Bauernvogtskoppel

Politikern sind einige Hausfassaden im Neubaugebiet zu bunt

Villa Kunterbunt im Neubaugebiet Holzvogtskoppel an der Berliner Landstraße in Wentorf: Bei der Farbgestaltung der Fassaden dominieren grelle Farben.

Villa Kunterbunt im Neubaugebiet Holzvogtskoppel an der Berliner Landstraße in Wentorf: Bei der Farbgestaltung der Fassaden dominieren grelle Farben.

Foto: Anne Müller / BGZ

Wentorf. Gemeinde setzt Projektentwickler Frist zur „plankonformen Herstellung“ – Doch viele Häuser sind längst verkauft.

Wentorf.  .Sie fallen auf, die Reihenhäuser im Neubaugebiet Bauernvogtskoppel. Rot, Gelb und Orange leuchten sie entlang der Berliner Landstraße. Für gute Laune sorgt die grelle Fassadengestaltung allerdings nicht überall. Wentorfs Kommunalpolitikern ist es jetzt zu bunt geworden. Die Signalfarben haben ihren Geschmacksnerv empfindlich getroffen.

Frist für Projektgesellschaft

Das grelle Farbkonzept könnte jetzt auch die Bauaufsicht des Kreises Herzogtum Lauenburg auf den Plan rufen: Die Gemeinde hat der Projektgesellschaft eine Frist gesetzt, um die „Fassadengestaltung der Reihen- und Doppelhäuser plankonform nach dem Bebauungsplan herzurichten“. Nach Ablauf der Frist, die bis Morgen terminiert wurde, will die Gemeinde einen Antrag auf „Tätigwerden bei der zuständigen Bauaufsicht“ des Kreises stellen.

Der kaufmännische Projektleiter, Martin Kowol, fürchtet derweil keine Sanktionen wegen der Farbspiele: „Wir befinden uns noch im Abstimmungsprozess, gehen aber davon aus, dass wir uns plankonform verhalten haben.“

Auch Bewohner von grellen Farben nicht begeistert

Die ersten Eigentümer haben bereits ihre Häuser bezogen. „Wir fühlen uns hier sehr wohl“, sagt ein Neu-Wentorfer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Er gesteht: „Von den grellen Farben waren wir auch nicht begeistert.“

Ein schlichtes Weiß und Grau sollte nach dem Bebauungsplan zwischen Moorkoppel und Berliner Landstraße dominieren, so Hauptamtsleiter Karsten Feldt. Nach den Festsetzungen für die Fassadengestaltung sind laut B-Plan 49 für die 62 geplanten Häuser die Außenfassaden der Wohngebäude vorgeschrieben: Sie sind in „rotem bis rotbraunen Verblendmauerwerk oder in weißem Putz oder grau herzustellen“. Zulässig sei auch eine Kombination.

Die Frage, wie sich ein möglicher Streit zwischen Gemeinde und Projektgesellschaft auf die Eigentümer auswirkt, kann Torsten Dreyer, Vorsitzender des Planungs- und Umweltausschusses, noch nicht beantworten. Im ungünstigsten Fall müssten Regressansprüche wegen eines Baumangels gestellt werden.

Farbe mindert große Nachfrage nicht

Während das Farbkonzept für Unstimmigkeiten sorgt, kann Frank Feddersen, Immobilienberater bei der Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg, eine positive Bilanz zur Vermarktung des 3,4 Hektar großen Neubaugebietes ziehen. 80 Prozent der Häuser sind fertig. „Vor allem die Reihenhäuser wurden uns aus den Händen gerissen“, sagt er. Und das trotz der stolzen Preise von 400 000 Euro im Durchschnitt. Von den Doppelhaushälften, die für 430 000 bis 526 000 Euro verkauft wurden, sind nur noch zwei zu haben.

Auch beim Grün legten die Politiker strenge Maßstäbe an: Wie im benachbarten Neubaugebiet Lange Asper (B-Plan 50) dürfen in der Bauernvogtskoppel nur heimische Gehölze gepflanzt werden. Auch der beliebte Kirschlorbeer ist nach der Anpflanzliste ausgeschlossen.