Tierquälerei

Hunde-Kauf ist Vertrauenssache - nicht übers Internet

Eine Parson-Russel-Terrier-Hündin, die mit ihrem Wurf aus einer viel zu kleinen Box befreit wurde.

Eine Parson-Russel-Terrier-Hündin, die mit ihrem Wurf aus einer viel zu kleinen Box befreit wurde.

Foto: Picasa / Hamburger Tierschutzverein

Warnung vor Internet-Anbietern – Tierärztin schreitet bei nicht artgerechter Zucht in Kirchwerder ein.

Kirchwerder. Für den Hamburger Tierschutzverein war der gestrige „Tag der Welpen“ eine gute Gelegenheit, künftige Herrchen und Frauchen auf einen seriösen Erwerb junger Hunde aufmerksam zu machen – und vor unseriösen Geschäftemachern zu warnen. Denn sie misshandeln hilflose Tiere, halten sie nicht artgerecht.

„Ein Laie sollte generell niemals einen Hund über Angebote im Internet kaufen“, sagt Sina Hanke vom Hamburger Tierschutzverein. „Es ist dann nämlich nie klar, woran man gerät.“ Denn Hunde, die nicht artgerecht gehalten werden, etwa, weil sie in kleine Transportboxen oder Holzkisten gesperrt sind, könnten schnell psychische Schäden davon tragen, „etwa, dass sie nicht mehr allein sein wollen“.

Seriöse Händler seien für Laien nicht von Tierquälern, die illegal züchten, zu unterscheiden, betont die Tierschutzberaterin. Sie empfiehlt deshalb, Welpen nur im Freundes- und Bekanntenkreis zu erwerben. „Es ist immer gut, wenn der Halter der Hundemutter jemand ist, den man kennt.“

Adoption statt Kauf

Eine andere gute Möglichkeit sei die Adoption eines Hundes aus dem Tierheim an der Süderstraße, das vom Hamburger Tierschutzverein betreut wird. Dort lebten gestern 177 Hunde (insgesamt rund 1300 Tiere), wobei sich die Zahl täglich ändert. „In den Sommerferien steigt sie schnell mal um 500 Tiere an“, sagt Sina Hanke.

Es sei ein Irrglauben, dass an der Süderstraße nur alte und kranke Tiere auf neue Herrchen und Frauchen warten, betont die Tierschutzberaterin. Auch trächtige Hunde und Welpen aus illegaler Zucht seien ständig in dem Tierheim zu finden. „Außerdem haben wir hier Fachpersonal, das künftige Hundehalter gern umfassend informiert.“

„Bild des Grauens“

Für Hunde aller Rassen wird eine Schutzgebühr in Höhe von 280 Euro verlangt – Impfpass und Tierarzt-Checks auch in zweiwöchiger Nachbetreuung inklusive. Ältere Hunde werden auch gegen eine geringere Gebühr abgegeben. Für ganz alte Vierbeiner werden Pflegeplätze gesucht, die vom Tierheim finanziert werden. Generell werden die Hunde nicht verkauft, sondern zur Adoption freigegeben, „um sie im Notfall zurückzubekommen“, sagt Sina Hanke. „Dies passiere aber nur selten und im schlimmsten Fall, wenn das neue Herrchen sich als Tierquäler entpuppt, „schließlich sind wir froh um jedes Tier, das vermittelt wird“.

Sina Hanke berichtet von einer Hundezucht in den Vier- und Marschlanden, bei der der Tierschutzverein Ende vergangenen Jahres eingreifen musste. Ein Interessent hatte auf den Kauf einer Welpe verzichtet, statt dessen einen anonymen Hinweis geliefert. In dem idyllisch an der Gose-Elbe gelegenen Einfamilienhaus habe sich den Tierschützern „ein Bild des Grauens“ geboten. „Insgesamt 25 Hunde waren in viel zu kleinen Transportboxen und Holzkisten eingepfercht, kein Tier hatte Zugang zu Wasser“, sagt die Tierschutzberaterin. Der Gestank nach Fäkalien sei bereits auf der Straße deutlich wahrzunehmen gewesen.

Keiner Schuld bewusst

Die Züchterin sei sich keiner Schuld bewusst gewesen, zeigte den Tierschützern und der alarmierten Amtstierärztin bereitwillig die tierschutzwidrige Unterbringung der Jack-Russel- und Parson-Russel-Terrier. Zwei Welpen standen zum Verkauf. Preis: jeweils 1200 Euro. Solche Zustände seien „leider gängige Praxis“, sagt Sina Hanke. Sie freute sich damals, dass die Amtstierärztin sofort zur Stelle war. „Das ist in Hamburg leider nicht immer so.“

Die in einem Zuchtverband organisierte Halterin durfte die Hunde behalten, nachdem es bei mehreren Nachkontrollen nichts mehr zu beanstanden darf.

Das Tierheim, zweitgrößtes in Deutschland, ist unter Telefon 040/ 2 11 10 60 zu erreichen. Internet: www.hamburger-tierschutzverein.de.