Religion

Dieser Gottesdienst schmeckt vielen

Haben Spaß (von links): Hans-Jürgen Seeliger, Waltraut und Wolfgang Schween, Ute Schmoldt-Ritter und Hans-Werner Ritter sowie Heike Pfleger, Bernd Meyns und Hartmut Storbeck beim Frühschoppen nach dem Gottesdienst.

Haben Spaß (von links): Hans-Jürgen Seeliger, Waltraut und Wolfgang Schween, Ute Schmoldt-Ritter und Hans-Werner Ritter sowie Heike Pfleger, Bernd Meyns und Hartmut Storbeck beim Frühschoppen nach dem Gottesdienst.

Foto: Thomas Heyen

Neue Wege: Kirchengemeinde Altengamme bittet ins Norddeutsche Haus zu Gebeten, Skiffle, Fassbier und Grünkohl.

Altengamme. Die Zahl der Mitglieder in den Kirchengemeinden schwindet von Jahr zu Jahr, nicht selten predigen Pastoren sonntags vor nur einer Handvoll Besucher. Deshalb gehen viele Gemeinden neue Wege. Für die Kirchengemeinde St. Nicolai zu Altengamme sind diese neuen Wege allerdings fast schon Klassiker: Pastor Martin Waltsgott und der Kirchengemeinderat bieten schon seit Jahren besondere Gottesdienste an – in der Scheune, in niederdeutscher Sprache, unter freiem Himmel, im Kuh- oder Reitstall, im Sommerbad oder mit anschließendem Apfelsaft-Event für die ganze Familie. Gestern verfolgten rund 100 Besucher einen Kneipengottesdienst mit Musik der Gruppe Skiffle Track im Norddeutschen Haus.

Zum vierten Mal sangen und beteten die Gottesdienstbesucher im Saal der Gaststätte am Altengammer Elbdeich 42. „Wäre der Gottesdienst in der Kirche gefeiert worden, wären vielleicht vier Besucher gekommen“, sagt Ute Schmoldt-Ritter, Vorsitzende des Kirchengemeinderates. „Zum Jahresbeginn wird der Kater auskuriert. Größeren Zuspruch gibt es nur an besonderen Tagen oder Orten.“

Gelungener Start

So sei der Kirchengemeinde ein gelungener Start ins neue Jahr gelungen. „Die Kirche befindet sich im Umbruch und man muss etwas gegen schwindendes Interesse tun“, sagt Hartmut Storbeck aus Altengamme. Er bedauert, dass auch zu einem Kneipengottesdienst mit gezapftem Bier und Livemusik kaum junge Menschen kommen. „Früher war es sonntags üblich, nach dem Gottesdienst gemeinsam ein Bierchen zu trinken“, sagt Storbeck.

Marc­-René Pastel, Juniorchef des Norddeutschen Hauses, hält die Kneipengottesdienste für einen Volltreffer – nicht nur, weil er gestern viele Portionen Grünkohl und Getränke verkaufte: „Die einen sind im Sportverein, die anderen bei der Feuerwehr oder bei den Schützen, aber hier kreuzen sich ihre Wege.“ So ein besonderer Gottesdienst locke auch frisch Zugezogene, betonte der Wirt. Sogar seine Schwiegermutter war für den Gottesdienst extra aus Glinde angereist.

Zivilkleidung „gewöhnungsbedürftig“

Marlen (76) und Heinz Sieveking (79) aus Altengamme waren bereits zum dritten Mal dabei. „Wir sind aber auch bei fast allen anderen Gottesdiensten“, sagt der Senior. Er lobte den Pastor, der „sehr gut vorbereitet“ gewesen sei, „aber dass er in Zivilkleidung erschienen ist, fand ich gewöhnungsbedürftig“.

Waltsgott („In einer Kneipe ist legere Kleidung angebracht“) sprach über die Jahreslosung „Ich glaube, hilf meinem Unglauben“ davon, dass auch ein bisschen Glauben durchs Leben helfe. Imke Harms und Corinna Bernutat sprachen ein Gebet, einen modernen Psalm und einen Segenswunsch, Konfirmandin Maya Lutter las aus der Erzählung „Vier Jahreszeiten“ vor. Darin geht es um die Bedeutung unterschiedlicher Wahrnehmung, die nicht nur eine Perspektive zählt.

Auch im Theater Vielfalt

Mit den Gottesdiensten an besonderen Orten werde versucht, „auf Menschen anders zuzugehen“, betont der Pastor. „Wir wollen viele verschiedene Menschen ansprechen.“ In einem Theater gebe es schließlich auch vielfältige Angebote, betont Waltsgott.