„Ärzte für Madagaskar“

Zwei Neuengammer auf technischer Hilfsmission in Madagaskar

Tom Zündel (51, 3. von links) und Thomas Dahm (60, 3. von rechts) mit den Fahrern von „Ärzte für Madagaskar“ (Doctors for Madagascar), die von den beiden Vierländern in der Wartung und Pflege der Fahrzeuge sowie im schonenden Umgang im Gelände geschult wurden.

Tom Zündel (51, 3. von links) und Thomas Dahm (60, 3. von rechts) mit den Fahrern von „Ärzte für Madagaskar“ (Doctors for Madagascar), die von den beiden Vierländern in der Wartung und Pflege der Fahrzeuge sowie im schonenden Umgang im Gelände geschult wurden.

Foto: Tom Zündel

Thomas Dahm und Tom Zündel schulen Fahrer des Vereins „Ärzte für Madagaskar. Sie verbindet die Leidenschaft für hochmotorisierte Autos.

Neuengamme/Madagaskar. An die 9000 Kilometer Luftlinie und unzählige Flugstunden liegen zwischen den Vierlanden und Madagaskar. Diese weite Reise auf den Inselstaat vor der afrikanischen Küste nahmen im Januar zwei Neuengammer auf sich: Thomas Dahm und Tom Zündel hatten dort eine technische Hilfsmission zu erfüllen.

Die „Ärzte für Madagaskar“ brauchten dringend ihre Hilfe. Der Verein hat in den vergangenen Jahren fünf Toyota LandCruiser angeschafft, um im Süden der Insel mobil zu sein.

Kalte Dusche am Morgen kommt aus dem Kanister

Doch die Fahrzeuge erzeugen beim Fachhändler auf der Insel immer wieder hohe Reparaturkosten. Zu viel für den Verein, der daraufhin Hilfe in Deutschland suchte. Genauer in den Vierlanden. Denn dort hatte Thomas Dahm vor vielen Jahren den Deutschen LandCruiser Club (DLC) gegründet. Lange war der Tischlermeister von der Feldstegel Vorsitzender des Clubs und ist bis heute engagiert.

Der 60-Jährige begutachtete die Reparatur-Rechnungen und kam zu dem Schluss, dass die Fahrer dringend eine Schulung im Umgang mit den Fahrzeugen, aber auch zum Fahren im Gelände benötigen würden. Die können theoretisch direkt bei Toyota gebucht werden, sind aber für den Verein zu teuer. Also bot Thomas Dahm an, die Schulung selbst zu übernehmen. Und fand in Tom Zündel einen geeigneten Mitstreiter.

Die beiden Vierländer verbindet schon seit Jahrzehnten die Leidenschaft für hochmotorisierte Gefährte, beide sind auch im Deutschen LandRover Club (DLRC) aktiv. „Zwischen uns stimmt einfach die Chemie und wir wussten, dass wir auch in Madagaskar klarkommen“, sagt Werbekaufmann Tom Zündel (51).

Von der Reise nur positive Erinnerungen mitgenommen

Sie sollten recht behalten. Auch wenn kalt aus Kanistern geduscht werden musste und die Nächte stets recht kurz waren: „Wenn die Sonne gegen 5 Uhr aufgeht, machen alle Tiere so einen Krach, dass man aufwachen muss“, erinnert sich Tom Zündel. Trotzdem hat der 51-Jährige von der Reise nur positive Eindrücke mitgenommen: „Es ist ein tolles Land, eine wunderschöne Landschaft und supernette Menschen. Ein ganz ursprüngliches Afrika, wie man es auf dem Kontinent fast kaum noch findet.“

Gut zwei Wochen lang hielten sich die beiden Neuengammer vornehmlich in Ejeda auf, einer Gemeinde im Süden der Insel. Der Verein „Ärzte für Madagaskar“ verfolgt dort vornehmlich drei Ziele: Überwachung der Schwangerschaften und Senkung der Geburtensterblichkeit durch Medikamente und kostenlose Ultraschalluntersuchung, Suche von Tuberkuloseinfizierten und Verteilung von Medikamenten. Und die Einführung einer App, mit der Geld angespart und gegebenenfalls ein Krankenhausaufenthalt bezahlt werden kann. Viele Madagassen besitzen zwar ein Smartphone, haben aber kein Bankkonto.

Mit der Hebamme über eine Schlammpiste in ein entlegenes Dorf

Die beiden Vierländer schulten die Fahrer des Vereins in der Wartung und Pflege der Fahrzeuge, sodass die LandCruiser nun nicht mehr für einfache Arbeiten wie Luftfilter auswaschen und Schmierpunkte abschmieren zu Toyota müssen. Außerdem zeigten sie den Männern, wie die Fahrzeuge schonend durch das Gelände bewegt werden, sodass Reifen, Bremsen und Kreuzgelenke länger halten. „Es läuft gut. Man müsste den Jungs nur das Handy wegnehmen“, notierte Tom Zündel in seinem Tagebuch nach einer Theoriestunde.

Als sie eines Tages die Nachricht erreichte, dass sich in der Nähe ein LandCruiser festgefahren hatte, habe es die Madagassen schon gewundert, dass sich die beiden Vierländer riesig darüber freuten. „Besser hättet es ja gar nicht kommen können um den Fahrern zu zeigen, wie man das Fahrzeug wieder freibekommt“, erinnert sich Tom Zündel.

Männer würden erneut auf eine Hilfsmission starten

Ganz besonders wird ihm danach die Fahrt nach Ampitanaka in Erinnerung bleiben, ein sehr entlegenes Dorf, in das nur eine extrem schlammige Piste führt. 35 schwangere Frauen warteten dort auf eine medizinische Behandlung. „Mit der Hebamme, der Krankenschwester und dem Ultraschallgerät an Bord bin

ich das erste Mal in meinem Leben aus sinnvollen Gründen offroad gefahren“, sagt Tom Zündel, Spezialist für die geländegängige Enduro Yamaha XT 500, mit der er im Sommer 2019 die gesamten USA von Ost nach West durchquert hat – größtenteils offroad.

Die technische Hilfsmission hat bei den beiden Vierländern Spuren hinterlassen: „Wir sind in der Planung, einen Verein für die Unterstützung der staatlichen Schule in Ejada zu gründen. Die brauchen dringend Hilfe“, sagt Tom Zündel. Und auch auf eine Hilfsmission würden die beiden Männer wieder starten. Die „Ärzte für Madagaskar“ hätten bereits angefragt. „Und wenn andere Hilfsorganisationen fragen, würden wir das auch machen“, sagt Tom Zündel.