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Das Wohl der Rindviecher liegt Jakob sehr am Herzen

Jakob Wörmbke (21) in einem der beiden großen Rinderställe am Curslacker Deich 248. Dort kümmert er sich täglich um die Tiere.Foto: Heyen

Jakob Wörmbke (21) in einem der beiden großen Rinderställe am Curslacker Deich 248. Dort kümmert er sich täglich um die Tiere.Foto: Heyen

Foto: Thomas Heyen

Der 21-Jährige möchte einmal den Bauernhof seiner Eltern übernehmen. Dafür lässt er sich zum Agrarbetriebswirt ausbilden. Wichtig ist ihm Spaß.

Curslack. Jakob Wörmbke hat Freude an seiner Arbeit als Landwirt. Das ist ihm besonders wichtig: „Ich möchte Dinge tun, an denen ich Gefallen finde“, sagt der 21-Jährige. Entsprechend laute sein Lebensmotto „Hauptsache Spaß“. Der Vierländer packt auf dem Rinderhof seiner Eltern am Curslacker Deich 248 mit an.

Seine dreijährige Lehre zum staatlich anerkannten Landwirt hat der junge Mann mit Realschulabschluss längst beendet: In drei Betrieben hat er gearbeitet: zu Hause, nahe Rendsburg und nahe Mölln. Nun setzt er noch einen drauf und lässt sich zum staatlich anerkannten Agrarbetriebswirt ausbilden. „Da geht es darum, wie ein Hof geführt wird“, sagt Wörmbke, der einmal den Hof seiner Eltern übernehmen möchte. Denn sein Bruder Johann (18) hat beruflich einen anderen Weg eingeschlagen. Er wird zum Zimmermann ausgebildet.

Jeden Werktag 140 Kilometer

Im Berufsbildungszentrum Bad Segeberg lernt Jakob Wörmbke kaufmännisches und unternehmerisches Denken. Mit seinem Passat fährt er jeden Werktag eine Dreiviertelstunde hin und eine Dreiviertelstunde zurück – insgesamt 140 Kilometer.

Eigentlich wollte Jakob Wörmbke „etwas in Richtung Architekt oder Ingenieur“ machen, „aber ich war in Mathe nicht gut genug“. Seine Eltern hätten ihm nicht reingeredet, betont er. „Aber die finden das natürlich gut, dass ich in ihre Fußstapfen treten.“ Ihnen sei aber wichtig, dass er Landwirt aus Überzeugung ist und nicht aus Zwang. „Weil das dann nichts wird“, sagt der Junior. Die Eltern haben Glück. „Bisher habe ich meine Entscheidung keine Sekunde bereut.“

Dabei sind die Arbeitszeiten in der Landwirtschaft „nicht ohne“, sagt Wörmbke. „Im Sommerhalbjahr ist man schnell bei 60 Stunden in der Woche.“ Denn in dem Mastbetrieb sind 525 Rinder zu versorgen. Sie werden aufgezogen, verkauft, geschlachtet und verzehrt. Wörmbke, der auch Lieblingstiere hat, kommt damit gut klar. „Das sind Nutztiere, keine Haustiere.“ Sie würden auf dem Hof gut behandelt.

Respektvoller Umgang mit Tieren

„Der respektvolle Umgang mit ihnen ist wichtig. Sie sollen es gut haben, so lange sie leben.“ Das ist nicht lange: Ein knappes Jahr, die erste Lebenshälfte, verbringen die Jungbullen auf der Weide, danach leben sie im Stall. Sie werden geschlachtet, bevor sie zwei Jahre alt sind, „sonst würden sie nicht mehr als Jungtiere gelten“.

Der Junior gönnt sich nach der Berufsschule und nach dem Mittagessen eine Pause, in der er auf dem Sofa chillt – „Handycheck“, also mit den Freunden in den sozialen Medien kommunizieren. Dann schlüpft er in die Arbeitsklamotten. Arbeit gibt es genug: ausmisten und füttern im Kuhstall, säen und ernten auf dem Feld.

Schon als 16-Jähriger machte Wörmbke den großen Treckerführerschein (T), fuhr die schweren Fahrzeuge bereits in der Ausbildung. „Das macht auch jetzt einen Großteil der Arbeit aus.“ Sein Liebling ist ein 240 PS starker Fendt 724, mit dem er etwa die Heu- und Strohballen vom Feld holt. „Der steht am sichersten und hat den größten Frontlader.“ Aus dem Ballensammeln wird bei ihm ein Spiel: „Ich sehe zu, dass ich für 18 Riesenballen immer weniger Zeit benötige. Derzeit schaffe ich es in zehn Minuten.“ Bei Sonnenuntergang sei die Feldarbeit am schönsten. „Manchmal ist meine Freundin auf dem Beifahrersitz dabei“, sagt Wörmbke.

340 Hektar Pachtflächen

Die Familie und ihre bis zu vier Mitarbeiter bewirtschaften insgesamt 340 Hektar Pachtflächen – Grünland und Mais (Futter) und Getreide (für den Verkauf). Alles wird mehrmals im Jahr gemäht.

Der 21-Jährige, der auf dem Hof Wörmbke in vierter Generation arbeitet, sieht sich als moderner Landwirt: „Meine Arbeit hat mit dem verstaubten Bild eines Bauern nicht viel zu tun. Sie ist komplex und hochtechnisch.“ So würden etwa die Trecker GPS-unterstützt, seien viele Arbeitsgeräte an Computer angeschlossen.

Dass der Bauernhof der Familie Wörmbke seit Kurzem von überall in der Welt aus besucht werden kann, ist dem Junior zu verdanken. Er gestaltet den neuen Internetauftritt (www.hof-woermbke.de), postet schon seit gut drei Jahren eifrig aktuelle Infos und Fotos bei Facebook und Instagram.

„Es geht auch darum, im Dorf Transparenz zu zeigen“, sagt Jakob Wörmbke. So könne etwa angekündigt werden, dass in der Erntezeit auch spät am Abend verstärkt Trecker unterwegs seien. „Wenn die Leute Bescheid wissen, haben sie meist auch Verständnis.“Die Gestaltung des Internetauftritts sei „eine Art Hobby“.

Kaum Zeit für Fußball und Feuerwehr

Seine anderen Leidenschaften müssen derzeit zurückstecken: „Ich spiele Fußball beim SV Altengamme, in der vierten Mannschaft. Mir fehlt aber leider die Zeit, um regelmäßig beim Training zu sein.“ Der 21-Jährige ist auch Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Curslack, befindet sich schon seit längerem in der Grundausbildung. „Durch meine Berufsausbildung und auch durch Corona zieht sie sich aber in die Länge.“

Mit seiner Freundin, einer Kauffrau aus Norderstedt, mit der Wörmbke seit gut sechs Monaten zusammen ist, geht er gern an der Elbe spazieren. „Wir fahren auch gern Rad.“

Seiner Freundin gefalle seine Heimat: „Sie hält sich gern in Vierlanden auf“, sagt Jakob Wörmbke, der im Bergedorfer Bethesda-Krankenhaus geboren worden ist und fügt lächelnd hinzu: „Aber wer tut das nicht?“