Schützen

Schießclub Zentrum: Vereinsende nach 101 Jahren

Der Schießclub Zentrum mit Schützenkönig Ludwig Reher im Jahre 1936.

Der Schießclub Zentrum mit Schützenkönig Ludwig Reher im Jahre 1936.

Foto: SC Zentrum

Der Vierländer Traditionsclub wird aufgelöst: Zu wenig Mitglieder, kein Vereinslokal. Deutschlandweit schwankt die Zahl der Schützen.

Kirchwerder. Der Schießclub Zentrum wird 101 Jahre nach seiner Gründung aufgelöst – zu wenig Mitglieder. Am Dienstagabend stimmten die Mitglieder bei ihrer Hauptversammlung im Vereinslokal Gasthof Hitscherberg über die Auflösung ab. Laut dem Vorsitzenden Jürgen Könnecker (60) ist die Entscheidung für die sogenannte Liquidation des Vereins reine Formsache.

Zwölf Frauen und sieben Männer sind noch bei Zentrum, dazu kommen gut 70 passive Mitglieder. Die meisten aktiven Zentrum-Schützen sind im Rentenalter. „In der Hochzeit waren wir – die passiven mitgezählt – etwa 300 Schützen“, sagt Könnecker.

Die Vereinsauflösung wurde bereits 2018 beschlossen, berichtet Könnecker, der seit knapp 40 Jahren bei Zentrum schießt und seit 25 Jahren Vorsitzender ist. „Natürlich sind viele Kameraden traurig. Einige Familien sind seit Generationen in unserem Schießclub vertreten, zum Teil gleichzeitig“, sagt Thekla Mannel (68, zweite Vorsitzende).

Ursprünglich wurde im Saal geschossen

Für die beiden jährlichen Punktkämpfe gegen alle anderen Mitglieder im Bund der Vierländer Schießclubs (jeder gegen jeden) konnte Zentrum schon im Jahr 2018 nicht mehr genug Schützen stellen. „Das war frustrierend“, sagt Thekla Mannel.

Wegen des Mitgliederschwunds, der auch andere Vereine im Landgebiet ereilt, musste Gastwirt Hartwig Reimers den Zentrum-Schützen – und weiteren Vereinen – schweren Herzens einen Korb geben: Für ihn lohnt sich die Öffnung der Gaststube seines Gasthofes Hitscherberg nicht mehr, wenn dort nur eine Handvoll Vereinsmitglieder sitzen.

„Hätten den Verein eh aufgelöst“

„Das Personal ist eh knapp. Außerdem benötige ich den Platz für andere Gesellschaften, etwa nach Beerdigungen“, sagt der 63-Jährige, dessen Großvater Heinrich Reimers am 8. Oktober 1919 zu den Gründern des Schießclubs Zentrum gehörte. „Wir hätten den Verein allerdings eh aufgelöst“, sagt Könnecker. „Wir hätten vielleicht ein, zwei Jahre länger durchgehalten.“

Auf dem Luftgewehr-Stand im ersten Stockwerk des Gasthofs ermittelten die Zentrum-Schützen jahrzehntelang ihre Besten. 1976 modernisierten sie ihn – ebenfalls in Eigenarbeit. Im Saal feierte der Club große Bälle, oft mehrmals im Jahr. „Ursprünglich wurde im Saal auch geschossen“, sagt Könnecker.

Für die Zentrum-Aktiven sei das Kapitel Schützenverein erledigt. Die Vorsitzenden wüssten nichts davon, dass Kameraden nun in andere Schützenvereine wechseln wollen. „Wir Schützinnen wollen uns aber weiterhin treffen – zum Kaffeetrinken in der Gaststätte Zum alten Bahnhof in Curslack“, sagt die stellvertretende Vorsitzende.

Etwa zwei Millionen Schützen in Deutschland

In ganz Deutschland gibt es rund zwei Millionen Schützen, eine genau Zahl liegt nicht vor. Im Deutschen Schützenbund, dem größten deutschen Schießsportverband, waren bis Ende 2019 in Hamburg 18.516 Mitglieder registriert – 25 mehr als im Vorjahr, obwohl die Zahl der Vereine von 140 auf 139 sank.

In ganz Deutschland hatte der Dachverband Ende 2018 1.349.851 Mitglieder, organisiert in 14.246 Vereinen. Seit der ersten Statistik nach der Gründung des Deutschen Schützenbundes ging die Mitgliederzahl zwischen 1952 (48.699 Mitglieder) und 1997 (1.589.079) Jahr für Jahr aufwärts. Danach waren die Zahlen bis 2012 rückläufig, sind seitdem leicht schwankend