Gottesdienstmodell

Drei Musketiere im Ornat: Pastoren-Trio geht neue Wege

Vierländer Musketiere: Pastorin Doris Spinger aus Neuengamme, Pastor Alexander Braun aus Curslack und Nils Kiesbye aus Kirchwerder setzen nach dem Motto „Einer für alle, alle für Einen“ ein neues Gottesdienstmodell um.

Vierländer Musketiere: Pastorin Doris Spinger aus Neuengamme, Pastor Alexander Braun aus Curslack und Nils Kiesbye aus Kirchwerder setzen nach dem Motto „Einer für alle, alle für Einen“ ein neues Gottesdienstmodell um.

Foto: Frieso Spinger / BGZ/Spinger

Intensive Zusammenarbeit der Gemeinden Neuengamme, Curslack und Kirchwerder. Neues Gottesdienstmodell startet Sonntag.

Neuengamme/Kirchwerder/Curslack. „Einer für alle, alle für einen“. Dieser Satz aus dem Roman „Die drei Musketiere“ von Alexandre Dumas ist weltbekannt. Bücher und zahlreiche Filme erzählen die Geschichte der drei Musketiere und d’Artagnan. Der Wahlspruch, der ihre Solidarität und ihren Zusammenhalt zum Ausdruck bringt, ist dabei stets präsent. Und er gilt nicht nur in Frankreich, der Heimat der drei Musketiere, sondern auch in den Vierlanden.

Gottesdienste für Frühaufsteher, Langschläfer und Abendschwärmer

Statt Uniform mit blauem Mantel und schwarzem Hut tragen die Protagonisten dort allerdings das Hamburger Ornat mit weißer Halskrause. Und anstelle eines Degens halten sie häufig ein Gesangbuch oder eine Bibel in der Hand. Und auch ihre Namen sind anders: Statt Athos, Porthos und Aramis heißen sie Doris Spinger, Alexander Braun und Nils Kiesbye. Die Pastorin aus Neuengamme und die Pastoren aus Curslack sowie aus Kirchwerder und ihre Kirchengemeinden werden nun enger zusammenarbeiten.

Und dazu gehört auch ein neues Gottesdienstmodell. Das Konzept ist einfach auf den Punkt gebracht: Ein Gottesdienst, eine Pastorin beziehungsweise ein Pastor, drei Gemeinden. An einem Sonntag bietet einer der drei Geistlichen in jeder Kirche einen Gottesdienst an.

Doris Spinger macht am 24. Mai den Anfang

Los geht es schon an diesem Sonntag, 24. Mai, wenn Doris Springer den Anfang macht. Um 10 Uhr lädt die 55-Jährige, die seit 1995 Pastorin in der Gemeinde St. Johannis zu Neuengamme ist, in die Kirche an der Feldstegel ein. Um 11 Uhr folgt der Gottesdienst in der Kirche St. Johannis am Curslacker Deich 142. Der dritte Gottesdienst folgt um 18 Uhr in der Kirche St. Severini am Kirchenheerweg in Kirchwerder.

„Wir freuen uns, allen die Möglichkeit zu geben, gemeinsam Gottesdienst zu feiern: Ob nun Frühaufsteher, Langschläfer oder Freunde von Abendgottesdiensten. Jede und jeder kann an Gottesdiensten teilnehmen, wie es in den Tagesablauf und die Stimmung passt“, erklärt Doris Spinger. Die drei Pastoren wechseln sich wöchentlich mit den Gottesdiensten ab.

Wenig Nachwuchs und große Pensionierungswelle

Seit Sommer 2019 denken die drei Geistlichen über eine Zusammenarbeit nach. Denn: Die Zahl der Pastoren wird immer geringer. Das liege zum einen am fehlenden Nachwuchs, hinzu komme noch eine anstehende große Pensionierungswelle. Das hat in Vierlanden unmittelbare Auswirkungen: Die zweite Pfarrstelle in Kirchwerder wird jetzt schon nicht wieder besetzt. Zugleich haben Neuengamme und Curslack noch einen prozentualen Überhang an Pfarrstellen. „Als Kollegen sind wir schon länger im Gespräch und wollen gemeinsam intensiver als Team arbeiten“, sagt Doris Spinger.

Gemeinsam möchte die 55-Jährige mit Alexander Braun (42), seit 2012 in Curslack, und Nils Kiesbye (48), seit 2017 in Kirchwerder, für ihre gut 8700 Mitglieder da sein: 1500 Mitglieder zählt die Gemeinde Curslack, 2200 Neuengamme und 5000 Kirchwerder.

Zusammenarbeit getreu dem Motto: „Einer für alle, alle für einen“

Schritt für Schritt wolle man erkunden, wo eine engere Zusammenarbeit sinnvoll sein könnte, teilt das Pastoren-Team mit: „Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt, und wir laden euch ein, uns dabei zu begleiten. Macht euch mit uns auf den Weg.“ Die vergangenen Wochen haben sie in ihrer Idee noch bestärkt, denn die Corona-Krise habe eins deutlich gezeigt: „Gemeinsam kann man es schaffen. Es ist gut, nicht alles allein zu machen. Also: Einer für alle, alle für einen.“

Wegen der Corona-Pandemie sind die Gottesdienste verkürzt und werden unter bestimmten Auflagen gefeiert. Infos gibt es auf der jeweiligen Webseite der Gemeinde oder dem gemeinsamen Facebook-Auftritt „NeuCuKi“.