Gründungsinitiaitive

In Wohtorf sollen Kinder in Freiheit lernen können

Das Gründungsteam für die demokratische Schule Freiwärts in Wohltorf: Jessica Dzibulla (Mi.), Rolf Limpinsel und Melanie Kühl.

Das Gründungsteam für die demokratische Schule Freiwärts in Wohltorf: Jessica Dzibulla (Mi.), Rolf Limpinsel und Melanie Kühl.

Foto: Stephanie Rutke

Wohltorf. Die freie demokratische Schule Freiwärts nimmt im Ansverushaus im August mit 35 Kindern den Betrieb auf.

Wohltorf.  Die Schullandschaft in der Region verändert sich: Am 18. August nimmt die demokratische Schule „Freiwärts – in Freiheit lernen“ unter freier Trägerschaft im Ansverushaus den Betrieb auf. 35 Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren werden hier selbstbestimmt lernen.

Freiwärts verzichtet auf Schulklassen

Die Eltern zahlen sozial gestaffelt im Schnitt 170 Euro pro Kind und Monat. Der Unterricht erfolgt altersübergreifend in der Grund- und Mittelstufe. Klassen gibt es nicht.

Unterrichtet werden die Kinder von Lernbegleitern. Initiatorin ist die Wentorferin Jessica Dzubilla, die mit ihrer Gründungsinitiative viele Eltern anspricht: Die Schülerzahl für den Start ist erreicht und es gibt eine Warteliste.

Es gibt schon eine Warteliste

Sie selbst und zwei weitere Mitarbeiter werden die Kinder unterrichten. Eine von ihnen ist Melanie Kühl. Die 35-jährige hat zuletzt an einer Oberschule in Niedersachsen Französisch und Biologie unterrichtet. Jetzt hat sie sich für den Wechsel entschieden: „Hier ist der Blick komplett auf das Kind und seine Bedürfnisse gerichtet“, erklärt sie.

Der Schultag beginnt mit einer einstündigen Ankommenszeit. Im anschließenden Morgenkreis werden Geburtstage gefeiert und Informationen weiter gegeben.

Schulalltag ohne Stundenrhythmus

Dann beginnt der Schulalltag, der allerdings keinem festen Stundenrhythmus folgt. Für die Grundschüler gilt eine Kernzeit von vier, für die Älteren von fünf Stunden. Gearbeitet wird nach dem Mentorenprinzip: jeder der Lernbegleiter hat „seine“ Kinder im Blick.

Es ist geplant, die Schülerzahl in den kommenden Jahren auf 90 bis 100 Kinder anwachsen zu lassen. Von den 35 Kindern, die im August eingeschult werden, sind rund 20 Grundschüler, die übrigen besuchen die Sekundarstufe. Freiwärts wird als Grund- und Gemeinschaftsschule die Jahrgangsstufen 1 bis 4 der Grundstufe und die Klassen 5 bis 10 der Mittelstufe umfassen.

Familien ziehen extra für Schule um

„Unsere Schüler kommen aus Reinbek und Wentorf, aus Hamburg und Lauenburg“, so Kühl. Eine Familie sei extra wegen dieser neuen Schule zurückgezogen. Andere Familien sind aus Lübeck, Kiel und Wolfsburg zugezogen.

Zu den Eltern, die sich im Förderverein der Schule engagieren, gehört Sarah Kölle aus Neuschönningstedt. Ihre Tochter Luna (5) soll im kommenden Jahr in der demokratischen Schule eingeschult werden, Sohn Lenyo (fast 2) wird später folgen.

„Ich finde es erschreckend, wie viele Schulabgänger nicht wirklich wissen, was sie interessiert“, sagt die 35-jährige. Für ihre Tochter habe sie nach Alternativen für die Regelschule gesucht. „Kinder sollen Lust haben, zu lernen und hier stehen die Kinder mit ihren Bedürfnissen im Mittelpunkt“, begründet sie ihre Entscheidung. Sie arbeitet im Förderverein mit und ist sich sicher: „Die schaffen das.“

Renovierung startet jetzt

Die Planungen für die neue Schule laufen seit zwei Jahren, was bisher fehlte, war das passende Gebäude. „Wir haben das Ansverushaus erst am 1. Juli übernommen und beginnen jetzt mit den Renovierungsarbeiten“, erzählt die Initiatorin.

Die Villa mit diversen Räumen auf drei Etagen und dem großen Garten bietet sehr viele Möglichkeiten für das Konzept der demokratischen Schule „Freiwärts“. Hier ist Platz für eine Bibliothek, einen Medienraum und Forscherräume. Noch sind die Räume unmöbliert. Tische und Stühle werden angeschafft, genauso wie Sitzbälle oder Sofas.

Eltern renovieren mit

Aktuell hängen auf den Fluren und an den Türen Informationen, was zu erledigen ist. Einen Teil der notwendigen Arbeiten werden die Eltern in Eigenregie erledigen. „Wir setzen voll auf Vertrauen und Verantwortung“, so Jessica Dzubilla. Und sie ist sicher, das wird klappen..