Literatur

Lesefreunde sind Bücherbus auch während der Corona-Zeit treu

Ingrid Achilles (links), Leiterin der Hamburger Bücherbusse, und Susann Braun, Fahrerin, arbeiten derzeit unter erschwerten Bedingungen. Fotos: HeyeN

Ingrid Achilles (links), Leiterin der Hamburger Bücherbusse, und Susann Braun, Fahrerin, arbeiten derzeit unter erschwerten Bedingungen. Fotos: HeyeN

Foto: Thomas Heyen

Angebot in den Sommerferien um Gesellschaftsspiele erweitert. Viele Kunden nutzen Vorbestell-Service.

Bergedorf. Die Kunden des Hamburger Bücherbusses, der seit 1979 regelmäßig auch durch die Vier- und Marschlande rollt (siehe Infokasten oben rechts), kommen mit den Einschränkungen in der Corona-Krise gut klar, sagt Leiterin Ingrid Achilles. „Viele haben allerdings noch gar nicht mitbekommen, dass wir nach sechswöchiger Zwangspause bereits seit Ende April wieder unterwegs sind.“

Nach der Zwangspause galt gut fünf Wochen die Regelung, dass die Lesefreunde vor dem Bus am hinteren Türbereich warten mussten. Dort waren Kisten für die Rückgabe aufgestellt, reichte die Busbesatzung die gewünschten Medien raus. „Besonders für die Kinder ist es schöner, nun wieder hinein zu dürfen“, sagt die Leiterin. Schließlich wollen gerade die Junioren gucken, stöbern und blättern, bevor sie „zuschlagen“.

Nur allein oder mit Eltern in den Bus

Die Besucher dürfen nun nur allein beziehungsweise Kinder in Begleitung ihrer Kinder in den Bus. Das ist einerseits komfortabel, doch andererseits müssen die Mitarbeiterinnen drängeln, wenn draußen eine Warteschlange steht. Schließlich muss der Bus weiter, um seinen Zeitplan einzuhalten.

„Wir nutzen das Bücherbus-Angebot alle zwei Wochen, gehen entweder zu der Haltestelle am Kiebitzdeich/Neuengammer Marschbahndamm oder zu der an der Schule Kirchwerder“, sagt Ariane Strauß-Blobner (44) aus Neuengamme, die vor allem für Tochter Chiara (9) Hörspiel-CDs leiht. Beide Stopps seien nur einen kurzen Weg mit dem Auto entfernt. Stefanie Stenner (46), ebenfalls aus Neuengamme, ist zu Fuß gekommen. „Ich nutze ausschließlich die Ausleihangebote des Busses“, sagt sie. Für ihre zwölfjährige Tochter leiht sie heute „Wendy“-Magazine aus, in denen es um Mädchen und Pferde geht. „Außerdem muss ich ein Kinderbuch für sie verlängern.“ Die Medien können für vier Wochen geliehen und die Frist maximal zwei Mal verlängert werden.

Gesellschaftsspiele sehr gefragt

Gabriela Sarnow (60, Neuengamme) leiht sich gern „Krimis und historische Romane“. Sie lasse sich vieles empfehlen. Patrick Busch (35, Neuengamme) hat oft seine drei Kinder im Schlepptau (3, 5, 8), verlässt den Bus dann mit einem großen Stapel Bücher.

In den Ferien ist „etwas weniger los als sonst“, sagt Ingrid Achilles. Viele Kunden seien verreist. Die, die nicht unterwegs sind, finden nun auch Gesellschaftsspiele in großer Auswahl in den Bussen: „Die sind sehr gefragt“, sagt die Leiterin. Bisher habe es Spiele „nur vereinzelt“ im Bestand der rollenden Bücherhallen gegeben.

Viele Bücherfreunde würden den Bestandskatalog im Internet (www.buecherhallen.de) durchforsten und ihre Wünsche per E-Mail an buecherbusse@buecherhallen.de oder telefonisch an 040/77 29 22 durchgeben, bevor sie eine der Haltestellen der beiden Bücherbusse in Bergedorf und Harburg ansteuern, berichtet Ingrid Achilles.

Mindestens zwei Tage Vorlauf seien nötig, um die gewünschten Bücher, CDs, DVDs oder Spiele für den Kunden im Bus parat zu haben. Titel, die nicht im Grundbestand der Busse, aber im Gesamtbestand der Bücherhallen enthalten sind, können ebenfalls bestellt werden – für einen Aufpreis von 2 Euro.

2019 entliehen 42.254 Bergedorfer 67.731 Medien in dem blauen Bücherbus.