Zusammenhalt

Gemeinschaftlicher Putzeinsatz auf Ochsenwerder Friedhof

Schreiben Zusammenhalt in Ochsenwerder groß (von links): Tobias Vogler (28), Moritz Meyer (17) und John-Dorian Voigt (24) beim Säubern der Stelen des Ehrenmals.

Schreiben Zusammenhalt in Ochsenwerder groß (von links): Tobias Vogler (28), Moritz Meyer (17) und John-Dorian Voigt (24) beim Säubern der Stelen des Ehrenmals.

Foto: Lena Diekmann / BGZ/Diekmann

Männer befreien Granitstelen auf dem Friedhof von St. Pankratius in Ochsenwerder von Moos. Pastor von Engagement begeistert.

Ochsenwerder. Die Kirche hatte in seinem Leben bisher keine große Rolle gespielt: „Ich bin einfach nicht christlich erzogen worden“, sagt Tobias Vogler, der in Neuallermöhe aufgewachsen ist und seit 2015 in Ochsenwerder lebt.

Doch seit er und seine Frau Anna vor einem Jahr von Pastor Andreas Meyer-Träger in der Kirche St. Pankratius getraut worden sind, hat sich das geändert: Kurz vor Weihnachten besuchte Vogler einen Gottesdienst am Alten Kirchdeich. Der gefiel ihm so gut, dass er seitdem oft am Sonntag den Weg ins Gotteshaus am Alten Kirchdeich findet. „Ich bin an unserer Geschichte interessiert, möchte verstehen, warum die Dinge so sind, wie sie sind. Und der Pastor schafft es immer wieder, mich gedanklich abzuholen.“

Gemeinsame Taufe mit dem ersten Kind ist schon geplant

Auch bei seinen Kumpels im Dorf weckte er Interesse. Sie begleiten Vogler nun auch mal in den Gottesdienst. Und auch bei einer anderen Aktion unterstützen sie den 28-Jährigen: Reinigung von zwölf Granitstelen auf dem Friedhof. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie von Bürgern des Kirchspiels aufgestellt, um an die Gefallenen zu erinnern. Bei einem Gang über den Friedhof fiel Vogler auf, dass die Stelen verwittert und vermoost und die Namen darauf kaum noch zu lesen waren.

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Als Zeitsoldat – der Stabsunteroffizier arbeitet derzeit als Fluggerätemechaniker bei den Heeresfliegern – habe er dazu natürlich eine besondere Beziehung zu dem Ehrenmal. „Es ist einfach Teil unserer Geschichte“, sagt Vogler.

Gute Gemeinschaft und großer Zusammenhalt

Er besorgte speziellen Granitreiniger, Besen und Gießkannen und fing gemeinsam mit seinen Freunden John-Dorian Voigt und Moritz Meyer an, die Stelen vom Schmutz zu befreien. Für die beiden jungen Männer war es keine Frage, dass sie „Tobi“ dabei unterstützen würden: „Für einen kurzen Moment dachte ich, das wär nur ein Spruch. Aber dann war mir schnell klar, dass er es ernst meint, denn Tobi ist kein Typ, der Sprüche klopft, sondern der anpackt“, sagt Moritz Meyer.

Und auch seine Freunde packen mit an: Ein Grund, warum Vogler bewusst nach Ochsenwerder gezogen ist. „Es ist die Gemeinschaft und der Zusammenhalt in den Vereinen, im Gegensatz zum anonymen Leben in der Stadt, der mir hier draußen so gut gefällt“, sagt der 28-Jährige. Und dem Pastor gefällt das freiwillige Engagement: „Ich bin beeindruckt, wie viel Zeit und Kraft die Männer investiert haben. Das Ergebnis lässt sich mehr als sehen“, sagt Andreas Meyer-Träger.

Vogler will offiziell in die Kirche eintreten

Tobias Vogler hat mittlerweile auch einen offiziellen Eintritt in die Kirche im Blick: „Wenn unser erstes Kind auf der Welt ist, werde ich mich gemeinsam mit ihm taufen lassen.“

Auch in diesem Jahr wird am Volkstrauertag, 15. November, in Ochsenwerder der Kriegstoten und der Opfer von Gewaltherrschaft gedacht. Aufgrund der Corona-Situation steht bereits fest, dass der Ablauf diesmal umgedreht wird: Start ist dann mit dem Gedenken am Ehrenmal, im Anschluss geht es zum Gottesdienst in die Kirche.