Internationales Workcamp

Digitale Spuren des Neuengammer Konzentrationslagers

Die Gedenkstättenpädagogin Ulrike Jensen ist für die sogenannte Jugendbildung zuständig, darunter fallen auch die Workcamps.

Die Gedenkstättenpädagogin Ulrike Jensen ist für die sogenannte Jugendbildung zuständig, darunter fallen auch die Workcamps.

Foto: Thomas Heyen

Im Sommer kommen Teilnehmer aus der ganzen Welt in der KZ--Gedenkstätte Neuengamme zusammen. In diesem Jahr allerdings nur online.

Neuengamme. Das internationale Workcamp, zu dem sich seit 1982 jährlich junge Menschen aus aller Welt in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme treffen, wird im Corona-Jahr ganz anders als sonst sein. In diesem Sommer treffen sich die Teilnehmer nicht am Jean-Dolidier-Weg. Sie bleiben zu Hause. Unter dem Titel „What remains? Digital traces of the Neuengamme Concentration Camp“ (Was bleibt? Digitale Spuren des Neuengammer Konzentrationslagers) gibt es zwischen dem 5. und 19. August an sechs Tagen ein digitales Camp. Nun können sich Interessierte anmelden.

Bis zu 20 Teilnehmer und zwei Teamer treffen sich im Internet

Die Teilnehmer aus verschiedenen Ländern werden in Kleingruppen abreiten, übers Internet miteinander sprechen und sich dort dank ausgefeilter Technik auch sehen können. Über die Funktion „Bildschirm teilen“ können Dokumente und Filme, die ein Teilnehmer bereitstellt, von den anderen Akteuren angeklickt werden. Betreut werden die bis zu 20 Teilnehmer von Melani Klaric und Martin Reiter, zwei Teamern, die ebenfalls vom heimischen Computer aus arbeiten.

„In den ersten Workcamps wurde noch sehr pragmatisch gearbeitet, etwa Rundwege angelegt und eine Tongrube rekonstruiert“, sagt Ulrike Jensen. Die Gedenkstättenpädagogin ist für die sogenannte Jugendbildung zuständig, darunter fallen auch die Workcamps. „Das Gelände war anfangs ja kaum erschlossen.“ Es habe sich um eine Gedenkstätte gehandelt, die von bis zu zwei Gefängnissen umgeben war und „den Namen nicht verdiente“. Immer sei es aber auch darum gegangen, den Camp-Bewohnern die Geschichte des Konzentrationslagers näher zu bringen.

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Teilnehmer sollen auch in ihrer Heimatstadt Mahnmale suchen

Am 5., 10./11., 14./15. und 19. August kommunizieren die Camp-Teilnehmer täglich etwa sieben Stunden miteinander. „Zwischendurch kümmern sie sich um Aufträge“, sagt Ulrike Jensen. So sollen sie etwa den Lieblingsort in ihrer Heimatstadt vorstellen und dort auf die Suche nach Mahnmalen gehen, die an den Zweiten Weltkrieg erinnern. Dann begeben sie sich auf die digitalen Spuren des Neuengammer Lagers: Die jungen Menschen forschen im weltweiten Netz nach Informationen über das Konzentrationslager, schauen, was die Besucher berichten und was in den Wikipedia-Einträgen in den verschie­denen Ländern über das Lager berichtet wird.

Wie immer wird auch diesmal mit dem Service Civil International (SCI), einer internationalen Austausch-Organisation, zusammengearbeitet. „Sie kümmert sich normalerweise um die Visa für die Teilnehmer, die Organisation von deren Reisen“, sagt Ulrike Jensen. Im Corona-Sommer helfe der SCI bei der Ausschreibung des Camps. Auch auf der Internetseite der Gedenkstätte (www.kz-gedenkstaette-neuengamme.de), in Newslettern und in sozialen Medien wird auf das Digital-Camp hingewiesen.

Anmeldungen sind noch bis Ende Juli möglich

Wer bei dem digitalen Camp mitmachen möchte, der kann sich bis Monatsende im Internet anmelden: workcamps.sci.ngo/icamps. Die Teilnehmer müssen mindestens 16 Jahre alt sein, die englische Sprache beherrschen und über stabiles Internet verfügen. Kosten entstehen ihnen keine. Die Gedenkstätte finanziert die Teamer und die weiteren Ausgaben. Die ersten 20 Bewerber bekommen den Zuschlag.