Immobilie

Wo Vierlanden einst sang und trank: Horster Eck zum Verkauf

Im Haus am Horster Damm 366 war einst eine beliebte Gaststätte und zuvor sogar eine Zollstelle zwischen Bergedorf und Geesthacht.

Im Haus am Horster Damm 366 war einst eine beliebte Gaststätte und zuvor sogar eine Zollstelle zwischen Bergedorf und Geesthacht.

Foto: Thomas Heyen

Einst Zollstelle, später Gaststätte: Geschichtsträchtiges Ensemble mit Grundstück am Fluss soll 520.000 Euro kosten.

Altengamme. Eine Immobilie mit ganz viel Geschichte hat die Firma Evers Internet aus Glinde derzeit im Angebot: Am Horster Damm 366, nahe der Kreuzung Brookdeich/Speckenweg wurden einst Zölle eingezogen und später dann freudig getanzt und getrunken.

Haus wurde schon vor mindestens 220 Jahren bewohnt

Das laut Annonce „Grundstück am Fluss mit 4 alten Häuschen/
3 Wohnungen“ wird für 520.000 Euro (Verhandlungsbasis) angeboten. Das Ensemble befindet sich
auf einem 1108 Quadratmeter großen Grundstück an der Brookwetterung, umgeben von viel Natur.

Das Grundstück wurde schon vor mindestens 220 Jahren bewohnt, berichtet der Makler. Das direkt an der Straße gelegene Gebäude wurde um 1800 errichtet und diente einst als Zollstation zwischen Bergedorf und Geesthacht. Zwischen etwa 1870 und 1970 befand sich in dem Haus eine Gaststätte.

Im „Horster Eck“ bat Wirt Karl „Christi“ Christiansen jeden Sonntag zu einem Tanzvergnügen mit Livemusik, verlangte dafür nur wenig Eintritt. Neben der kleinen Gaststube verfügte der Wirt über einen Saalanbau, sodass insgesamt etwa 80 Besucher Platz fanden.

Wirt „Christi“ bat jeden Sonntag zum Tanzvergnügen mit Livemusik

Das Gasthaus war sehr beliebt,
erinnert sich Hermann Barnstorf (1931-2015) in dem von ihm verfassten Buchkapitel „Kneipen und Krämerläden am Horster Damm“ in „Vierlande – Kulturgeschichte zwischen Elbe und Bille“, Band 2 (Bergedorfer Kultur- & Geschichtskontor).

Im „Horster Eck“ probte der Altengammer Gesangverein Vorwärts, dort wurden auch private Feiern ausgerichtet. Wirt Karl Christiansen war so clever, Anfang der 1950er-Jahre einen Fernseher in seinem Saal aufzustellen – eines der ersten Geräte, die es überhaupt gab. Die Besucher konnten bei ihm bei Bierchen und Schnaps kostenlos Sportübertragungen und andere Sendungen sehen. 1958 gab Christiansen die Bewirtung auf und kaufte den „Gasthof Achterdiek“ am Kiebitzdeich.

Das „Horster Eck“ wurde anschließend von wechselnden Pächtern betrieben, „aber eine beliebte und gemütliche Gaststätte wurde es nicht wieder“, schreibt Barnstorf. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es an der langen Straße in Altengamme zahlreiche kleine Wirtshäuser und sogenannte Stubenläden.

„Hamburger Köm“ to go für die Arbeiter der Pulverfabriken

In jedem zweiten Haus nordöstlich des Horster Damms bei den Deichkilometern null bis zwei gab es in den Jahren, als die Pulverfabriken in Krümmel und Düneberg produzierten, einen Kümmel-Ausschank. Der „Hamburger Köm“ wurde aus Großbehältern in die kleinen Flaschen der Arbeiter gefüllt, die auf dem Weg zur Arbeit an den Häusern vorbeikamen.

Das zweistöckige Nachbarhaus auf dem zum Verkauf stehenden Grundstück am Horster Damm 366 soll um 1920 gebaut worden sein. Der Eigentümer der Immobilie möchte Ende Juni ausziehen.