Nach Unfall

Polizei sensibilisiert Radfahrer für Gefahren am Deich

Thomas Jensen von der Verkehrsdirektion stoppte in Kirchwerder auch Grzegorz Cieslik.

Thomas Jensen von der Verkehrsdirektion stoppte in Kirchwerder auch Grzegorz Cieslik.

Foto: Thomas Heyen

Nach dem dramatischen Unfall vor einer Woche spricht die Polizei Rennradfahrer auf dem Hauptdeich an. Der Appell: "Kopf hoch!"

Kirchwerder. Mit voller Wucht knallte ein Radrennfahrer vor einer Woche auf dem Zollenspieker Hauptdeich auf das Heck eines am Fahrbahnrand geparkten Hyundais. Durch den Aufprall ging die Heckscheibe zu Bruch, der 56 Jahre alte Rennradfahrer erlitt dadurch eine schwere Verletzung am Hals. Seine Schlagader wurde von zwei Autofahrern, die als erste am Unfallort sind, zehn Minuten lang zugedrückt. Nach einer Notoperation konnte der Zustand des Starnbergers stabilisiert werden. Er befindet sich nach Auskunft der Polizei mittlerweile außer Lebensgefahr, ist sogar schon wieder Zuhause.

Schwere Verletzung an der Schlagader durch zerbrochene Heckscheibe

Nur ein schwerer Unfall dieser Art, zu denen es in den wärmeren Monaten auf dem Hauptdeich immer wieder kommt. Die Polizei informierte deshalb gestern gezielt Rennradfahrer. Am Hower Hauptdeich, in Höhe der Freiwilligen Feuerwehr Kirchwerder-Süd, stoppte Thomas Jensen die Sportler mit einer Anhaltekelle, fragte sie, ob sie von dem Unfall gehört hätten und ob sie einige Minuten Zeit hätten, um über sicheres Radfahren auf dem Deich zu sprechen.

Viele lehnten dankend ab, wollten schnell weiter. Andere kamen mit Jensens Kollegen ins Gespräch, die einige Meter weiter auf dem Feuerwehrgelände warteten. „,Kopf hoch’ lautet die Devise“, sagt Cecile Poirot, in der Verkehrsdirektion der Polizei für Unfallprävention zuständig. Ihr Tipp: „Den eigenen Namen in den Fahrradhelm schreiben oder einen Zettel mit einer Telefonnummer für den Notfall in der Tasche tragen.“ Dann kann die Polizei die Identität der Verletzten in jedem Fall ermitteln. Ihre Kollegin Nicole de Vries, Polizeiposten Kirchwerder/Zollenspieker, weiß, dass viele Schnellfahrer werktags auf dem Deich unterwegs sind, „weil denen am Wochenende hier zu viel Verkehr ist“. Und genau an diese richte sich die Info-Aktion. In den kommenden Wochen will die Polizei weitere Aufklärungsaktionen für Rennradfahrer starten.

24 Unfälle in drei Jahren – Tendenz steigend

In den vergangenen drei Jahren gab es auf dem Hauptdeich 24 Unfälle, an denen Radfahrer beteiligt waren – Tendenz steigend. Die Hälfte von ihnen wurde schwer verletzt. Tote gab es nicht. Meist fuhren die Sportler gegen geparkte Autos.

Christian Hamburg (47) kann sich die Ursache für die vielen Unfälle nicht erklären. Der Altengammer ist seit früher Kindheit passionierter Radsportler. Ihn wundert, dass die Unfälle häufig an Streckenabschnitten passieren, die gut einsehbar sind. „Radsportler müssten dort schon von Weitem geparkte Wagen am Straßenrand sehen“, sagt er.

Denn dass Radsportler permanent mit dem Kopf nach unten fahren und nicht mitbekommen, dass sie sich einem Hindernis nähern, sei ein Irrglaube: „Das macht kein Mensch“, ist Christian Hamburg überzeugt. Nicht mal um besonders schnell fahren zu wollen ergebe das Sinn, schließlich seien die Fahrradhelme so geformt, dass sie viel mehr bremsen würden, wenn der Kopf nach unten geneigt anstatt nach vorne gerichtet ist, so Hamburg.

Zu entspannt auf geraden Strecken

Er könne sich die Unfälle nur so erklären, dass die Radsportler in dem Moment aufgrund der geraden Strecken eventuell zu entspannt sind und unaufmerksam werden. Oder dass sie sich verschätzen, eventuell einem entgegenkommenden Wagen ausweichen wollen.

Um mehr über die Gründe für die häufigen Auffahrunfälle zu erfahren, müssten die verunglückten Radfahrer ausgiebig befragt werden, meint Hamburg. Das Problem: Meist können sie sich aufgrund einer Gerhinerschütterung oder anderer Verletzungen nicht mehr daran erinnern, wie es zu dem Unfall kam.