze eine Chance, wieder auf der politischen Agenda zu landen. Der zuständige Liegenschaftsausschuss tagt am 6. September um 19 Uhr im Wentorfer Rathaus. Vater und Anwohner Darius Gagala weiß schon jetzt, was er den Verantwortlichen gern sagen würde: „Kinder sind unsere Zukunft, für sie muss man etwas tun.“