Regionalausschuss

Erntedankfest-Team beklagt geringe Wertschätzung

Der Erntedankfestumzug mit farbenfroh geschmückten Wagen lockt Jahr für Jahr Tausende Besucher nach Kirchwerder.

Der Erntedankfestumzug mit farbenfroh geschmückten Wagen lockt Jahr für Jahr Tausende Besucher nach Kirchwerder.

Foto: Thomas Heyen

Der Erntedankfest-Umzug lockt jährlich Besucher ins Landgebiet. Doch die Organisatoren vermissen den Zuspruch der Politik.

Kirchwerder. Gut 2000 Ehrenamtliche, 60 Vereine, 30 geschmückte Wagen – und mehr als 70.000 Zuschauer an den Straßen: Allein die nackten Zahlen des Erntedankfestes, das jährlich in Kirchwerder gefeiert wird, sind schon beachtlich. Für den Bezirk Bergedorf, die Vier- und Marschlande und die dort lebenden Menschen bedeute das Fest aber noch viel mehr: „Es bringt Menschen nicht nur zusammen, sondern hat auch eine enorme Strahlkraft weit über Hamburgs Grenzen hinaus“, ist Marlis Clausen überzeugt. Dafür spreche allein die Fernsehberichterstattung – sogar im ZDF – oder mehrmalige Besuch des amtierenden Hamburger Bürgermeisters.

Erst erklären, was der Erntedankfestumzug fürs Landgebiet bedeutet

Die Vorsitzende des Fördervereins Erntedankfest war Dienstagabend gemeinsam mit ihrem Vorstandsteam und Erntemajestäten in den Regionalausschuss gekommen, um ihrem Unmut Luft zu machen. Denn das Team, das den Umzug nun seit neun Jahren ehrenamtlich auf die Beine stellt, hat keineswegs den Eindruck, dass das Fest von Bergedorfs Politik die notwendige Wertschätzung erfährt.

Zumindest nicht durch diejenigen, die sich mit Kultur beschäftigen. Denn während der Regionalausschuss sich schon seit Jahren mit einem eigenen Wagen an dem Umzug beteiligt, habe Erika Garbers (CDU) kürzlich im Kulturausschuss vor der Vergabe der Kulturmittel anderen Abgeordneten erstmal erklären müssen, was das Erntedankfest überhaupt für das Landgebiet bedeutet. „Ich war entsetzt“, sagte Marlis Clausen sichtlich betroffen.

„Schöne Worte allein reichen nicht“

Zwar wurden dem Erntedankfest erneut 5000 Euro zugesprochen. Die decken aber gerade mal die Kosten, um Schilder mit Verkehrszeichen und Absperrungen aufstellen zu lassen. Dennoch: Es gehe ihnen nicht ums Geld, sei ihnen durchaus bewusst, dass auch anderen Kulturschaffenden ein Anteil zusteht, betont Clausen. Sie stellt allerdings die parteiinterne Kommunikation infrage: „Wie werden ihre Parteikollegen denn aus den Vier- und Marschlanden informiert?“

Vertreter von SPD, FDP und Grünen, die als Koalition über die Vergabe der Kulturmittel entschieden haben, baten im Regionalausschuss um Entschuldigung. Allein mit schönen Worten sei es aber nicht getan, meint Erika Garbers (CDU). Sie fordert mehr Unterstützung und Hinweise, wo der Förderverein auch in Hamburg Hilfe bekommen könne. Auch Michael Mirbach (Die Linke) kritisiert, dass seine Fraktion bei der Vergabe der Kulturmittel nun völlig außen vor sei: „Früher haben sich alle an einen Tisch gesetzt und gemeinsam entschieden. Doch nun ist vieles anders.“