Droht Abriss?

Sorge um Zukunft der alten Bäckerei in Neuengamme

In dem traditionellen Wohn- und Handwerkerhaus am Neuengammer Hausdeich 239 war über mehrere Familiengenerationen die Bäckerei Marquardt beheimatet.

In dem traditionellen Wohn- und Handwerkerhaus am Neuengammer Hausdeich 239 war über mehrere Familiengenerationen die Bäckerei Marquardt beheimatet.

Foto: Privat / BGZ/Privat

Dem 200 Jahre altem Haus könnte der Abriss drohen. Besitzer beteuert, dass noch nichts entschieden sei.

Neuengamme. Generationen von Vierländern haben in dem Haus am Neuengammer Hausdeich 239 einst Brötchen und Kuchen gekauft. Bis Bäckermeister Willy Marquardt 1983 in den Ruhestand ging und die Öfen der Bäckerei Marquardt für immer kalt blieben.

Sein Großvater Karl Friedrich hatte das Haus, das um 1820 erbaut wurde, im Jahr 1884 gekauft. Seitdem blieb es stets in Familienbesitz. Bis zum vergangenen Herbst. Da verkaufte die Familie Marquardt es an einen jungen Mann aus der Nachbarschaft. „Und er versprach mir, dass er mein Elternhaus erhalten würde“, berichtet Marianne Simmang.

Mit Verkauf war Wunsch verbunden: Elternhaus soll stehen bleiben

Trotzdem ist bei der 73-Jährigen und Nachbarn nun die Sorge groß, dass die alte Bäckerei bald aus dem Straßenbild verschwinden könnte. „Wir haben gehört, dass das Haus abgerissen werden soll. Das wäre eine riesige Enttäuschung“, sagt Nachbar Karsten Stange, der sich seit Jahrzehnten in der Interessengemeinschaft Bauernhaus engagiert.

Einen geplanten Abriss bestätigt der neue Besitzer auf Nachfrage unserer Zeitung nicht. Ausschließen will er es aber ebenso wenig. „Eine Entscheidung ist noch nicht getroffen“, sagt Jan-Hendrik Wendt.

Neuer Besitzer will nichts überstürzen

Zu dem Zeitpunkt, als er das Haus kaufte, wohnte Evy Marquardt, Witwe von Willy Marquardt und Mutter von Marianne Simmang, noch in dem Haus. Ihr wurde lebenslanges Wohnrecht eingeräumt. Doch nur wenige Wochen später starb die gebürtige Norwegerin im Alter von 94 Jahren. Das sei trotz ihres fortgeschrittenen Alters doch sehr überraschend gewesen, so Wendt. „Ich hätte nie damit gerechnet, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt schon anfangen können“, sagt er. Dementsprechend unausgegoren seien auch die Pläne. Man befinde sich in der Phase der „Projektentwicklung“, so Wendt. Und die werde auch noch eine ganze Weile dauern: „Wir wollen uns Zeit lassen, nicht überstürzt rangehen“, so der 31-Jährige. Fest steht allerdings: Es würde keine einfache Sanierung werden, so Wendt.

Haus steht nicht unter Denkmalschutz

Das Haus steht nicht unter Denkmalschutz. In direkter Umgebung sind allerdings zahlreiche Baudenkmale vorhanden. Das „Milieugebiet Neuengamme“ ist daher wegen seines unverwechselbaren Charakters in den Bebauungsplänen Neuengamme 7 und 12 als „Erhaltensbereich“ ausgewiesen.

Das traditionelle Wohn- und Handwerkerhaus wurde in den vergangenen 200 Jahren mehrfach um- und weitere Gebäudeteile angebaut. Auf dem Ziegelschornstein der ehemaligen Backstube nistet seit einigen Jahren sogar ein Storchenpaar.

Stück der Identität Neuenammes würde verloren gehen

Jan-Hendrik Wendt möchte in dem Haus mit seiner Familie leben: „Es soll unser Zuhause werden“, sagt er. Nachbar Karsten Stange hofft, dass das historische Gebäude erhalten bleibt: „Ansonsten würde ein Stück der Identität Neuengammes verloren gehen“, fürchtet er.