Corona

Blumengärtner müssen in Krisenzeiten flexibel sein

Regina Grüneberg und Klaus Peters (Gärtnerei Peters) mit Tulpen aus den Gewächshäusern am Neuengammer Hausdeich 87.

Regina Grüneberg und Klaus Peters (Gärtnerei Peters) mit Tulpen aus den Gewächshäusern am Neuengammer Hausdeich 87.

Foto: Thomas Heyen

Die Vorschriften ändern sich beinahe von Tag zu Tag – Seit dem 20. März dürfen Blumenläden wieder öffnen.

Bergedorf. Auch den Blumengärtnern und -händlern in den Vier- und Marschlanden beschert die Krise wegen des Coronavirus harte Zeiten. Beinahe täglich ändern sich die rechtlichen Regelungen. So mussten die Blumengeschäfte tagelang schließen. Hamburger Einzelhändler verschenkten alle Blumen, bevor sie verdarben, ihre Kollegen stoppten zumindest alle Bestellungen und schickten Mitarbeiter in den Urlaub.

Doch seit Freitag wird die Öffnung der Blumenläden wieder erlaubt. „Um 9 Uhr mussten die Läden noch geschlossen bleiben, doch um 11 Uhr
durften sie wieder öffnen“, berichtet ein Leser aus dem Landgebiet.

Klaus Peters (63) fällt, wie etlichen weiteren Schnittblumengärtnern auch, ein Stein vom Herzen: Er hatte, so wie die anderen Produzenten auch, für seine Tulpen auf dem Blumengroßmarkt bereits Rabatte von bis zu 20 Prozent eingeräumt, um sie überhaupt noch loszuwerden. „Der Konkurrenzdruck ist hoch“, sagt Peters. Entsprechend hoch seien die Umsatzeinbußen. Tulpen der dritten Qualität wurden entsorgt statt wie üblich für weniger Geld verkauft.

300.000 Tulpen bis Ostern – 1,5 Millionen im Jahr

In den Gewächshäusern von Klaus Peters am Neuengammer Hausdeich (6500 Quadratmeter) sollen bis Ostern 300.000 Tulpen geerntet werden. Seine Kunden zahlen dafür rund 100.000 Euro. Weitere 100.000 Tulpen sind bereits für die Zeit nach Ostern gepflanzt worden. „Ich hoffe, dass nun nicht wieder Absatzmärkte wegbrechen, denn die Zwiebeln sind allesamt längst gepflanzt.“ Er könne lediglich durch leichte Temperaturregulierungen „das Wachstum um etwa eine Woche verlangsamen, damit sie etwas später blühen“.

Tulpen sind eigentlich Peters’ Verkaufsschlager: 1,5 Millionen verkauft er normalerweise in einem Jahr – über drei Absatzmärkte: Blumenläden (45 Prozent), Wochenmarkthändler (45 Prozent) und „Gemüsehändler mit Blumenecke“ (zehn Prozent). Peters: „Am Mittwoch gab es auch ein Verkaufsverbot für die Wochenmarkthändler. Es wurde am Donnerstag wieder aufgehoben. Die Händler sind extrem verunsichert.“ Noch traut Peters dem Frieden nicht: „Ich weiß nicht, ob die Betreiber der Blumenläden so flexibel reagieren und ihre Geschäfte schnell wieder öffnen können.“

Regina Grüneberg ist eine von vier Angestellten in dem Familienbetrieb, in dem auch Peters’ Frau, Sohn und Schwiegertochter mit anpacken. Die 61-Jährige arbeitet im Binderaum. „Ich liebe Blumen, arbeite sehr gern hier“, sagt Regina Grüneberg. Sollte der Umsatz dramatisch über einen längeren Zeitraum einbrechen, müsste Peters seine Angestellten in Kurzarbeit schicken oder entlassen. „Das möchte ich allerdings unbedingt vermeiden“, sagt der Gärtnermeister.

Gärtnereien verlagern Verkauf nach draußen

Einige Gärtner hatten ihr Geschäft am Donnerstag komplett nach draußen verlagert und große Stände an der Straße aufgebaut, nachdem sie am Dienstag in ihren Räumen keine Kunden mehr empfangen durften. „Am Dienstag und Mittwoch war uns der Verkauf komplett untersagt, am Donnerstag hieß es, dass wir nur noch draußen und ohne Kundenkontakt Blumen verkaufen dürfen“, sagt Michael Bornhöft vom Kirchwerder Landweg. Seit Freitag ist sowohl als auch erlaubt – unter Berücksichtigung der „abstandsfördernden Maßnahmen“ und der Hygiene-Regeln. „Diese ständigen Änderungen nerven“, sagt der Gärtnermeister. „Wir leben von Tag zu Tag.“

Tanja Witzke von der Gärtnerei Martens am Vorderdeich in Reitbrook stellte am Freitag ebenfalls Primeln, Blumenampeln und das weitere Frühblüherangebot nach draußen. Eine Kasse ist für die Kunden zugänglich. „Es wäre schön, wenn die Kunden passend bezahlen können“, sagt Tanja Witzke. Doch es kann auch mit EC-Karte bezahlt werden, die ebenso kontaktlos über den Verkaufstresen zu ihr gelange. Denn sie sei immer im Gewächshaus auf Sichtweite in der Nähe – und dennoch auf Abstand. So helfen und behelfen sich die Kunden auch andere Gärtnereien.