Investition für Schulen

Allermöhe: Das Projekt Bootshaus kommt in Schwung

Walter Römmer organisiert den Ausbau des Schulbootshauses der Bergedorfer Schulen.

Walter Römmer organisiert den Ausbau des Schulbootshauses der Bergedorfer Schulen.

Foto: Thomas Heyen

Das Zentrum für Schul-Rudern am Kurfürstendeich in Allermöhe soll ausgebaut werden. 1,5 Millionen Euro liegen dafür bereit.

Allermöhe. Das Gelände hinter dem früheren Ortsamt am Kurfürstendeich dient Bergedorfer Schulen schon seit 1968 als Zentrum für die Ruderausbildung im Bezirk. Der ehemalige Sportlehrer Walter Römmer (72) unterrichtete dort seit Anfang der 80er-Jahre Schüler der Gesamtschule Bergedorf (GSB), übernahm 1995 die Federführung bei der Betreuung des Schulbootshauses. Seit 14 Jahren bemüht er sich um einen Ausbau des Geländes, damit weitere Schüler dort aktiv sein können – seit seiner Pensionierung 2013 ehrenamtlich, autorisiert von der Stadtteilschule Bergedorf (ehemals GSB) und Schulbau Hamburg.

„Neubau würde etwa 450.000 Euro kosten“

Doch das Projekt kam in den vergangenen Monaten nicht recht voran, obwohl im Haushalt 2019/2020 genügend Mittel für eine Neugestaltung des Geländes bereitgestellt sind – 1,5 Millionen Euro. Nachdem das Grundstück vor einigen Jahren von der Finanzbehörde und dem Bezirksamt an Schulbau Hamburg (SBH) übertragen wurde, besteht die Möglichkeit, dort etwas sinnvoll Neues für alle Bergedorfer Schulen zu bauen.

Römmer und seine Mitstreiter legten schon Zeichnungen für ein neues Bootshaus vor, die ein Architekt in ihrem Auftrag anfertigte. „Der Neubau, den wir vorschlagen, würde auch keine 1,5 Millionen, sondern 450.000 Euro kosten“, sagt Römmer. Das zweigeschossige Haus in Holzrahmenbauweise mit einer Fläche von zweimal 200 Quadratmetern sieht unter anderem zwei „grüne Klassenzimmer“, eine Werkstatt mit Drachenbootlager, Umkleiden, Sanitäranlagen und einen großen Lagerraum für Kanus und Ruderboote vor. Außerdem soll ein neuer Steg gebaut werden, damit zwei Klassen dort vormittags unterrichtet werden können. „Bisher kann nur nachmittags gerudert werden, weil der der Weg von den Schulen hierher zu weit ist, dafür zu viel Zeit draufgeht.“

Projekt startet mit der Grundlagenermittlung

Nun aber nimmt das Projekt offensichtlich Fahrt auf. Ob Schulbau Hamburg die Pläne aufgreift oder ein ganz anderes Gebäude plant, ob der bisherige Schuppen zur Lagerung der Ruderboote und das Gebäude mit den Umkleiden und Sanitäranlagen abgerissen werden soll, ist unklar. Römmer geht davon aus, dass alles abgerissen und neu gebaut wird – „ein Vorzeige-Objekt“. Der ehemalige Lehrer und Regionalbeauftragte für Schulsport für alle 30 Bergedorfer Schulen (schulübergreifende Wettkämpfe) ist optimistisch, dass die Planungen nun durch neue Projektsteuerer endlich in Schwung kommen.

In der Tat starte das Projekt nun mit der sogenannten Grundlagenermittlung, heißt es von der Kleta GmbH, die mit der Projektsteuerung von Schulbau Hamburg beauftragt worden ist. Die weiteren Schritte würden in den kommenden Wochen geklärt.

„Schulleiter waren sehr angetan von den besonderen Ort“

Die Bergedorfer Schulen stünden jedenfalls hinter dem Projekt: „Die Schulleiter waren alle hier, waren sehr angetan von diesem besonderen, idyllischen Ort und überzeugt, dass man ihn für die Bergedorfer Schulen erhalten und entwickeln müsse“, sagt Römmer. Auch Grundschüler seien willkommen, könnten auf dem Gelände etwa Spieletage verbringen. „Auch Lehrerkonferenzen gab es hier schon.“ Schließlich handle es sich um ein „Hamburger Filetstück“.

Bereits in den 50er-Jahren wollten die Lehrer Roland Race vom Hansa-Gymnasium und Helmut Steenbeck († 1995) von der Volks- und Mittelschule Lohbrügge-Ost das Rudern im Stadtteil nach dem Krieg wieder in Gang bringen. Sie suchten – unterstützt vom Bezirksamt – einen günstigeren Platz als den Schuppen am Schleusengraben/Am Hohen Stege, der damals als auch dem Bergedorfer Ruderclub als Bootshaus diente. Sie fanden ihn hinter dem Ortsamt.

Aktuell nutzen neun Schulen das Bootshaus

Das Grundstück gehörte zur einen Hälfte dem Bezirksamt und zur anderen der Finanzbehörde (Liegenschaft), wurde zum Abstellen von Fahrzeugen für die Straßenunterhaltung genutzt. Für Wohnungsbau oder gewerbliche Nutzung durfte es nicht genutzt werden.

In einem maroden Holzbau aus der Vorkriegszeit sind seit eh und je die Umkleiden der Ruderer und die sanitären Anlagen untergebracht. Aus Sonder- und Troncmitteln (steuerliche Abgabe aus Spielbanken, die für gemeinnützige Zwecke ausgegeben werden) wurde der Bau eines neuen Schuppens für die Boote finanziert.

Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte nutzten immer mehr Schulen Bergedorfs Bootshaus. Aktuell sind es neun – alle fünf Bergedorfer Gymnasien, drei Stadtteilschulen und das Gymnasium Wentorf. „Auch andere Hamburger Schulen wissen den Standort zu schätzen, lassen am Wochenende hier ihre Boote zu Wasser“, sagt Römmer. Neben dem Kleinod am Kurfürstendeich gibt es vier weitere offizielle Bootshäuser für rudernde Schüler in Hamburg – zwei an der Alster, eines in Harburg, eines am Isebekkanal.