Freilichtmuseum

Ausstellung im Rieck-Haus zeigt das Leben an den Gräben

Mehr als 850 Kilometer Gräben, wie hier in Kirchwerder, ziehen sich durch die Vier- und Marschlande.

Mehr als 850 Kilometer Gräben, wie hier in Kirchwerder, ziehen sich durch die Vier- und Marschlande.

Foto: Hermann Timmann

Naturfotograf Hermann Timmann zeigt, welche Tiere und Pflanzen an den Gräben der Vier- und Marschlande heimisch sind.

Curslack. Mehr als 850 Kilometer Gräben ziehen sich durch die Vier- und Marschlande. Zur Ent- und Bewässerung sind sie nicht nur überlebensnotwendig für die Region. Sie bieten mit ihren verschiedenen Breiten und Tiefen auch Lebensräume für zahlreiche Pflanzen und Tiere. So ermöglichen sie eine Artenvielfalt, die es sonst in Hamburg kaum noch gibt.

Neue Bürgerausstellung in der Scheune ist nun eröffnet

Was alles so in und rund um die Gräben des Landgebiets so kreucht und fleucht, hat Hermann Timmann in den vergangenen Jahren mit seiner Kamera eingefangen. Die Ergebnisse sind nun in der neuen Bürgerausstellung in der Scheune des Rieck-Hauses zu sehen.

Als die Beschränkungen wegen der Corona-Situation in Kraft traten und damit auch alle Museen geschlossen wurden, war die Bürgerausstellung schon so gut wie fertig. Eigentlich sollte sie bereits ab Anfang März gezeigt werden. Seit Donnerstag darf das Freilichtmuseum am Curslacker Deich 284 nun wieder öffnen. Und damit konnte auch Hermann Timmann die Ausstellung mit seinen Bildern das erste Mal sehen: „Ich bin einfach nur begeistert“, schwärmt der 67-Jährige aus Kirchwerder.

Angelspiel statt Fischfotos

Damit heißt es nun „Wasser.Marsch“ in der Scheune: Mit diesem Titel ist die Schau überschrieben, die die Bilder von Hermann Timmann in den Mittelpunkt stellt, der sich seit mehr als 30 Jahren der Naturfotografie verschrieben hat. Besucher lernen anhand von Fotografien und kurzen Texten kennen, welche Tiere und Pflanzen an den Gräben heimisch sind.

Nur Aufnahmen von Fischen kommen nicht vor. Die hat Hermann Timmann bewusst außen vor gelassen, weil sie fürs Foto nicht dem Wasser entnommen werden können – und sollen. Stattdessen hat das Team der Museumslandschaft daraus ein Spiel gemacht: Kleine Holzattrappen der Fische, die in den Gräben vorkommen, können bei einem Angelspiel inmitten der Ausstellung geangelt und so kennengelernt werden.

Geschichte und Entwicklung des Ent- und Bewässerungssystems

Rund um die Naturfotografien hat das Team der Museumslandschaft die Geschichte und Entwicklung des Ent- und Bewässerungssystems des Landgebiets zusammengestellt, das einst zur Abdeichung der Elbe eingeführt wurde. Sie floß einst mitten durch die Vierlande, bevor sie südlich vorbeigeleitet wurde und so dieses Gebiet als geschlossene Region erst entstehen ließ.

Regenwasser musste nun aus dem Binnenland gepumpt und Pegelstände reguliert werden. Die Blütezeit von Landwirtschaft und Gartenbau in den Vier- und Marschlanden wurde so möglich. Welche Rolle händisch betriebene Wasserschaufeln, Windmühlen und Schöpfwerke beim Entstehen der Kulturlandschaft spielten, davon erzählt die Ausstellung.

Vorträge und Kinderprogramm müssen noch warten

Vorträge und ein thematisch abgestimmtes Kinderprogramm müssen allerdings vorerst weiterhin ausbleiben. Auch deshalb geht Museumsleiterin Dr. Schanett Riller davon aus, dass die Ausstellung auch in 2021 noch in der Scheune zu sehen sein wird.

Derzeit dürfen vier Besucher gleichzeitig die Scheune besuchen. Es gilt Maskenpflicht. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags, 11.30 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet 4 Euro, ermäßigt 3 Euro, unter 18 Jahren freier Eintritt .