Gärtner-Lehre

Berufsausbildung mit etwas mehr Hilfe

Leon Buschmann (20) bei der Arbeit mit der Motorheckenschere. Der Hummelsbütteler ist im dritten Lehrjahr.

Leon Buschmann (20) bei der Arbeit mit der Motorheckenschere. Der Hummelsbütteler ist im dritten Lehrjahr.

Foto: Thomas Heyen

20 junge Menschen werden in der Gärtnerei der „autonomen jugendwerkstätten“ derzeit ausgebildet.

Neuengamme. 20 junge Menschen – 17 Männer und drei Frauen im Alter von 17 bis 23 Jahren – werden auf dem Gelände der autonomen jugendwerkstätten (ajw) in Neuengamme zu Gärtnern ausgebildet. Für den Start der neuen Ausbildungsrunde am Montag, 7. September, hat die Schulbehörde, die das Projekt finanziert, acht Plätze genehmigt.

In den autonomen jugendwerkstätten werden Jugendliche und junge Erwachsene bis 24 Jahre mit und ohne Hauptschulabschluss ausgebildet. Sie finden woanders keine oder nur mit großen Schwierigkeiten eine Lehrstelle.

Nur eine Ausnahme

Pro Lehrjahr starten durchschnittlich sieben angehende Gärtner mit der Ausbildung, berichtet Sozialarbeiterin Ulrike Habermann. In der ajw-Gärtnerei in Neuengamme mit ihrem weitläufigen Gelände, auf dem vier Gewächshäuser stehen, lernen die meisten Auszubildenden drei Jahre lang den Beruf des Garten- und Landschaftsbauers. Derzeit gibt es nur eine Ausnahme: Eine junge Frau wird zur Staudengärtnerin ausgebildet.

Der Verein autonome jugendwerkstätten betreibt weitere Ausbildungsbetriebe in Hamburg, darunter eine Elektrowerkstatt an der Kurt-A.-Körber-Chaussee 73, eine Tischlerei in Eidelstedt und eine Kfz-Werkstatt in Lokstedt. „Die anderen Werkstätten haben an Tagen der offenen Tür im Februar auf ihre Angebote hingewiesen“, sagt Ulrike Habermann. „Wir wollten das im März tun, aber Corona hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.“

Tag der offenen Tür

Der Tag der offenen Tür am Neuengammer Hausdeich 297 soll am Donnerstag, 13. August, 10 bis 15 Uhr nachgeholt werden. „In den vergangenen Jahren haben wir jeweils 40 bis 50 Besucher begrüßt“, sagt Ulrike Habermann. Wer sich an dem Tag über die Ausbildung zum Gärtner informieren möchte, der meldet sich telefonisch (040/723 20 80) oder per E-Mail (gaertnerei@ajw-hamburg.de) an. Bisher gibt es erst eine Anmeldung. „Das liegt vermutlich an Corona, denn sonst sind es um diese Zeit mehr“, sagt Ulrike Habermann. Neben der Ausbildung werden auch mehrmonatige Praktika zur Ar-beits- und Berufsorientierung angeboten. „Derzeit machen zwei junge Männer hier so ein Praktikum“, sagt Ausbilderin Insa Harms. „Bei rund 80 Prozent der Praktikanten folgt im Anschluss die dreijährige Ausbildung.“ Wer mit der Lehre bei den ajw beginnt, der hat ein sogenanntes Kompetenzfeststellungsverfahren hinter sich. Vier Tage lang müssen die Bewerber harken, pflastern, vermessen, Rasen mähen und auch in der theoretischen Fachkunde bestehen.

Jedes Jahr muss der Verein darum bangen, dass womöglich keine neuen Ausbildungsplätze finanziert werden. Zu Beginn der 2010er-Jahre war dies in zwei Jahren in Folge der Fall. „Hätte die Behörde auch ein drittes Jahr keine Mittel bereitgestellt, wären wir weg gewesen“, sagt Insa Harms (60). Die Gärtnerin und Diplom-Ingenieurin arbeitet seit 32 Jahren als Ausbilderin in Neuengamme, wo 1986 der erste Jahrgang am Start war.

70 Prozent bekommen einen Job

„Deutlich mehr als die Hälfte der Azubis beendet Jahr für Jahr die Ausbildung“, sagt Insa Harms. Etwa jeder vierte Azubi wechselt im Laufe seiner Lehre vom Neuengammer Hausdeich in einen Wirtschaftsbetrieb, hat dann nach Abschluss der Ausbildung bessere Übernahmechancen. „Von allen, die ihre Ausbildung beenden, bekommen etwa 70 Prozent einen Job“, sagt Ausbilder Danny Schiwon.