Nach erneutem Unfall

Anwohner fordern neue Leitplanke vor Vierländer Volksbank

Im Haus der Vierländer Volksbank am Curslacker Deich klafft ein Loch in der Außenmauer, nachdem im August erneut ein Auto in die Ecke geknallt war: Finn Külper (21) und seine Mutter Janet Külper-Stehr (49) haben nun 100 Unterschriften in ihrer Nachbarschaft gesammelt, die eine Leitplanke fordern.

Im Haus der Vierländer Volksbank am Curslacker Deich klafft ein Loch in der Außenmauer, nachdem im August erneut ein Auto in die Ecke geknallt war: Finn Külper (21) und seine Mutter Janet Külper-Stehr (49) haben nun 100 Unterschriften in ihrer Nachbarschaft gesammelt, die eine Leitplanke fordern.

Foto: Thomas Heyen

Exakt 100 Unterschriften sind innerhalb kürzester Zeit zusammengekommen. Zuletzt krachte im August ein Auto in das Wohnhaus.

Curslack. Exakt 100 Unterschriften hatten Finn Külper (21) und seine Mutter Janet Külper-Stehr (49) innerhalb kürzester Zeit zusammen: Anlieger des Curslacker Deichs fordern eine neue Leitplanke vor dem Wohnhaus, das der Vierländer Volksbank gehört. Dort war am 23. August ein betrunkener Autofahrer mit seinem Wagen aus der Kurve geflogen und in das Haus aus rotem Backstein am Curslacker Deich 372 gekracht. Verletzt wurde niemand, doch im Mauerwerk klafft nun ein großes Loch. Dabei waren die Schäden, die durch einen weiteren Unfall im Mai 2019 entstanden waren, erst kurz zuvor beseitigt worden.

Finn Külper und Janet Külper-Stehr wohnen nur wenige Meter von dem Volksbank-Haus entfernt. Sie und ihre Nachbarn haben Angst, dass bei einem weiteren Unfall auch Fußgänger, die sich zufällig vor dem Haus auf dem Gehweg aufhalten, verletzt werden könnten.

Forderung nach Leitplanke vor Vierländer Volksbank wird lauter

Im Bereich der Kurve nahe der Schiefen Brücke soll es im Laufe der Jahre zahlreiche Unfälle gegeben haben, berichten Anwohner. Doch bis zum Abriss des Gasthauses „Zur schiefen Brücke“, das durch das Haus der Volksbank ersetzt worden war, stand eine Leitplanke vor dem Gebäude. „Wir Anwohner gingen davon aus, dass sie nach der Fertigstellung des neuen Hauses wieder aufgebaut wird, nur für die Zeit der Bauarbeiten abmontiert wurde“, sagt Janet Külper-Stehr.

Doch die Bergedorfer Verkehrspolizei sieht dazu keine Notwendigkeit, weil sich nun, wo es die Kneipe nicht mehr gibt, kaum noch Menschen vor dem Gebäude aufhalten würden. Dies sei damals, zu Zeiten der Gaststätte, anders gewesen. Außerdem seien Leitplanken in geschlossenen Ortschaften grundsätzlich nicht vorgesehen, dürfe im Bereich der Kurve schon seit Jahren nur Tempo 30 gefahren werden, betont Axel Kleeberg, Chef der Bergedorfer Verkehrspolizei. Hinzu käme, dass bei den beiden jüngsten Unfällen eine Leitplanke oder eine Mauer lediglich das Gebäude geschützt hätte. Dies sei aber nicht Sache der Polizei oder der Verwaltung. „Außerdem bedeutet eine Leitplanke nicht automatisch Schutz für die Verkehrsteilnehmer und das Verhindern von Unfällen“, sagt Kleeberg. Sie können in einem ungünstigen Fall sogar eine zusätzliche Gefahr darstellen, die Sicht behindern und den Fußweg einengen.

Polizei sieht an der Stelle keinen Unfallschwerpunkt

Janet Külper-Stehr ist da ganz anderer Meinung: „Wir mussten die Nachbarn nicht lange von der Sinnhaftigkeit der Unterschriftensammlung überzeugen. Alle sind in Sorge, dass sich ein schlimmer Unfall ereignet.“ Sohn Finn Külper, der als zugewählter Bürger für die CDU im Regionalausschuss sitzt, hat die Unterschriftensammlung nun an Bernd Capeletti, den Ausschussvorsitzenden, überreichen lassen.

Für die Polizei ist es jedoch kein Unfallschwerpunkt, weil es dafür feste Kriterien gibt, die eben nicht erfüllt sind, erklärt Axel Kleeberg. So habe es an der Stelle zwei Unfälle gegeben, die jeweils unter besonderen Umständen passiert seien: Beide Fahrer waren nachts nicht nur alkoholisiert, sondern auch zu schnell unterwegs gewesen. Erst ein dritter gleichartiger Unfall würde zu einer Untersuchung führen, wobei Trunkenheit immer etwas Außergewöhnliches sei, das selbst durch ein geändertes Tempolimit oder Verkehrsführung nicht zu beeinflussen sei, erläutert Kleeberg.

Tiefbauchef will eine technische Lösung prüfen

Lenka Brodbeck (Die Grünen) erkennt in der Kurve eine klare Gefahrenstelle: „Auch wenn nicht jeden Tag dort ein Unfall passiert, reicht es doch, wenn jedes Jahr ein Auto ins Haus knallt.“ Die SPD sieht das genauso, könne nicht verstehen, wie man „sehenden Auges einen Gefahrenpunkt erhalten konnte“, so Harald Martens. Ernst Heilmann (Die Linke) ist ebenso überzeugt, dass die Zählweise der Polizei zu spät ansetzt. Zwar seien, seit es die Leitplanke nicht mehr gibt, zwei Unfälle passiert. Aber auch zuvor habe es genau an der Stelle ähnliche Unfälle gegeben. Da sich die Straßenführung seitdem nicht verändert habe, müsse man diese auch unbedingt einbeziehen, ist Heilmann überzeugt. Ob Unfallschwerpunkt per Definition oder nicht – „das subjektive Sicherheitsempfinden an der Stelle ist schlecht“, ist Stephan Meyns (FDP) überzeugt. Darum sollten Verwaltung und Polizei die Ecke unbedingt noch einmal überprüfen, sind sich alle Fraktionen im Regionalausschuss einig.

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Dem stehen die Verantwortlichen kooperativ gegenüber. Bei Geschwindigkeitsmessungen habe man die Ecke sowieso bereits verstärkt im Blick, bekräftigt Axel Kleeberg. Auch Tiefbauchef Lars Rosinski will prüfen lassen, ob es trotz des „extrem begrenzten Platzes“ eine technische Lösung geben kann – auch wenn es wohl eher keine Leitplanke sein wird.