Neujahrsempfang

Die grüne Branche sieht sich am Ende ihrer Kräfte

Die Redner beim Neujahrsempfang der Landwirtschaftskammer (von links): Andreas Kröger, Dr. Katja Klumpp, die über „Klimawandel und Grünlandmanagement“ referierte, Angela Becker und Martin Köppen.

Die Redner beim Neujahrsempfang der Landwirtschaftskammer (von links): Andreas Kröger, Dr. Katja Klumpp, die über „Klimawandel und Grünlandmanagement“ referierte, Angela Becker und Martin Köppen.

Foto: Thomas Heyen

Düngeverordnung, Insektenschutz, Klimaschutz: In der Landwirtschaftskammer Hamburg wird mit großen Sorgen in die Zukunft geblickt.

Moorfleet. Die Sorgen der grünen Branche dominierten den gestrigen Neujahrsempfang der Landwirtschaftskammer Hamburg. Präsident Andreas Kröger sprach im Kompetenzzentrum am Brennerhof vor rund
80 Gästen von einem „außergewöhnlichen Jahr“ 2019 mit „gesellschaftspolitischen Anforderungen an Landwirtschaft und Gartenbau in einem vorher nicht gekannten Ausmaß“, von einem „Konzert der Auflagen und Anforderungen“.

Düngeverordnung, Insektenschutz, Klimaschutz, Tierwohl – Kröger machte deutlich, dass so manchem Bauern und Gärtner angesichts neuer Auflagen und Forderungen die Luft ausgeht. Betriebe würden aufgegeben. Kröger: „Landwirte fühlen sich gesellschaftspolitisch an den Pranger gestellt und haben tiefsitzende Existenzängste.“

Mitbewerber müssten Abgabe nicht leisten

Die Einführung einer Kohlendioxid-Steuer könnten die Gärtner und Landwirte nicht nachvollziehen: „Wir in Landwirtschaft und Gartenbau machen mit unserer Produktion und unseren Produkten CO2 zu Sauerstoff, binden CO2 – wer kann das sonst noch?“, fragte Kröger. Europäische Mitbewerber müssten so eine Abgabe nicht leisten, seien dadurch im Vorteil. Dabei mache der Ausstoß von Kohlendioxid weder an den deutschen Grenzen halt, noch würden die Lkw und Flugzeuge mit ausländischen Waren CO2-frei unterwegs sein.

Martin Köppen, in der Wirtschaftsbehörde für Förderung, Außen- und Agrarwirtschaft zuständig, betonte die gute Zusammenarbeit zwischen seiner Behörde und Verbänden wie der Landwirtschaftskammer. Viele der angesprochenen Probleme würden im Agrarpolitischen Konzept 2025, einer Fortsetzung des Erfolgskonzepts 2020, berücksichtigt.

„Doch wir haben es leider mit einem unfairen Verbraucher zu tun, und das ist eine große Herausforderung“, sagte der Amtsleiter mit Blick auf Verbraucher, die für den Klimaschutz demonstrieren, sich im Supermarkt aber für das Produkt mit schlechter CO2-Bilanz entscheiden würden, weil es etwas billiger ist.

Kröger betonte, dass auch die Erzeugnisse der heimischen Gärtner und Landwirte zu billig verkauft würden – weil sie auf dem Markt sonst nicht mithalten könnten. Deshalb sei es wichtig, die Öffentlichkeit über die Vorzüge und die Bedeutung regionaler Produkte zu informieren. Dies soll unter anderem bei einer Messe mit dem Titel „Land und Genuss“ am 18./19. April in den Schnelsener Messehallen geschehen.

Kommt ein neues Unterrichtsfach?

Angela Becker, Vorsitzende des Landfrauenverbandes Hamburg, hält Aufklärung ebenfalls für den richtigen Weg: Deshalb hat sie sich mit Kröger bei Schulsenator Ties Rabe für die Einrichtung eines neuen Unterrichtsfaches mit dem Titel „Alltags- und Lebensökonomie“ eingesetzt.

„Die Verbraucherbildung, idealerweise von Kind an, wird die Wertschätzung der Landwirtschaft und ihrer Erzeugnisse stärken und bewusst machen“, sagt sie. Das Ziel werde hartnäckig weiter verfolgt, betonte die Landfrauenchefin. „Je nach Ausgang der Bürgerschaftswahl müssen wir vielleicht wieder von vorn anfangen.“

Amtsleiter Köppen empfahl, mit den Parteien zu sprechen, möglichst viele Politiker von den Anliegen der grünen Branche zu überzeugen.