Billwerder Insel

Wasserfenchel-Habitat in Moorfleet: Umbau kommt voran

Das erste Becken der früheren Hamburger Wasserwerke wurde bereits zu einer Landschaft mit Prielen und Inseln umgebaut und im Februar dieses Jahres fertiggestellt. Hier soll der Schierlings-Wasserfenchel heimisch werden. In der Art wird in den kommenden Monaten auch ein zweites Becken umgebaut und gestaltet.

Das erste Becken der früheren Hamburger Wasserwerke wurde bereits zu einer Landschaft mit Prielen und Inseln umgebaut und im Februar dieses Jahres fertiggestellt. Hier soll der Schierlings-Wasserfenchel heimisch werden. In der Art wird in den kommenden Monaten auch ein zweites Becken umgebaut und gestaltet.

Foto: Carsten Neff / NEWS & ART

Ausgleichsmaßnahme für Elbvertiefung auf der Billwerder Insel wird bis Februar 2021 abgeschlossen. Kosten: rund 11,6 Millionen Euro.

Moorfleet. Auf der Billwerder Insel in Moorfleet entsteht eine neue Heimat für den Schierlings-Wasserfenchel. Die Ausgleichsmaßnahme für die Elbvertiefung geht jetzt in die dritte Runde und soll Ende Februar abgeschlossen werden. 11,6 Millionen Euro investiert die Hamburg Port Authority (HPA, ehemals Strom- und Hafenbau) in den Öko-Ausgleich.

Das Gelände südlich des Holzhafens war Jahrzehnte im Besitz der Hamburger Wasserwerke (heute Hamburg Wasser), die dort seit 1893 ein Elbwasser-Filtrierwerk betrieben. Es wurde 1990 stillgelegt. Die Arbeiten starteten im Winter 2018/2019 mit der Herstellung der Baustraßen. Gebaut werden darf dort aus naturschutzrechtlichen Gründen nur von September bis Februar.

Im zweiten Bauabschnitt wurde 2019/2020 das erste Filterbecken umgebaut. Von den vier vorhandenen, mehr als 100 Jahre alten Becken, die vor 30 Jahren außer Betrieb genommen worden sind, werden zwei angefasst. Arbeiter stellten außerdem über den Holzhafen eine Verbindung zur Norderelbe her, damit die Becken der Tide ausgesetzt werden können. „Das erste Becken ist bereits seit einem dreiviertel Jahr der Tide ausgesetzt“, sagt Kai Gerullis, Sprecher der HPA. An dem zweiten Becken wird seit wenigen Tagen gearbeitet. Gerullis: „Es soll an das erste Becken angeschlossen werden.“

Arbeitszeiten richten sich nach den Gezeiten

Keine einfache Aufgabe: Die Bauarbeiter müssen ihre Arbeitszeiten nach den Gezeiten und dem Zeitpunkt

des Niedrigwassers organisieren. Die Sohlen der Becken aus Klinkersteinen wurden und werden herausgebrochen, die Steine anschließend zum Aufbau und Formen von Prielen verbaut, die künstliche Inseln umspülen. Verkleidet mit Klei und Sand entsteht eine Fläche, die Heimat für Röhricht, Weiden und eben auch den Schierlings-Wasserfenchel werden soll.

Das geschützte Pflänzchen kommt nur an der Elbe vor. Es wird zwei Jahre alt, blüht im zweiten Jahr, und wächst bis zu zwei Meter in die Höhe. Es liebt diese feuchte Umgebung. Bei mittlerem Hochwasser steht das Wasser etwa 2,70 Meter hoch in den Becken, sodass die künstlichen Inseln noch etwa 50 Zentimer aus dem Wasser ragen

Als Ausgleich für die Elbvertiefung müssen 200 Pflanzen an einem neuen Standort angesiedelt werden. HPA-Projektleiter Marc Kindermann schätzt, dass es in beiden, jeweils 3,5 Hektar großen Becken, nach dem Umbau Platz für insgesamt 380 Schierlings-Wasserfenchel-Pflanzen geben wird.

Platz für rund 700 Kormorane und 380 Schierlings-Wasserfenchel

Im Mai und Juni wurden bereits vorgezogene Pflanzen gesetzt, Samen ausgesät und Weiden gepflanzt. Von März an wird das Gelände wieder den Kormoranen zum Brüten überlassen. Etwa 350 Paare sind dort heimisch, bilden die größte Kolonie in Hamburg. Die Arbeiten sollen Ende Februar mit einer Pflanzaktion abgeschlossen werden.

Kindermann geht von schnell sichtbaren Erfolgen aus: Schon nach zehn Jahren werde auf dem Areal ein kleiner Wald gewachsen sein. Auch danach werde die HPA ein wachsames Auge auf das Habitat und seine Entwicklung werfen,
sagt Kindermann: „Wir werden es mindestens 16 Jahre lang beobachten.“

Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe

Das neue Habitat ist nicht für Publikumsverkehr geöffnet. In direkter Nachbarschaft liegt die Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe. Fast 100 Jahre lang versorgte die Langsamsandfiltrationsanlage auf Kaltehofe die Stadt Hamburg mit sauberem Trinkwasser. Heute gibt es am Kaltehofe Hauptdeich 6-7 ein Industriedenkmal, Naturpark, Tagungszentrum und Naturerlebnispfad. Geöffnet ist die Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe mittwochs bis sonntags von 10 bis 18 Uhr.

Offene Führungen werden sonnabends (15 Uhr) und sonntags (13 Uhr) angeboten. Auf dem Naturerlebnispfad lernen Kinder am Sonntag, 20. September, 11.30 Uhr, ein Insektenhotel, die tierischen Bewohner und Geräusche der Insel sowie den Barfußpfad kennen. Kosten: 5 Euro, für Erwachsene 10 Euro.

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Stadtrundgänge durch die Hamburger Innenstadt unter dem Titel „Der Tod aus dem Fluss – Die Cholera in Hamburg“ organisiert das Wasserkunst-Team am 25. Oktober und 8. November, jeweils 15 bis 17.30 Uhr. Kosten: 20 Euro, ermäßigt 15 Euro. Anmeldung jeweils per E-Mail an info@wasserkunsthamburg.de