Corona-Krise

Coronagruppe: 130 Helfer in den Vier- und Marschlanden

Nicola Eisenschink hat die neue Gruppe initiiert.

Nicola Eisenschink hat die neue Gruppe initiiert.

Foto: Sebastian Fuchs

Im Landgebiet solidarisieren sich weite Teile der Gesellschaft. Sie bieten kostenlose Unterstützung für Hilfe suchende Menschen auf dem Lande.

Bergedorf. Die Fitnessstudios sind zu, Dienstleister zum Zwangsurlaub verdonnert und Supermarkt-Einkäufe sollten sich vor allem ältere Mitbürger sparen: Das Coronavirus hat uns im Griff. Auch im Landgebiet solidarisieren sich weite Teile der Gesellschaft – Menschen, die nicht untätig rumsitzen, sondern helfen wollen. Sie bieten jetzt ihre Hilfe über Facebook an – in der Gruppe „Coronahilfe Vierlanden“. Die Hilfsangebote sind kostenlos, richten sich an jedermann, der Unterstützung braucht, sollen auch ältere Menschen erreichen.

Die Gruppe zählte Sonntagabend 130 Mitglieder – allesamt Menschen, die helfen wollen. Sie sind bereit, für Senioren Einkäufe zu erledigen oder kleinere Reparatur- und Hausmeisterarbeiten auszuführen, Sportkurse wie Yoga oder Reiki über den Computerbildschirm anzubieten und vieles mehr. So bietet ein Mitglied „Kajak-Entspannungsfahrten“ an: „Das Wasser muss nur noch wärmer werden . . . “, teilt der Mann auf Facebook mit, der auch eine Katze aufnehmen kann.

Ängste, die vor der Krise da waren

Claudia Peitzner, Heilpraktikerin für Psychotherapie aus Kirchwerder, steht für Telefongespräche zur Verfügung – in dieser Ausnahmesituation kostenlos. „Ich weiß, auch aufgrund eigener Erfahrungen, wie Ruhe zu bewahren ist“, sagt die 44-Jährige. Sie geht davon aus, dass viele Menschen nun unter Ängsten leiden, die schon vor der Krise da waren, „etwa Existenzängste“. Diese könnten sich durch die Situation noch verschärfen. Es müssten aber nicht immer tiefgehende Gespräche geführt werden, so Peitzner: „Manch einer, der allein lebt, ist vielleicht schon froh, wenn er überhaupt mit jemandem reden kann.“

Andrea Madadi aus Curslack möchte Hilfesuchenden ebenfalls ihr „Ohr leihen“. Sie möchte Menschen beruhigen, die in Panik geraten sind. „Ich erkläre auch gern Sachverhalte, die manchem in dieser Krise womöglich zu kompliziert sind“, sagt die ausgebildete psychologische Beraterin.

Nicola Eisenschink stellt die Kontakte her

Wer mit Andrea Madadi, Claudia Peitzner oder anderen Helfern der „Coronahilfe Vierlanden“ in Kontakt treten möchte, der wendet sich an die Initiatorin, Nicola Eisenschink aus Ochsenwerder. Die 58-Jährige ist telefonisch unter der Mobilnummer 0172/ 430 44 77 erreichbar. Wer sie nicht sofort erreicht, spricht auf Mailbox. „Ich notiere die Telefonnummer des Hilfesuchenden und gebe sie an den geeigneten Helfer aus unserer Gruppe weiter“, sagt Nicola Eisenschink, die ihren Lebensunterhalt als Trauerrednerin verdient.

„Auf die Idee zu der Vierlanden-Gruppe kam ich, als ich einen Fernsehbeitrag über die Coronagruppe Hamburg gesehen habe. Das ist eine gute Sache, nützt aber den Menschen in den Vier- und Marschlanden wenig, denn es sollte kein Helfer aus Altona nach Altengamme, Kirchwerder oder Tatenberg kommen müssen.“ Sie betont, dass sich die Angebote an die Menschen im gesamten Landgebiet richten und kostenlos sind, „wobei sich wohl niemand gegen ein Trinkgeld wehrt“.