Eine-Million-Euro-Projekt

Kirchwerder: Vorarbeiten für einen neuen Priel

Dr. Elisabeth Klocke dokumentiert die Arbeiten: Ein Bagger grub gestern 23 Löcher im Deichvorland in Höhe Hower Hauptdeich, aus denen Geologen Proben entnahm – jeweils zwei Proben aus verschiedenen Bodenschichten.

Dr. Elisabeth Klocke dokumentiert die Arbeiten: Ein Bagger grub gestern 23 Löcher im Deichvorland in Höhe Hower Hauptdeich, aus denen Geologen Proben entnahm – jeweils zwei Proben aus verschiedenen Bodenschichten.

Foto: Thomas Heyen

Stiftung Lebensraum Elbe lässt im Deichvorland vor Kirchwerder Bodenproben nehmen.

Kirchwerder. Im Deichvorland in Höhe des Hower Hauptdeichs soll im Sommer ein neuer Priel gebaut werden. Etwa 250 Meter entfernt wird ein flacher Tümpel angelegt. Davon sollen Amphibien, Libellen und andere Insekten profitieren. Die Kosten betragen etwa eine Million Euro.

Gestern nahmen Geologen Bodenproben, um die Entsorgung des Bodenaushubs planen zu können. Dr. Elisabeth Klocke von der Stiftung Lebensraum Elbe, die das Projekt organisiert, rechnet mit 8330 Kubikmetern Bodenaushub.

Mit der Maßnahme soll neuer Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten geschaffen werden. An strömungsberuhigten Ufern von „Elbe-Fingern“, die von Auwäldern und Röhrichten umgeben sind, siedelt sich gern auch der seltene Schierlingswasserfenchel an.

Pappeln im Mündungsbereich gefällt

2019 hat die 2010 gegründete Stiftung Lebensraum Elbe eine Machbarkeitsstudie erstellt. Im Februar erteilte die Wirtschaftsbehörde die Genehmigung für den Bau von Priel und Kleingewässer, kurz darauf wurde die Vorderdeichfläche (Röhricht, Brennnesseln) gemäht. Außerdem mussten einige Pappeln im Mündungsbereich des neuen Priels gefällt werden.

Am Hower Hauptdeich ist eine der wenigen Stellen in ganz Hamburg, an denen sich das sonst schmale Deichvorland aufweitet. Hier möchte die städtische Stiftung das Vorland besser mit der Elbe verbinden, berichtet die in Lohbrügge lebende Chemikerin Elisabeth Klocke (55), Vorstand und Geschäftsführerin.

Denn die Auswirkungen der Elbvertiefungen und des Baus der Deich dicht am Fluss haben auch vor der oberen Tideelbe nicht Halt gemacht: Ihre Ufer sind oft vollständig verbaut, das Vorland schmal. „Der Kontakt zwischen Wasser und Land ist stark eingeschränkt, die biologische Durchgängigkeit damit ebenfalls.“ Der unnatürlich starke und weiter zunehmende Tidehub gefährde zudem die Artenvielfalt.

330 Meter lang

Der Priel wird etwa 330 Meter lang und bis zu zwei Meter tief. Die Bauarbeiten beginnen im Juni oder Juli und sollen bis Ende September beendet sein, da am 1. Oktober die Sturmflutsaison beginnt. Die Stiftung dokumentiert die Arbeiten und stellt nach deren Beendigung einen Film darüber ins Netz.

Entlang der gesamten Fläche nahmen Geologen gestern 23 mal zwei Bodenproben aus bis zu zwei Metern Tiefe – jeweils aus der tiefer gelegenen Sandschicht und aus dem Schlick-Lehm-Gemisch darüber. „Der reine Sand kann vermutlich weiterverwertet werden, etwa im Straßenbau“, sagt Elisabeth Klocke. Deutlich teurer werde wohl die Entsorgung der oberen Schicht: „Das von der Elbe regelmäßig überflutete Deichvorland ist meist geringfügig Dioxin-belastet – Altlasten aus dem Osten.“ So war es auch am Wrauster Bogen in Ochsenwerder, wo die Stiftung 2019 einen 135 Meter langen Priel baute. Die Pflanzen im Deichvorland seien hingegen nicht belastet.

Die Projekte der Stiftung werden in der Regel von der Hamburg Port Authority (HPA, ehemals Strom- und Hafenbau) finanziert. Der Bau des Priels in Kirchwerder wird von einer Stiftung der Schweizer Reederei MSC mit 250.000 Euro bezuschusst. „MSC ist mit seinen Container- und Kreuzfahrtschiffen der größte Kunde des Hamburger Hafens“, sagt Elisabeth Klocke. Weitere Infos online: www.stiftunglebensraumelbe.de.