Großhandel

Marker-Azubis bringen Obst und Gemüse bis an die Haustür

Die Marker-Azubis Yanneck Becker (li.) und Jon Schütte mit reich gefüllten Obst- und Gemüsekisten.

Die Marker-Azubis Yanneck Becker (li.) und Jon Schütte mit reich gefüllten Obst- und Gemüsekisten.

Foto: Lena Diekmann / BGZ/Diekmann

Azubis vom Großhändler Marker stellen in der Corona-Zeit eine eigene Abteilung auf die Beine. Sie beliefern nun Privatkunden bis an die Haustür.

Allermöhe. Die Firma Marker im Gewerbegebiet Allermöhe beliefert Großkunden in Norddeutschland mit Lebensmitteln. Einen Großteil der Ware bekommt Marker direkt von den Erzeugern, etwa Gemüse aus den Vier- und Marschlanden. Doch viele Restaurants, Hotels, Kantinen und Händler benötigen in der Corona-Krise keine oder deutlich weniger frische Lebensmittel. Ein Großteil der Marker-Angestellten ist deshalb in Kurzarbeit. Auch für die fünf Auszubildenden des Unternehmens im Alter von 17 bis 23 Jahren ist das ein Problem. Ihre Ausbildungsabläufe sind stark eingeschränkt – besser gesagt: wären stark eingeschränkt. Denn die Azubis lernen nun mehr statt weniger – viel mehr.

Sie haben vor Kurzem ein neues Marker-Projekt gestartet: den Direktverkauf. Die angehenden Groß- und Außenhandelskaufmänner, Kauffrau für Büromanagement und Fachkraft für Lagerlogistik sind plötzlich als Einzelhändler gefragt, beliefern Endkunden in Bergedorf und Umgebung. Titel des neuen Projekts: Marker@home.

Projekt könnte an zukünftige Azubis weitergegeben werden

Yanneck Becker (21) aus Curslack und Jon Schütte (22) aus Glinde, beide Groß- und Außenhandelskaufmänner im zweiten Lehrjahr, finden ihr neues Tätigkeitsfeld, das sogenannte End-to-end-Geschäft fantastisch, stecken mit Herzblut dahinter. „Jetzt schreiben wir plötzlich Businesspläne, das ist in der regulären Ausbildung nicht vorgesehen.“ Die jungen Mitarbeiter kal­kulieren die Kosten nun selbst, kein Computer nimmt ihnen diese Arbeit mehr ab. „Wir lernen gerade sehr, sehr viel – auch aus unseren Anfängerfehlern“, sagt Jon Schütte.

Die ersten kleinen Fehler wurden sowieso verziehen, denn in den ersten dreieinhalb Wochen bestand der neue Kundenkreis nur aus Freunden und Verwandten der Azubis. „Nun läuft es bereits fast fehlerfrei, für die Kunden sowieso, denn die kriegen ja von Schwierigkeiten hinter den Kulissen nichts mit“, sagt der Glinder Schütte. Ein Dutzend Kunden, darunter auch fünf „fremde“, werden mittlerweile regelmäßig beliefert – von den Azubis höchstpersönlich. Die jungen Leute sind am Telefon und per E-Mail Ansprechpartner für die Kunden, etwa wenn es um neue oder veränderte Bestellungen geht. Sie hoffen, dass das Endkundengeschäft weiter ausgebaut werden kann.

Testfeld könnte zur festen Einrichtung werden

„Bisher bewegen wir uns ja auf einem Testfeld. Die neuen Kunden haben nur durch Mundpropaganda von dem Projekt erfahren“, sagt Yanneck Becker. Er könne sich vorstellen, wenn das Projekt erfolgreich bleibt, es weiterhin an Azubis übertragen wird, „über Jahre, an immer neue Auszubildende“. Es wäre schließlich auch für Marker von Vorteil, wenn das Unternehmen jungen Menschen eine Ausbildung auch dadurch schmackhaft machen könne, dass die Azubis ein „eigenständiges“ Kleinunternehmen leiteten. Sollte der neue Geschäftszweig Fahrt aufnehmen, sei eine Ausweitung innerhalb des Unternehmens denkbar. In jedem Falle sei von der Geschäftsführung geplant, die Endkunden auch nach der Krise weiter zu beliefern.

„Wir decken fast alle Arbeitsläufe selbst ab“, sagt Yanneck Becker, „von der Kostenkalkulation über das Verpacken der Ware in Lieferkisten bis zur Zustellung.“ Für die Anlieferung stehen den Azubis diverse Transporter mit Innenraumkühlung zur Verfügung. Die angehenden Kaufleute hoffen, auch eine eigene Einkaufsabteilung gründen zu können – „dann würden wir wirklich von A bis Z alle Abläufe selbst regeln“, sagt Becker. Bisher werde die Ware aus dem Marker-Bestand entnommen.

Kunden zahlen nicht mehr als im Supermarkt

„Über das Endkundengeschäft hat die Geschäftsführung schon seit Längerem nachgedacht, aber bisher fehlten Personal und Zeit“, sagt Yanneck Becker. Einmal in der Woche sitzt er mit den anderen vier Azubis, Teamleitern und Mit-Geschäftsführer Patrick Marker zusammen. „Dann berichten wir von Problemen – und suchen gemeinsam nach Lösungen.“

Die neuen Marker-Kunden zahlen für die Frischware nicht mehr als im Supermarkt, oft sogar weniger, da die Allermöher Firma als Großhändler günstige Preise machen kann. Ein Kilogramm Spargel aus dem schleswig-holsteinischen Hasenmoor kostet beispielsweise 6 bis 7 Euro (Tagespreise schwanken). Für die Lieferung – Mindestbestellwert: 15 Euro – wird zudem kein Aufpreis berechnet. „Durch den Verkauf regionaler, saisonaler Produkte sind die Lieferwege kurz“, sagt Jon Schütte. Die Tomaten kämen eben aus dem Landgebiet und nicht aus Spanien. Geliefert wird montags bis freitags, von 15 bis 20 Uhr.

Besonders gefragte Produkte im Verkaufswagen

Die neue, junge Einzelhändlerriege von Marker verkauft Spargel, Erdbeeren, Kartoffeln, Eier und weitere besonders gefragte Produkte auch aus einem Verkaufswagen des Unternehmens heraus. Dieser steht regelmäßig auf dem Besucherparkplatz an der Amandus-Stubbe-Straße 14 a – mittwochs und donnerstags von 13 bis 17 Uhr, freitags 12 bis 16 Uhr.

Wer sich Ware nach Hause liefern lassen möchte, meldet sich per E-Mail an, bekommt wöchentlich Warenbestandslisten, gibt dann am Telefon oder per E-Mail seine Bestellungen durch und überweist nach Rechnungserhalt. Die Azubis versenden gern auch ein Prospekt, mit weiteren Informationen.

Kontakt per Mobiltelefon 0162/211 27 10 und per E-Mail an .