Forum Tideelbe

Bergedorf: Breiter Protest auf der Dove-Elbe

Foto: Thomas Heyen

Beeindruckende Aktion: Dutzende Boote begleiten Politiker, die an Bord der „Serrahn Queen“ über den Fluss-Seitenarm schippern.

Bergedorf. Den Organisatoren der „Pressefahrt“ am Donnerstagabend standen Tränen in den Augen, so ergriffen waren sie vom Anblick der vielen Boote, die sich dem Fahrgastschiff „Serrahn Queen“ auf dem Weg vom Bergedorfer Serrahn zur Tatenberger Bucht angeschlossen hatten. Dutzende kleiner und großer Boote – vom Kajak bis zur Motorjacht – schwammen im Kielwasser und ließen ihre Signalhörner hören. Sie machten ihrem Ärger über einen möglichen Anschluss der Dove-Elbe an die Stromelbe Luft.

An Bord der „Serrahn Queen“ hielten sich zahlreiche Politiker auf, die etwa Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft, der Bergedorfer Bezirksversammlung und/oder diverser Fachausschüsse sind, darunter Schulsenator Ties Rabe (SPD), Jennifer Jasberg, Fraktionschefin der Grünen in der Hamburgischen Bürgerschaft sowie Dennis Gladiator (CDU) und Stephan Jersch (Die Linke), Mitglieder der Bürgerschaft aus Bergedorf. Die gut dreistündige Tour genossen sie bei schönem Wetter auf dem Oberdeck, wo diverse Mitglieder der Bürgerinitiative „Dove-Elbe-retten“ ihre Kritik an der Machbarkeitsstudie des Forums Tideelbe verdeutlichten.

Die Skepsis wächst

Das Forum Tideelbe betrachtet das Szenario einer Tideanbindung der Dove-Elbe an die Stromelbe, um das Tidevolumen zu erhöhen: Höhere Wassermengen und größere Rückstau- und Fluträume sollen der Verschlickung des Hamburger Hafens entgegenwirken.

Ties Rabe ergriff als einziger der Politiker das Mikrofon: „Wir stellen fest, dass die Skepsis gegenüber der Machbarkeitsstudie auf allen Seiten wächst. Der hydrologische Effekt ist gering und der bauliche Aufwand groß.“ Die Kritik werde gehört und sei inzwischen selbst auf der Seite des Forums Tideelbe nachzulesen. Rabe erinnerte daran, dass auch der grüne Umweltsenator die Maßnahme skeptisch sehe. Rabe selbst habe „als Bergedorfer Politiker“ bereits geäußert, dass er nicht glaube, dass es zu einer Öffnung der Dove-Elbe kommen wird. „Das sollte ihnen Mut machen.“

Politik werde „sich nicht wegducken“

Die Politik werde die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie abwarten, die bis Oktober vorliegen sollen, und „sich nicht wegducken“, betonte der Senator. Er empfahl den Aktivisten zugleich, „sich nicht ausschließlich mit der Politik in Verbindung zu setzen“: Schließlich seien im Forum Tideelbe auch Naturschutzverbände und viele weitere Institutionen vertreten.

Jennifer Jasberg befand, dass die Politik derzeit noch nichts zu entscheiden habe: „Erst einmal müssen die Ergebnisse vorgestellt werden, dann spricht der Lenkungskreis des Forums eine Empfehlung aus.“ Diesem Gremium vorzugreifen wäre „vermessen“. Die Grünen-Chefin halte „die Kernidee“, sich Gedanken um die Stromelbe zu machen, für „bestechend gut“: Schließlich hätten die massiven Eingriffe in den Verlauf des Flusses deutliche ökologische und finanzielle Folgen. „Wir beuten die Elbe wirtschaftlich aus, dadurch erhöht sich die Geschwindigkeit ihres Stroms, gibt es einen höheren Tidenhub.“ Deshalb sei es mehr als angebracht, sich grundsätzlich Gedanken zu möglichen Problemlösungen zu machen.

Bergedorf-Koalition will Antrag stellen

Die Bergedorfer Koalitionsfraktionen – FDP, SPD und Grüne – sprechen sich bereits jetzt deutlich gegen die Umsetzung der Maßnahme aus, sagt Sonja Jacobsen, FDP-Fraktionschefin in der Bezirksversammlung. Die Bergedorf-Koalition werde im August den Antrag stellen, die Planungen zu beenden.

Heute, Sonnabend, wollen die Freizeitkapitäne erneut Flagge zeigen: Sie versammeln sich bis um 12.30 Uhr an den Norderelbbrücken zu einer „Bootsdemo“, starten um 3.30 Uhr in Richtung Landungsbrücken. Auf diesem Wege sollen die Menschen in der Innenstadt „über dieses irrsinnige Vorhaben“ (Bürgerinitiative) informiert werden. Teilnehmer werden um Anmeldung per SMS gebeten unter Telefon: 0178/ 238 34 47.