Spontanität

Neuengamme: Jugendcamp bringt Farbe in den Corona-Sommer

Die Teamer Andre Hähnel (links) und Fooke Spinger (rechts) bauen einen Hochsitz, der von Diakon Martin Tonne (hinten) sowie Amelie und Linus gleich mal getestet – und für richtig gut befunden wird.

Die Teamer Andre Hähnel (links) und Fooke Spinger (rechts) bauen einen Hochsitz, der von Diakon Martin Tonne (hinten) sowie Amelie und Linus gleich mal getestet – und für richtig gut befunden wird.

Foto: Lena Diekmann / BGZ/Diekmann

Die Gemeinde St. Johannis in Neuengamme stellt ein Programm für insgesamt 30 Kinder auf die Beine. Highlight: Eine Kreativwerkstatt.

Neuengamme. Ein Sommer ohne Zeltlager, Kanufreizeit und Historisches Spiel – in der Gemeinde St. Johannis eigentlich undenkbar. Schließlich hat das Zeltlager seit fast 70 Jahren Tradition, zum Historischen Spiel verwandelt sich seit 1997 die Wiese hinter der Kita für eine Woche in den Sommerferien in eine Stadt aus längst vergangenen Zeiten. „Beides ist in all der Zeit noch nie ausgefallen“, sagt Diakon Martin Tonne. Doch im Corona-Sommer ist eben plötzlich alles anders. Und so musste auch der Diakon Ende März eine ihm schwer fallende Entscheidung treffen und das Zeltlager und dann auch das Historische Spiel absagen. Zu ungewiss war die Corona-Lage zu dem Zeitpunkt, als das sie ein weiteres Planen zugelassen hätte.

Doch als es Ende Mai mit der Änderung der Corona-Bestimmungen dann plötzlich wieder möglich wurde, ein Programm für Kinder und Jugendliche anbieten zu können, da fackelte Martin Tonne nicht lange: Teamer, die sonst die anderen Ferienangebote betreut hätten, wurden zusammengetrommelt, um mit viel Kreativität und Herzblut spontan doch noch zwei Jugendcamps auf die Beine zu stellen. Im Nu waren alle Teilnehmerplätze vergeben.

Jugendcamps in Neuengamme dauern eine Woche

In zwei einwöchigen Camps wird jeweils 15 Kindern im Alter von acht bis 13 Jahren auf der Wiese am Bootshaus jeden Tag Programm geboten: Ein Lagerfeuer flackert inmitten einer gemütlichen Sitzrunde, ein Insektenhotel aus Steinen, Draht und Stroh wurde ebenso gebaut wie ein Hochsitz aus Europaletten. Besonders beliebt: Die Kreativwerkstatt, die aufgrund der vielen bunten T-Shirts und gebastelten Klangspielen schon auf „Hippie-Zelt“ getauft wurde. Besonders das Batiken hat es den jungen Teilnehmern dort angetan. Die Zwillinge Nele und Jonna (9) waren ganz fleißig: „Wir haben schon Halstücher für uns gemacht. Und jetzt sollen unsere Kuscheltiere welche bekommen“, erzählt Nele. Zur Anprobe sind die Bären „Eggy“, „Honny“ und „Goldschein“ und Hase „Sappy“ direkt mit ins Camp gekommen.

Nach den vielen Wochen ohne Schule und Freunde sei richtig zu spüren, wie sehr die Kinder sich über die Abwechslung im Camp freuen: „Man merkt ihnen total an, dass sie einfach Lust haben, was zu machen und zu erleben“, sagt Martin Tonne. Ob kreatives oder handwerkliches Basteln oder Spiele: „Egal was man ihnen vorschlägt, alle sind sofort dabei“, sagt Martin Tonne. Da jammere keiner über Langeweile, wolle der ein oder andere lieber noch um eine weitere Woche verlängern. Auch Amelie freut sich über die Abwechslung im Camp, denn der Familienurlaub fällt in diesen Sommerferien wegen Corona aus: Ich hatte mich auf Ferien in Österreich gefreut. Aber hier ist es auch richtig toll“, sagt die Neunjährige.

Team will Do-It-Yourself-Videos im Internet zeigen

Und auch auf das Historische Spiel soll in diesem Jahr nicht ganz und gar verzichtet werden: Das Team will kleine Videos drehen, in denen gezeigt wird, wie Ledertaschen genäht oder Seifen hergestellt werden. Die Videos sollen ab Ende Juli oder Anfang August auf der Internetseite der Gemeinde (www.kirche-neuengamme.de) abrufbar sein. Und das Thema, das eigentlich für diesen Sommer geplant war, soll 2021 nachgeholt werden. Dann sollen bunte Masken die Szenerie prägen, denn es geht auf in den Karneval.