Kritik im Internet

Treibjagd vor Kinderaugen

Ein Kind blickt vom Bahnhof Allermöhe aus in Richtung Norden, nach Billwerder – dorthin, wo die Treibjagd stattfand.

Ein Kind blickt vom Bahnhof Allermöhe aus in Richtung Norden, nach Billwerder – dorthin, wo die Treibjagd stattfand.

Foto: Thomas Heyen

Jäger schießen in Billwerder Hasen, während sie von Jung und Alt beobachtet werden.

Billwerder. Eine Treibjagd in Billwerder sorgt im Internet für Diskussionen. Knapp 30 Teilnehmer der Jagd waren am Donnerstag zwischen 9.30 und 15 Uhr auf den Weide- und Ackerflächen zwischen Bahnstrecke und Billwerder Billdeich unterwegs. Sie schossen Hasen, Enten und Fasane. Die Jagd war gut zu beobachten, unter anderem vom S-Bahnhof Allermöhe aus. Dies wird in den sozialen Netzwerken kritisiert.

„Eine schreckliche Situation“, schreibt eine Frau im Internet. Sie fragt: „Müssen wir das so hinnehmen?“, verweist auf Kindergartenkinder, die regelmäßig auf dem Weg neben den Feldern unterwegs sind. Die Frau macht sich auch Sorgen um die Sicherheit der Menschen: „Man steht theoretisch vor dem Geschehen.“ Nur ein einziges Warnschild habe sie gesehen.

John-Dorian Voigt hatte die Treibjagd organisiert. Der 23-Jährige ist Pächter des 556 Hektar großen Jagdreviers Billwerder, das sich zwischen Bergedorf-West und Autobahn 1, Bille und Graben nahe der Bahnstrecke befindet. „Wir haben vier Warnschilder aufgestellt“, sagt er. „Zwei am Mittleren Landweg und zwei am Weg an der Bahn.“ Die „Achtung Jagd“-Schilder warnen etwa Autofahrer vor flüchtendem Wild.

Nicht alle Anwohner benachrichtigen

Voigt habe die Polizei und die Landwirte informiert, auf deren Pachtflächen die Jäger mit ihren Schrotflinten unterwegs waren. „Ich kann nicht alle 2000 Menschen in Billwerder benachrichtigen“, sagt der Jagdpächter. Täte er dies, müsse er außerdem mit Protestaktionen auf den Feldern rechnen. Dies sei wiederum nicht ungefährlich, wenn scharf geschossen wird.

Vor Ort habe es keine Proteste gegeben. „Es gab lediglich Anwohner, die sich überrumpelt fühlten, weil Jäger über deren Auffahrt gingen, um ins Jagdrevier zu gelangen.“ Grundsätzlich dürften Jäger nicht eingezäunte Privatflächen betreten, um zum Revier zu gelangen, betont der Jagdpächter.

Von 556 Hektar in seinem Revier seien rund 450 jagdbar, sagt Voigt. „Sie sind von Wohnbebauung weit genug weg.“ Schrotkugeln könnten auf maximal 350 Meter Entfernung Schaden anrichten.

Bestände im Gleichgewicht halten

Viele Grün-, Weide-, Acker- und Forstflächen würden in Deutschland bejagt, berichtet Voigt. Es gehe unter anderem darum, die Ausbreitung von Krankheiten unter den Tieren zu unterbinden, die Bestände im Gleichgewicht zu halten und für Verkehrssicherheit zu sorgen. Jagen dürfen nur Inhaber eines Jagdscheins. Die Tierbestände würden gezählt, bevor Pächter zu einer Treibjagd bitten, so Voigt.

Die Zahl der Treibjagden in den Vier- und Marschlanden sei gesunken, weil es früher mehr Wild gab: Heute gebe es in den Revieren nur „alle paar Jahre“ Treibjagden, berichtet ein anderer Jagdpächter aus dem Landgebiet, der namentlich nicht genannt werden möchte. Die Abnahme des Wildbestands liege vor allem an eingewanderten Prädatoren (Fressfeinden) wie Marderhunden oder auch Uhus. Zudem sei die Zahl der Füchse, die, wie auch Störche und Graureiher, ebenfalls kleine Hasen fressen, gestiegen, sagt der Jäger.

Auf Hunde und Katzen würde nicht geschossen

Aktuell habe sich der Hasenbestand nach zwei warmen Sommern erholt. „Sie können Nässe und Kälte nicht ab.“ Für die Jagdpächter gebe es keine weiteren Regelungen, welches Niederwild geschossen werden darf. Allerdings gelten für Wildarten verschiedene Jagd- und Schonzeiten. Deshalb seien Treibjagden in der Regel im November und Dezember. Rehwild dürfe in Hamburg nur nach dem Abschussplan der Unteren Jagdbehörde erlegt werden.

Auf streunende Hunde und Katzen würde bei Jagden hierzulande nicht geschossen. „Wir wollen die gesunde Artenvielfalt erhalten, sind in erster Linie nicht Jäger, sondern Heger“, sagt der Jagdpächter. Dass Tiere gejagt, getötet und verspeist werden, sei „normales Leben“.

Jäger-Kollege Voigt fügt hinzu: „Wer Fleisch isst, sollte sich auch damit auseinandersetzen, wo es herkommt.“