Gemüseanbau

Jan Schild aus Ochsenwerder lebt weitgehend autark

Jan Schild (54) aus Ochsenwerder in seinem großen Gemüsegarten auf der Südseite seiner Wohnung.

Jan Schild (54) aus Ochsenwerder in seinem großen Gemüsegarten auf der Südseite seiner Wohnung.

Foto: Thomas Heyen

Jan Schild (54) aus Ochsenwerder möchte so autark wie möglich leben. Deswegen baut er Obst und Gemüse an, hat kein Auto und kein Handy.

Ochsenwerder. Kein Handy, kein Auto und möglichst viel Gemüse aus dem eigenen Garten: Jan Schild versucht, so gut es geht unabhängig zu leben. Der 54-Jährige wohnt seit 22 Jahren am Ochsenwerder Norderdeich, startet von dort aus mit dem Fahrrad zu seinen Terminen. „Ich möchte so autark wie möglich leben“, sagt Schild. Der gelernte Gas- und Wasserinstallateur ist selbstständig, betreibt eine Ein-Mann-Firma. „Ich baue Baderäume – Badezimmer zum Wohlfühlen, möglichst individuell gestaltet.“

Jan Schild baut Bäder in ganz Hamburg und Umgebung. „Ich bin dann mit dem Rad, Bus und Bahn unterwegs.“ Wenn Werkzeug und Arbeitsgeräte transportiert werden müssen, bittet er einen Kumpel, ihn und seine Arbeitsmaterialien mit dem Auto zu kutschieren. „Dafür lade ich ihn dann zum Essen ein.“

Arbeit wird sorgfältig disponiert

Stammkunden bringe er häufiger Obst und Gemüse aus seinem großen Garten mit. „Aber natürlich stößt es manchmal sauer auf, dass ich telefonisch nicht mobil erreichbar bin.“ Doch die Nachteile, etwa zeitlicher Mehraufwand, nehme er in Kauf. „Die Arbeit muss halt entsprechend sorgfältig disponiert werden.“ Ansonsten habe er einen Festnetzanschluss mit Anrufbeantworter. Schild empfindet Handybesitzer oft als „Geißel ihrer selbst“.

Die permanente Erreichbarkeit behage ihm nicht. „Das können viele, mit denen ich über das Thema spreche, auch gut nachvollziehen.“ Vor ein paar Tagen habe er eine Radfahrerin beobachtet, die ein Kind auf dem Gepäckträger hatte und während der Fahrt etwas in ihr Handy tippte. „Das ist doch Wahnsinn.“

Schild fiel durch die Führerscheinprüfung

Sein Leben ohne Automobil war eigentlich nicht geplant: Schild fiel als junger Mann durch die Führerscheinprüfung, wollte sie nicht wiederholen. „Heute bin ich froh darüber.“ Wenn er an einem Autostau vorbei fahre, denke er sich: „Alles richtig gemacht.“ Neben dem Umweltaspekt nutze der Drahtesel seiner Gesundheit: „Radfahren ist mein tägliches Workout“. In gut 20 Minuten sei er am S-Bahnhof Mittlerer Landweg.

Regen mache ihm nichts aus: „Das ist alles eine Frage der richtigen Kleidung und des inneren Schweinehunds.“ Außerdem spare er jede Menge Geld: „Autokauf, Reparaturen, Versicherung, Sprit – das ist eine Riesenblase, die will ich nicht füttern müssen.“ Vielmehr wolle der 54-Jährige seinen „Apparat so klein wie möglich halten“. Dies scheint ihm auch zu gelingen: „Ich muss als Handwerker im Monat nur so viel arbeiten, wie es andere in ein, zwei Wochen tun.“ Dafür werde er von anderen beneidet. Ein Freund von ihm sei als Tischler „gut im Geschäft, aber nur am rotieren“. Der Tischler, der vier Mitarbeiter beschäftigt, bewege sich „im Schweinsgalopp“.

Afrika-Feeling auf der Gose-Elbe

Schild verzichtet auf teure Reisen. „Früher war ich viel im Ausland unterwegs, aber auch mein Umweltbewusstsein hat sich verändert.“ Er habe es in Ochsenwerder sehr schön: „Ich habe ein Kanu, bin in zehn Minuten damit auf der Gose-Elbe und fühle mich dann, als sei ich in Afrika.“ Dann verbringe er den Tag auf seinem Boot, „mit Angelruten und Picknickkorb“. Ansonsten gehöre der Sommer seinem Garten.

Auf rund 70 Quadratmetern plus 50 Quadratmetern Folientunnel, den er „für ein paar Kisten Bier“ nutzen kann, baut der Handwerker jede Menge Obst und Gemüse an – Tomaten, Melonen, Chili, Gurken, Auberginen, Paprika, Bohnen, Beeren, Weintrauben und sogar Pfirsiche. „Da wächst viel mehr als ich selbst benötige.“ Vieles wird eingekocht, zu Marmelade, Saft oder Suppe verarbeitet, anderes getauscht oder verschenkt.

Lebensmittel aus Andalusien

Bei seinem Nachbarn, einem Gemüsehändler, könne er sich im Kühlraum bedienen. „Meine Käufe trage ich in eine Liste ein.“ Bei den „Tomatenrettern“ in Reitbrook engagiert der Marschländer sich für samenfeste, alte Sorten und Saatgutsouveränität. Von einer Solidarischen Landwirtschaft in Andalusien beziehe er im Winter Orangen, Olivenöl und mehr. „Die Lebensmittel werden in großen Mengen an drei Terminen hergeflogen und an die Mitglieder verteilt.“

Jan Schild fahre aber auch gern mal Auto – auf dem Beifahrersitz oder der Rückbank. „Dann geht’s mit Freunden an die Ostsee.“ Natürlich denke er daran, sich an den Spritkosten zu beteiligen. Und auch Supermärkte seien ihm nicht fremd: „Schließlich wachsen in meinem Garten leider keine Schokoriegel.“